Asien: Asiens Konjunktur hängt wesentlich von der Entwicklung in China ab

Geposted von Walter Feil am

In den letzten Wochen verdichteten sich die Nachrichten über eine Abschwächung der Konjunktur in China. In einem gesonderten Beitrag gehe ich auf die Wachsamkeit der chinesischen Politik und die vorgesehenen Maßnahmen ein, mit denen das Land die Entwicklung der Konjunktur im vorgesehenen Korridor halten will.

Hier geht es um die Frage, welche Auswirkungen eine Abschwächung oder eine Verbesserung der Konjunktur in China auf die anderen Staaten der asiatischen und auch der pazifischen Region hat.

Chinas Konjunktur beeinflusst die Entwicklung in zahlreichen Staaten

Die Konjunktur zahlreicher Staaten hängt zunehmend mehr von der wirtschaftlichen Entwicklung in China ab. Beispielhaft sei hier der stark gewachsene Export der deutschen Automobilindustrie nach Asien aufgezeigt, was im wesentlichen den Export nach China darstellt. Der schon fast sprichwörtliche “Deutsche Maschinenbau” profitiert in ähnlichem Umfang von seinen Exporten nach Fernost.

Exporte deutscher Automobile weltweit in 2011

Die Exporte der deutschen Automobilindustrie nach Asien lagen 2011 schon deutlich über den Exporten nach Nord- und Südamerika. Dies unterstreicht die Bedeutung des asiatischen Wirtschaftsraums auch für die Konjunkturentwicklung in Deutschland.

 

Die Entwicklung in China beeinflusst jedoch nicht nur die Konjunktur in Deutschland und anderen Industrienationen, sondern noch viel stärker die Konjunktur der das Land umgebenden asiatischen Staaten und auch der rohstoffreichen Staaten aus dem pazifischen Raum. Vor allem die Exporte aus Singapore, Taiwan, Korea, Malaysia, Thailand und den Philippinen nahmen in den Jahren 2007 bis 2011 sehr stark zu. Vietnam konnte seine Exporte in jüngster Zeit deutlich erhöhen, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass nach den massiven Lohnsteigerungen (jährlich + 15 %) in China bereits zahlreiche Hersteller ihren Produktionsstandort in das benachbarte Billiglohnland (Lohnniveau nur etwa 10 %) verlagert haben.

Auch Australien, Neuseeland und die Philippinen hängen wegen ihrer stark gestiegenen Rohstoffexporte nach China mittlerweile wesentlich von einer weiterhin positiven Entwicklung der dortigen Konjunktur ab. Indonesien erzielt nur einen geringen Anteil seines BIPs durch Exporte nach China, und Indien ist wegen seiner Ausrichtung auf den Binnenkonsum am wenigsten von seinem (geringen) Exportanteil in sein großes Nachbarland abhängig.

 

Exporte asiatischer Länder nach China

Zahlreiche Staaten in Asien und auch des pazifischen Raumes hängen durch ihren hohen Exportanteil nach China stark von der wirtschaftlichen Entwicklung in China ab

 

Diese Verquickung der wirtschaftlichen Prosperität der benannten Exportstaaten mit der Konjunkturentwicklung in China erfordert es, bei Investitionsentscheidungen stets den Blick auf die Gesamtregion zu richten. Singapore, Taiwan, Korea und andere Staaten können vielleicht eine kurzfristige Sonder-Entwicklung durch rein inländische Faktoren erleben. Mittel- und langfristig wird deren Entwicklung jedoch im wesentlichen der wirtschaftlichen Entwicklung in China folgen.

Auch die Aktienkurse in den Rohstoffländern hängen an Chinas Konjunkturentwicklung

Die Länder mit einem hohen Exportanteil von Rohstoffen für Industriemetalle wie zum Beispiel Australien hängen mit ihrer Konjunktur maßgeblich von den Exportmengen nach China ab. Einer der weltgrößten Rohstoffproduzenten, die BHP Billiton mit Sitz in Australien, stellte eine geplante Investition zur Erschließung weiterer Vorkommen in der Größenordnung von 50 Mrd USD zurück, nachdem die Abnahme in den letzten Monaten zurückgegangen war. Die Kursentwicklung des Australien-Index weist z.B. einen ins Auge fallenden Gleichlauf mit dem chinesischen Index auf.

MSCI Australien und China

Der Kursindex von China und Australien weist die letzten zwölf Monate einen augenfälligen Gleichlauf auf. Dies ist sicherlich auch auf die Abhängigkeit der großen australischen Rohstoffproduzenten von ihren Exportmöglichkeiten nach China zurückzuführen.

 

Eine Konjunkturbebung in China wird die gesamte Region beleben

Aus den dargestellten Abhängigkeiten folgt: Die letzten Monate erlebten wir eine Abkühlung der Konjunktur in der gesamten asiatischen Region und auch in den Rohstoffländern. Gemäß den jüngsten Nachrichten aus den letzten zwei Wochen hat die chinesische Führung die unbeabsichtigt schnelle Abkühlung der Konjunktur erkannt und steuert jetzt deutlich schneller und entschlossener dagegen als noch im Frühjahr dieses Jahres geplant. Dies wird nicht nur die Konjunktur und die Aktienkurse in China, sondern auch in Hongkong, Taiwan, Korea, Malaysia und weiteren asiatischen Staaten beleben. Auch die Rohstofflieferanten werden davon profitieren, wenn die Abnahmemengen wieder hochgefahren werden, was den Aktienkurs in Australien beflügeln dürfte.

 

 

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Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.