2013 wird ein erfreuliches Aktienjahr

Geposted von Walter Feil am

Am Dienstag dieser Woche hatte ich Gelegenheit, in einem kleinen Kreis von institutionellen Investoren über die Einschätzungen zu den Kapitalmärkten für das Jahr 2013 zu diskutieren. Hauptredner war Christian Heger, Chief Investment Officer von HSBC Global Asset Management Deutschland, der über eine Stunde lang die Erwartungen der HSBC Asset Management Deutschland über die Entwicklung der Aktien- und der Rentenmärkte vortrug und darüber hinaus Fragen der Teilnehmer beantwortete.

Drei Dinge braucht der Aktienmarkt …

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen stellte Christian Heger klar, dass drei Vorausseitzungen erfüllt sein müssen, um Aktienkurse voranzutreiben.

  1. Wachstum:
    Die Gewinne der Unternehmen müssen steigen. Dies ist derzeit in fast allen Aktienmärkten der Fall. Die Gewinnsteigerungen resultieren derzeit vor allem aus Umsatz-Zuwächsen, was nach einer Phase der Rationalisierung und der Verschlankung von Abläufen zu weiteren Gewinnsteigerungen führt.
  2. Liquidität:
    Unternehmen und Investoren müssen Zugang zu Liquidität haben. Genau diese Liquidität steht derzeit sehr reichlich zur Verfügung.
  3. Niedrige Bewertungen:
    Die Bewertungen der Unternehmen müssen mit Blick auf den langfristigen Durchschnitt noch Luft nach oben haben. Diese Voraussetzung ist ebenfalls erfüllt. Besonders im Vergleich zum Rentenmarkt sind Unternehmen auch nach den jüngsten Kurssteigerungen immer noch sehr günstig bewertet.

Erträge aus Dividenden sind jetzt höher als Erträge aus Anleihen

Langsam, aber unaufhaltsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir noch eine lange Zeit niedriger Zinserträge vor uns haben. Die Erträge aus den jetzt begebenen Anleihen von Schuldnern hoher Bonität sind mittlerweile deutlich geringer als die Dividenden einer Vielzahl von weltweit tätigen, langfristig erfolgreichen und stetig wachsenden Unternehmen. Dies führt zu einem stetigen Investitionsfluss in diese Unternehmenswerte, besonders wenn eine bisher ertragreiche Anleihe „aus früheren Zeiten“ fällig wurde und das Kapital neu angelegt werden muss.

Die Wirtschaft der USA steht sehr gut da

Die Wirtschaft der USA befindet sich jetzt in einer zyklischen Erholung nach einer Krisenphase von 4 bis 5 Jahren Dauer. Der Abbau der Schulden im privaten Bereich macht weiter Fortschritte. Der Verschuldungsgrad der privaten Haushalte ist von 130 % auf 110 % gefallen.

Die Banken geben wieder Kredite, was dem Immobilienmarkt zu Gute kommt. Heute ist – besonders aufgrund der niedrigen Zinsen – der Kauf einer Immobilie leichter zu stemmen als vor der Krise. Darüber hinaus werden etwa 35 % der derzeitigen Immobilienkäufe ohne Finanzierung bezahlt. Die Käufer investieren mangels ertragreicher Alternativen ihre Liquidität in Immobilien und erzielen daraus Mieteinnahmen.

Die USA stehen vor einer bedeutenden strukturellen Verbesserung

Die gewaltigen Fortschritte bei der Förderung von Schiefergas mit dem Fracking-Verfahren führt zu einer deutlichen Reduzierung der Energiepreis. Dies hat Entwicklungen in Gang gesetzt, die in ihrer Gesamtheit zur bedeutendsten Veränderung in den USA seit vielen Jahren führen.

  1. Energie-intensive Unternehmen verlagern ihre Produktion vom (früher billigen) Ausland zurück in die USA. Dies schafft Arbeitsplätze zunächst für die Investitionen, dann für die Produktion.
  2. Die Bürger verfügen über mehr Kaufkraft, da die Energiekosten in ihren Haushalten sinken. Dies führt zu einem höheren Konsum, was für die US-Wirtschaft mit 70 % Konsum-Anteil sehr wichtig ist.

Ergänzend sind die Lohnsteigerungen seit einiger Zeit gering, so dass die US-Wirtschaft vor einem absolut positiven Mega-Trend steht. Dies wird nur gebremst durch die notwendige Konsolidierung des Staatshaushaltes, was das Wirtschaftswachstum um derzeit geschätzt 0,5 % reduzieren wird.

Als vorläufiges Fazit stellte der CIO der HSBC Asset Management Deutschland fest: Die US-Wirtschaft läuft relativ stabil, die Konjunktur entwickelt sich positiv. Das Wachstum ist gut gestützt.

Die Fed gibt weiterhin Vollgas

Die US-Notenbank wird noch lange Zeit Liquidität in die Märkte pumpen (derzeit 85 Milliarden USD monatlich, was auf ein Jahr gesehen über 1 Billion USD ergibt). Die Inflation wird niedrig bleiben, vor allem, weil die Energiepreise sich in Zusammenhang mit dem jetzt billig verfügbaren Shale-Gas auf einem tiefen Niveau liegen.

Japan steht vor einer Änderung seiner Politik

Nach vielen Jahren hoher Preisstabilität strebt die japanische Politik jetzt an, ganz gezielt die Inflation zu erhöhen. Bisher wurde im Inland viel in die Entwicklung der Infrastruktur investiert. Neue Straßen führen aber kaum zu nennenswerten Folge-Investitionen. Jetzt weitet Japan, vor allem über seine Notenbank, die Geldmenge deutlich aus, was zu einer Abwertung der japanischen Währung führte und weiter führen wird. Dies hilft den sehr effizienten export-orientierten Unternehmen, ihre weltweiten Umsätze deutlich zu erhöhen. Im Inland allerdings ist die Wirtschaft „zunft-orientiert“ mit nur sehr geringem Wettbewerb.

Da Japan über enorme Devisenreserven verfügt, kann der Staat, wie Christian Heger formulierte, „einiges aushalten.“

Eurozone braucht noch lange bis zur Bewältigung der Krise

Die Krisenherde in der Eurozone werden uns noch lange erhalten bleiben. Einige sehr problematische Entwicklungen befinden sich auch in einem durchaus unterschiedlichen Stadium: in Irland befinden sich die Immobilienpreise nach dem scharfen Fall bereits wieder in der Erholungszone, in Spanien ist die Immobilienblase gerade geplatzt und die Banken stehen – mit europäischer Hilfe – mitten in der Sanierungsphase. In den Niederlanden, wo traditionell aufgrund falscher steuerlicher Anreize stets mit sehr wenig Eigenkapital finanziert wurde, steht die Immobilienkrise gerade am Beginn.

Zahlreiche Länder der Eurozone haben massive strukturelle Probleme, die vor allem in einem zu unflexiblen Arbeitsmarkt begründet sind. Es wird drei bis fünf Jahre dauern, bis diese Strukturkrisen aufgearbeitet sind und weitere vier bis fünf Jahre für einen neuen Aufschwung.

Die Budgetziele werden überall verfehlt. Auf längere Sicht kann die Eurozone zu einem neuen „Japan“ werden. Die EZB gibt (im Vergleich zu den Zentralbanken in den USA, in Japan und in England) relativ wenig Liquidität in den Markt. Dies trägt auch ein bisschen dazu bei, dass die Eurozone als Ganzes bis auf weiteres sehr wachstumsschwach bleibt.

Deutschland als Insel mit florierender Wirtschaft

Deutschland hat die Strukturkrise mit einem unflexiblen Arbeitsmarkt und ausufernden Sozialleistungen vor ca. 10 Jahren durchlebt. (Gerade in diesen Tagen berichten zahlreiche Zeitungen anlässlich des 10-jährigen Jahrestages der Veröffentlichung der „Agenda 2010“ von der Kehrwendung im Jahr 2003). Heute ist die deutsche Wirtschaft extrem wettbewerbsfähig, der Export boomt, der Konsum steigt, das Bankenproblem nach 2008 wurde in kurzer Zeit überwunden.

Italien wird seine Probleme lösen

Christian Heger erwartet, dass Italien „sich zusammenraufen“ wird und nicht zu einem ernsthaften Problemfall wird.

Frankreich steht vor einer weiterhin negativen Entwicklung

Hollande kann seine Wahlversprechen nicht halten. Die „Arbeitskultur“, die sich seit Jahrzehnten etwas lässig mit einer 35-Stunden-Woche, Rente ab 55 und häufig nicht so intensiver Arbeitshinwendung wie das in Deutschland gewohnt ist, entwickelt hat, wird sich nicht so schnell, in überschaubarer Zeit eher gar nicht, ändern. Die Unternehmen sind häufig international nicht wettbewerbsfähig und wollen nicht investieren. Der Export steigt nicht. Immobilien (die vor 30 Jahren noch zu einem Drittel des deutschen Preisniveaus erworben werden konnten) sind heute überteuert. Es wird noch einige Jahre dauern, bis Frankreich Ansätze zu einer Korrektur sichtbar werden – und sodann weitere Jahre, um die sich bis dorthin weiter verschlimmernde Situation wieder zu verbessern.

Die Emerging Markets wachsen überdurchschnittlich stark 

Die Emerging Markets (die ich heute gemäß einem Vortrag von Jim O’Neill, dem früheren Chairman von Goldmann Sachs) eher als „Wachstumsländer“ bezeichnen würde) führen das Wirtschaftswachstum weiterhin an, ganz vorne mit China, dann die umgebenden Länder Asiens, dann Lateinamerika, dann – mit Abstrichen- die EM-Länder Europas.

Afrika mit sich beschleunigendem Wachstum

Einige Länder in Afrika holen sehr stark auf. Sie befinden sich in der Regel nach am Anfang eines Wachstums-Zyklus und lassen mit ihren Aktienmärkten auf einen langen Zeitraum zwar volatile, jedoch tendenziell stark wachsende Aktienkurse erwarten.

„Zwei Schritte vor – einer zurück“ als beste aller (Investitions-) Welten

Insgesamt erwartet Christian Heger für das Jahr 2013 einen weiterhin volatilen, jedoch für Anleger sehr erfolgreichen Aktienmarkt. Zeitweilige Überbewertungen werden schwerpunktmäßig durch Seitwärtsbewegungen abgebaut.

Hinweis:
Bitte beachten Sie: diese Zusammenfassung eines mehr als einstündigen Vortrages + Diskussion mag Irrtümer und Auslassungen beinhalten. Es ist auf jeden Fall nur eine Meinung, auch gefärbt und interpretiert durch den Verfasser dieser Zusammenfassung. Es ist keinesfalls eine Garantie über das Eintreten einer bestimmten Entwicklung.

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.