Mit dem „Weltbild“ von Gies & Heimburger liefern wir Ihnen seit Januar 2013 ein komprimiertes Update über unser „Bild von dieser Welt“ und die Schlussfolgerungen, die wir daraus für unsere Investitionen ziehen.
Kurzfassung:
Die Weltwirtschaft bleibt zweigeteilt: Während die USA und ausgewählte Emerging Markets vom KI-Boom und strukturellem Wachstum profitieren, ringt Europa weiterhin mit einer schwachen Industrie und fragiler Konjunktur. Zinssenkungen in den USA und der Eurozone dürften 2026 vorsichtig fortgesetzt werden. Attraktive Chancen sehen wir vor allem bei KI-getriebenen Aktien, ausgewählten Schwellenländern, Edelmetallen sowie Rohstoffen für die Energiewende.
Amerika – der Konjunkturmotor läuft und läuft und läuft
Die amerikanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit überragenden 4,30 Prozent (GDP-Wachstum – annualisiert).
Die amerikanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit überragenden 4,30 Prozent (GDP-Wachstum – annualisiert). Im Schlussquartal 2025 zeichnen die ersten, wegen des Shut Downs verzögerten, Modellrechnungen ein Bild einer leichten Abkühlung des Wachstums, allerdings immer noch über der 3-Prozent-Marke. Das Zauberwort für die prosperierende US-Wirtschaft lautet eindeutig Künstliche Intelligenz (KI). Wir sehen kaum jemals dagewesene Milliardeninvestitionen der Unternehmen auf sehr vielen Ebenen, um eine grundlegende Infrastruktur für KI aufzubauen. Dieser Boom wird bis auf Weiteres andauern und nach unserem Dafürhalten sind wir noch weit von einer Bubble entfernt.
Die amerikanische Notenbank Fed wird ihren moderaten Zinssenkungstrend (zwei Zinssenkungen?) auch im Jahresverlauf 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Im Mai endet die Amtszeit des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell; als potenzielle Nachfolger werden Kevin Hassett, Scott Bessent oder Christopher Waller gehandelt.
Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen bewegten sich jüngst in einer engen Bandbreite zwischen 4 Prozent und rund 4,20 Prozent. Ein Ausbruch aus dieser Range dürfte auch eine spürbare Signalwirkung für die Aktienmärkte besitzen. Wir erwarten in den kommenden Wochen eher ein Unterschreiten der 4 Prozent Marke.
Der amerikanische Aktienmarkt scheint die 7.000-Punkte-Marke ins Visier nehmen zu wollen. Für uns ist es eine Frage der Zeit, bis der Markt sich auch in diese Region vortasten wird. Der oben beschriebene KI-Boom ist der Treiber dazu. Marktkorrekturen werden auch in 2026 auf uns zukommen und gute Einstiegschancen bieten.
Eurozone – bisher kein überzeugendes Durchstarten
Die amerikanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit überragenden 4,30 Prozent (GDP-Wachstum – annualisiert).
Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich zum Jahresende aufgrund einer leichten Kontraktion im verarbeitenden Gewerbe und einer schwächeren Dynamik im Dienstleistungssektor. Die schwächere Entwicklung ist in erster Linie auf die deutsche Industrie zurückzuführen, wo sich der Abschwung verstärkte. In Frankreich hingegen gibt es Anzeichen für eine vorsichtige Erholung in der Industrie, auch wenn eine einzelne Monatszahl nicht überbewertet werden sollte. Der Dienstleistungssektor, der im Vormonat noch gewachsen war, stagniert dort jedoch, während die deutschen Dienstleistungsunternehmen einen weiteren soliden Anstieg ihrer Aktivitäten verzeichneten. Insgesamt scheint der Start ins neue Jahr fragil zu sein. Der Dienstleistungssektor sieht weiterhin relativ robust aus. Ein echter Aufschwung wird jedoch nur gelingen, wenn die verarbeitende Industrie wieder Fuß fasst.
Die Kosteninflation im Dienstleistungssektor erreichte im Dezember den höchsten Stand seit neun Monaten.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 18. Dezember beschlossen, ihre drei Leitzinssätze unverändert zu belassen. Der Zinssatz für die Einlagefazilität sowie die Zinssätze für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und für die Spitzenrefinanzierungsfazilität blieben unverändert bei 2,00 %, 2,15 % bzw. 2,40 %. Die aktualisierte Beurteilung bestätigt erneut, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht beim Zielwert von 2 % stabilisieren dürfte. Laut den jüngsten von Fachleuten des Eurosystems erstellten Projektionen wird die durchschnittliche Gesamtinflation 2025 bei 2,1 %, 2026 bei 1,9 %, 2027 bei 1,8 % und 2028 bei 2,0 % liegen. Somit werden die Währungshüter in Frankfurt ihren vorsichtigen Zinssenkungspfad in 2026 fortsetzen können.
Die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen erreichten kurz vor Weihnachten mit 2,92 Prozent einen (kurzfristigen?) Renditegipfel. Die Renditekurve wird steiler und dies liegt nicht an einer boomenden Konjunktur, sondern an den Risikoaufschlägen, die der Markt angesichts der öffentlichen Verschuldungsorgien im Jahresverlauf 2025 mittlerweile einfordert. Wir erwarten, dass Basiseffekte die Inflation in den kommenden Monaten deutlich im Zaum halten sollten, so dass uns aktuell Investitionen in langlaufende Bundesanleihen attraktiv erscheinen.
Der DAX bewegt sich seit Anfang Juni in einer seitwärts gerichteten Konsolidierungsphase innerhalb einer Bandbreite von rund 23.000 bis 24.600 Punkten. Sollten sich die Renditen am Rentenmarkt nach unten bewegen und die Konjunktur in der Eurozone endlich, zumindest eine Handbreit Wasser unter den Kiel bekommen, dann sollte ein Ausbruch an der Oberseite der genannten Spanne möglich sein. Der Euro Stoxx 50 nimmt Anlauf auf die 5.800er Marke und hat aus charttechnischer Sicht weiteres Potential nach oben.
Japan – hartnäckige Inflation (steigende Lebensmittelpreise) mit steigenden Zinsen
Die amerikanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit überragenden 4,30 Prozent (GDP-Wachstum – annualisiert).
Die wirtschaftliche Entwicklung in Japan wird sich nach einem robusten Wachstum von 1,3 % des BIPs im Jahr 2025 in 2026-27 voraussichtlich auf 0,9 % pro Jahr verlangsamen. Die Binnennachfrage wird der Hauptwachstumsmotor sein, während die Auslandsnachfrage aufgrund der US-Zölle einen leichten Rückgang der Wirtschaftstätigkeit bewirken wird. Der private Konsum wird durch Lohnzuwächse gestützt, die das reale verfügbare Einkommen erhöhen. Robuste Unternehmensgewinne und staatliche Subventionen werden die Unternehmensinvestitionen stützen. Das neue Konjunkturpaket wird den öffentlichen Konsum und die Investitionen stützen. Die Gesamtinflation der Verbraucherpreise ist durch steigende Lebensmittelpreise stark belastet. Ob es hier in 2026 eine Entlastung gibt, müssen wir genau beobachten. Der Start von Sanae Takaichi als erste Premierministerin Japans verlief unspektakulär.
Die Bank of Japan wird an einer behutsamen Straffung der Geldpolitik festhalten, um die Inflation im Zaum zu halten. Der Renditeanstieg bei 10-jährigen Staatsanleihen (2,08 Prozent) auf den höchsten Stand seit 2008 ist für die Währungshüter und den Staatshaushalt (Schuldendienst) eine Herausforderung.
Der japanische Aktienmarkt konsolidiert seit seinem Rekordstand Ende Oktober 2025 (52.400 Punkte) seitwärts. Dies sollte sich noch fortsetzen.
Emerging Markets:
Die amerikanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit überragenden 4,30 Prozent (GDP-Wachstum – annualisiert).
China – solides Wachstum und KI-Phantasie
Chinas Wirtschaft behielt in 2025 eine solide Dynamik bei und erreichte ein BIP-Wachstum im Jahresvergleich von knapp 5 %. Anpassungsfähige fiskalische und geldpolitische Maßnahmen unterstützten den inländischen Konsum und die Investitionen, während die Nachfrage aus Entwicklungsländern die Exporte aufrechterhielt. Dennoch blieben die Haushalte bei ihren Ausgaben vorsichtig angesichts eines schwachen Arbeitsmarktes und sinkender Immobilienpreise. Laut dem neuesten China-Wirtschaftsupdate der Weltbank, „Advancing Reforms, Enhancing Prospects“ wird das Wachstum für 2026 auf 4,4 % prognostiziert, da bestehende Gegenwinde weiterhin bestehen bleiben werden. Jüngste fiskalische Maßnahmen sowie eine gewisse Stabilität in der globalen Handelspolitik sollten Investitionen und Exporte unterstützen.
Die chinesischen KI-Unternehmen wie Alibaba, Baidu, Tencent, SenseTime, oder iFlytek sind weltweit nahezu die einzigen, die der KI-Power aus dem Silicon Valley Paroli bieten können. Dies wird für China einen nicht zu unterschätzenden Wachstumsmotor darstellen.
Der breite chinesische Aktienmarkt (Shanghai Composite Index) konsolidiert aktuell seinen Top Stand von Mitte November 2025 (4.030) aus. Der chinesische Technologieindex (Hang Seng Tech Index) hat seit Oktober 2025 etwas mehr als 10 Prozent korrigiert. Wir erachten das aktuelle Kursniveau als eine sehr attraktive Kaufgelegenheit.
Das politische Risiko (Taiwanfrage) bleibt latent vorhanden und ist nicht vorhersehbar. Ich persönlich glaube, dass die Führung in Peking (noch) nicht bereit ist dieses enorme militärische Risiko eines amphibischen Angriffs auf Taiwan einzugehen.
Lateinamerika – Brasilien und Mexiko sind die konjunkturellen Outperformer der Region
Wir erwarten für Brasilien und Mexiko in 2023 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 3,5%. Die Andenländer entwickeln sich im bisherigen Jahresverlauf deutlich schwächer. Die Lateinamerikanischen Notenbanken werden den bereits seit diesem Sommer begonnenen Zinssenkungsprozess fortsetzen, wobei die Banco de México vermutlich erst im Januar 2024 auf den Zinssenkungspfad einschwenken wird.
Im kommenden Jahr dürften sich die Wachstumsperspektiven für Brasilien und Mexiko etwas eintrüben. In Brasilien sehen wir diesbezüglich eher hausgemachte Faktoren, während Mexiko, mit seinen engen Verknüpfungen zu Amerika, eine mögliche Abschwächung der US- Konjunktur zu spüren bekommt.
Russland verabschiedete sich mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine im Grunde genommen aus der Gemeinschaft der (halbwegs) zivilisierten Staaten.
Das Land trotzt mit einem für 2023 erwartet Wirtschaftswachstum in Höhe von 2,5 Prozent weiterhin den westlichen Sanktionen. Zu groß sind der Energie- und Rohstoffhunger dieser Welt, und die Möglichkeiten auf „verschlungenen Pfaden“ die russischen Bodenschätze an wenig zimperliche Abnehmer zu liefern.
Das Wachstum in Russland dürfte in den nächsten ein bis zwei Quartalen recht kräftig bleiben. Eine Erhöhung der staatlichen Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine und eine verstärkte fiskalische Unterstützung im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im März 2024 sind Anfang nächsten Jahres wahrscheinlich. Dies wird zwar das Wachstum fördern, aber auf Kosten der makroökonomischen Stabilität Russlands gehen. Der Haushalt und die Leistungsbilanz werden wahrscheinlich weiter unter Druck geraten, was den Rubel belasten wird. Die Inflation wird weiter zunehmen, und weitere Zinserhöhungen sind zu erwarten.
Für uns verbieten sich in der aktuellen Situation Investmentgedanken bezüglich Russland.
Indien – ein Lichtblick in puncto Wachstum
Indien wird in Bezug auf das BIP-Wachstum weiterhin an der Spitze der Weltwirtschaft stehen. Aber die aktuelle Entwicklung zeigt Anzeichen dafür, dass die Konjunktur etwas nachlässt und die Kerninflation sich abschwächt. Dies sollte es der indischen Notenbank (RBI) ermöglichen, im nächsten Jahr mit Zinssenkungen zu beginnen.
Insgesamt erwarten wir, dass sich das jährliche BIP-Wachstum von 6,7 % im Jahr 2022 moderat auf 6,3 % im Jahr 2023 verlangsamen wird und wir schätzen, dass die Wirtschaft im Jahr 2024 mit 5,5 % wachsen wird. Diese Wachstumsraten sind niedriger als die, die für Indien vor der Pandemie üblich waren, dürften aber dennoch bedeuten, dass Indien eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt bleibt.
Ganz allgemein ist Indien heute bereits das bevölkerungsreichste Land der Welt und wird China in den nächsten Jahren als Heimat der größten Erwerbsbevölkerung der Erde ablösen. Und in einer auseinanderdriftenden Welt wird Indien angesichts seines großen Arbeitskräfteangebots, seiner niedrigen Lohnkosten und seiner Fortschritte bei den Strukturreformen vom „Friendshoring“ der Lieferketten im verarbeitenden Gewerbe profitieren.
Der indische Aktienmarkt (BSE Sensex) legte YTD rund 5 Prozent zu.
Rohstoffe / Rohstoffaktien:
Die amerikanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2025 mit überragenden 4,30 Prozent (GDP-Wachstum – annualisiert).
Erhebliche Chancen bei den „Energiewende – Rohstoffen“ wie Kupfer und Lithium
Die Erdgasspeicher in Deutschland sind zu fast 100 Prozent gefüllt, so dass sich für den bevorstehenden Winter die Sorgen der Energieknappheit nicht wiederholen werden. Der Ölpreis hat sich zuletzt, vor dem Hintergrund schwacher Konjunkturaussichten, um rund 10 Prozent gegenüber seinem Septemberhoch bei 95 Dollar je Barrel (Sorte Brent) abgeschwächt. Hier erwarten wir in den kommenden zwei bis drei Monaten keinen wesentlichen Anstieg.
Wir bleiben felsenfest davon überzeugt, dass man sich mit Blick auf die kommenden Jahre in den Produzenten der Metalle, die für die Energiewende (z.B. Kupfer und Lithium) unerlässlich sind, zwingend positionieren sollte. Wir erwarten hier Knappheiten am Markt mit spürbar steigenden Preisen für diese Rohstoffe, so dass die Gewinnaussichten für die Bergbaugesellschaften extrem vielversprechend aussehen.
Edelmetalle – Schutz vor weiteren geopolitischen Unsicherheiten
Gold zog aufgrund der politischen Unsicherheiten im Nahen Osten, starken Notenbankkäufen und zunehmenden Ängsten bezüglich. der weltweiten Staatsverschuldungen deutlich an. Um das Niveau von 2400 USD setzten Gewinnmitnahmen ein. Die Konsolidierung auf hohem Niveau könnte sich kurzfristig noch fortsetzen, die o.g. Themen bleiben aber so aktuell, daß wir im Jahresverlauf noch weiter steigende Kurse für Gold und Silber sehen sollten.
Mit unserer Einschätzung und Empfehlung von Gold- und Silberproduzenten lagen wir „goldrichtig“. An den extrem günstigen Bewertungen hat sich jedoch noch nicht viel geändert. Wir erwarten in den nächsten Quartalen sehr gute Geschäftsergebnisse der Produzenten und sehen in dieser Branche auf Sicht von 12 Monaten sehr großes Performancepotenzial.