Ausblick: Was bringt uns das Jahr 2013?

Geposted von Walter Feil am

Die Saison der Jahres-Ausblicke eröffnet diesen Herbst die HSBC mit einem Thesenpapier, in dem die 10 wichtigsten Trends für das Jahr 2013 benannt werden. Ich greife die 10 HSBC-Thesen gerne als Gliederung dieses Aufsatzes auf, wobei die von der HSBC veröffentlichten Ansichten weitgehend mit meiner eigenen Einschätzung übereinstimmen. Lesen Sie am Ende des Beitrages, wie wir die drei Anlagestrategien des dreigeteilten Investmentkonzeptes auf die erwartete Entwicklung einstellen

1. Der Euro hält.

Die europäische Politik und die Notenbanken haben sich klar zum Erhalt der Einheitswährung bekannt. Wir gehen in den 3ik-Strategien davon aus, dass kein Staat die Gemeinschaftswährung aufgeben wird. Allerdings muss Griechenland mit erheblichen Transferzahlungen unterstützt werden und die EZB wird Anleihen von weiteren Ländern wie z.B. von Spanien auf dem Zweitmarkt kaufen, sobald formell die Voraussetzungen hierfür geschaffen sind. Wenn wir über Europa hinausblicken, sollten wir uns darauf einstellen, dass – unabhängig vom Bestand des Euro - auf Sicht einiger Jahre die Bedeutung der chinesischen Währung spürbar zunehmen wird.

2. Die Zinsen und die Inflation in Europa bleiben niedrig.

Sämtliche bedeutenden Notenbanken (Fed in den USA, BoJ in Japan, EZB in Europa, BoE in England, …) haben bereits deutlich erklärt, dass sie ihre Niedrigzinspolitik fortsetzen werden. Die Zinssätze für kurzfristige Ausleihungen können von den Notenbanken direkt beeinflusst werden. Dies hält die Zinsen für Tagesgeld, Geldmarktfonds und auch für kurzfristige Anleihen niedrig. Die Zinssätze für langfristige Anleihen (z.B. Staatsanleihen 10 Jahre) können durch Anleihekäufe durch die Notenbanken beeinflusst werden, wie dies ja z.B. von der EZB ausdrücklich angekündigt wurde, wenn Länder einen Hilfsantrag an den Rettungsschirm stellen. Andere Notenbanken kaufen schon länger Anleihen auf ihre eigenen Bücher und beeinflussen damit bereits den Zinssatz. Für Staatsanleihen von Deutschland werden insbesondere deswegen nur niedrige Zinsen bezahlt, weil Investoren die Bonität der BRD deutlich höher einschätzen als z.B. die Bonität von Spanien.

Die niedrigen Zinsen führen zu einer schleichenden Enteignung aller Besitzer von Geldvermögen. Die Erträge auf Sparbüchern, Geldkonten, Depots mit Rentenwerten und auch von Versicherungen mit traditionell “deutschem” Anlagemix sind deutlich niedriger als erwartet und gleichen in vielen Fällen nicht einmal mehr den Kaufkraftverlust durch Inflation aus.

3. Der Immobilienmarkt profitiert, aber es droht keine Blase.

Auf dem Immobilienmarkt wirken die unter 2. benannten niedrigen Zinsen in Zusammenhang mit der allgemeinen Flucht in Sachwerte wie ein Turbobrenner: Der Zinssatz für Darlehen liegt heute unter den Erträgen durch Mieteinnahmen. Wir empfehlen schon seit längerer Zeit und mit Nachdruck, einen Teil des Vermögens, das für die längerfristige Anlage bestimmt ist, in Immobilien zu investieren. Über Fonds, die wohnwirtschaftlich genutzte Immobilien (sogenannte “Zinshäuser”) aus Sondersituationen sehr preisgünstig einkaufen, erzielen Sie eine besonders attraktive Rendite – und Sie haben keine Arbeit damit.

4. Der Euro erholt sich gegenüber dem US-Dollar.

Bei den Währungsprognosen gehen die Einschätzungen der Volkswirte am deutlichsten auseinander. Die HSBC schließt es nicht aus, dass der Euro in absehbarer Zeit steigt und dann dem Gegenwert von 1,35 USD entspricht. Als Begründung wird angeführt, dass die Weltöffentlichkeit die aktuell noch täglich kommentierten Probleme im Euroland nicht unbegrenzt lange so stark fokussieren wird. In den USA ist die Staatsschuldenquote in der Tat höher als im Euroland, und schon in den nächsten Wochen droht eine Eskalation des vielzitierten “Fiscal Cliff”, was zu deutlichen Steuererhöhungen und gleichzeitig starken Sparmaßnahmen im US-Haushalt führen würde.

Der Ausgleich von Währungsschwankungen ist eines der schwierigsten Kapitel in der Vermögensverwaltung. Über längere Sicht gleichen sich Schwankungen der Währungen zwischen Staaten ähnlicher Grundproblematik häufig wieder aus. Anders sind die Verschiebungen im Währungsgefüge zwischen Ländern mit völlig unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklungen zu beurteilen. Die Kaufkraft der Währungen in den schnell wachsenden Schwellenländern in Asien, Lateinamerika und Afrika wird tendenziell zunehmen.

5. Der Goldpreis steigt weiter.

Gold entwickelt sich zunehmend zu einem “Wertaufbewahrungsmittel”. Je größer die Sorge über den Verlust der Kaufkraft des Euro und des USD wird, umso größere Vermögensteile werden in Gold “aufbewahrt”. Zahlreiche Notenbanken stocken ihre Goldreserven ebenfalls auf. Dies führt mittel- und langfristig zu einem weiter steigenden Goldpreis, wobei in unseren Überlegungen schon geprüft werden muss, ob dieser in Euro oder USD ausgedrückte Preis für Gold mehr auf eine echte Wertsteigerung des Metalls oder eher auf eine Wertminderung des Geldes zurückzuführen ist.

6. Unternehmensanleihen sind strategisch eine interessante Assetklasse.

Die Anleihen von Unternehmen verzinsen sich häufig besser als die Anleihen von Staaten. In diesem Jahr wurde allgemein bewusst, dass zahlreiche Unternehmen im Vergleich zu ”Staaten” die besseren Schuldner sind. Höhere Zinsen und bessere Bonität sind eine Kombination, die zunehmend mehr Anleger veranlasst, den “Corporates” den Vorzug zu geben.

7. High-Yield-Anleihen bieten sich zur Beimischung an.

Unternehmen, die von den Rating-Agenturen kein Investmentgrade-Rating erhalten, müssen traditionell einen höheren Zinssatz für ihre Anleihen bieten als Firmen, die das begehrte Investmentgrade-Rating (noch) nicht erhalten haben. Der höhere Zinssatz soll das potentielle Ausfallrisiko ausgleichen. Dieses Ausfallrisiko wird derzeit nach Auffassung zahlreicher Anleihen-Spezialisten zu groß eingeschätzt. Damit beinhalten die Zinssätze dieser Anleihen einen unnötig hohen Risiko-Aufschlag. Der Anleger profitiert davon durch gute Erträge.

8. Aktien haben Aufwärtspotenzial.

Die nun schon seit langem andauernde Betonung der Risiken in den Aktienmärkten hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Aktien deutlich gefallen ist. Dementsprechend niedrig sind die Kurse: Aktien sind auch nach dem Anstieg im laufenden Jahr im langfristigen Vergleich immer noch sehr günstig bewertet. Dies wird sich wieder ausgleichen. Vermögensreserven, die für eine lange Anlagedauer bestimmt sind, sollten deswegen mit einem hohen Anteil in Aktien angelegt werden.

9. Rentenanlagen in den Emerging Markets sind attraktiv.

Die Anleihen sowohl der Staaten als auch der Unternehmen in den “Emerging Markets” (aufstrebenden Ländern) bieten das Potential für überdurchschnittliche Erträge, und  dies aus drei Gründen:

  1. Die Zinssätze für diese Anleihen sind höher als hierzulande.
  2. Die Tendenz zu sinkenden Zinsen hält an. Dies führt zu Kursgewinnen.
  3. Soweit die Anleihen in “Local Currencies”, also in den jeweils lokalen Währungen, begeben sind, besteht die realistische Chance auf einen zusätzlichen Währungsgewinn.

Über einen längeren Anlagezeitraum können die Gesamterträge aus diesen Anleihen – klug mit einer breiten Streuung zusammengestellt – höher sein als der Wertzuwachs in den Aktienmärkten.

10. Auf die strategische Allokation kommt es an.

Die Anlagemärkte können heute nicht mehr genauso beurteilt werden wie noch vor einigen Jahren üblich. Die Entwicklung von Volkswirtschaften, die Höhe der Zinssätze, die Verfügbarkeit von Kredit und einige weitere Größen, die sowohl die Aktien- als auch die Anleihenmärkte beeinflussen, werden heute hauptsächlich von Entscheidungen der politischen Führung beeinflusst. Dies erschwert die Voraussage zur Entwicklung von Märkten beträchtlich und kann eine heute noch sauber begründete Einschätzung innerhalb von Sekunden zur Fehlprognose stempeln. In einem solchen Umfeld müssen die Vermögenswerte breit, sehr breit, gestreut werden. Jede Assetklasse sollte berücksichtigt werden.

  • Geld-Anlagen in heimischer Währung für die kurzfristigen Reserven
  • Aktien in breiter Streuung über alle Wirtschaftsregionen einschließlich der Emerging Markets für die langfristigen Reserven
  • Immobilien, aus Sondersituationen günstig eingekauft, als stabilen Anker als Ergänzung
  • Ein Anteil Rohstoffe inklusive Gold als weiteres Wertaufbewahrungsmittel
  • Anleihen von Unternehmen und von Staaten, die hohe Bonität aufweisen und trotzdem noch akzeptable Zinsen bieten
  • Die Gewichtung der Vermögenswerte in die unterschiedlichen Assetklassen hängt von der jeweils vorgesehenen Anlagedauer und von der individuellen Bereitschaft, Wertschwankungen zu akzeptieren, ab.

 

Das vollständige Thesenpapier der HSBC steht Ihnen hier zur Verfügung: HSBC Thesenpapier - Ausblick 2013

Das dreigeteilte Investmentkonzept setzt diese Markteinschätzung um

Mit dem dreigeteilten Investmentkonzept (kurz auch 3ik genannt) wird diese Markteinschätzung umgesetzt. Die grundsätzliche Vorstellung des 3ik finden Sie auf der Homepage 3ik.info.

Strategie I für kurze Anlagedauer
Für die Vermögensreserven, die nur für eine kurze Anlagedauer vorgehalten werden, steht die Strategie I  zur Verfügung. Hier kommt es darauf an, die Wertschankungen gering zu halten. Bei einer kurzen Anlagedauer besteht ja keine Chance, nach einer “Schwankung nach unten” die nächste Erholung abzuwarten. Dementsprechend werden in Strategie I Anlagewerte, die unerwartete Schwankungen mit sich bringen können, nur selten und mit geringen Summen eingesetzt. Der Schwerpunkt liegt hier auf Anleihen mit stabiler, gleichmäßiger Wertentwicklung mit einer Beimischung von Anleihen aus den Schwellenländern und natürlich Unternehmensanleihen.

Der Preis, der für die gleichmäßige Entwicklung mit nur geringen Schwankungen bezahlt werden muss, ist die relativ geringe Rendite: Es wird kaum möglich sein, deutlich über 4 % hinauszu kommen.

Strategie III für sehr langfristige Vermögensreserven
Für Vermögenswerte, die erst in ferner Zukunft (z.B. in 10 Jahren oder später) benötigt werden, steht die Strategie III zur Verfügung. Mit ihr verfolgen wir ein völlig anderes Ziel: Hier steht nicht die Vermeidung von Schwankungen, sondern ein langfristig überdurchschnittlicher Wertzuwachs im Vordergrund. Kurzfristige Schwankungen werden hier bewusst in Kauf genommen. Der Schwerpunkt der Anlagen liegt hier auf Aktien mit einem jetzt wieder zunehmenden Anteil von Aktien aus den Schwellenländern, die für die nächsten Jahre ein überdurchschnittliches Wachstum erwarten lassen. Auch Gold und Aktien auf Gold- und Rohstoffproduzenten gehören hier zum Portfolio.

Strategie II liegt zwischen den zwei Extremen
Einen angemessenen Wertzuwachs mit nur mäßigen Schwankungen strebt die Strategie II an. Die Zusammensetzung umfasst dementsprechend sowohl Anlagen, die sich mit gleichmäßigem Wertzuwachs entwickeln als auch mit einem Teil des Vermögens Aktien wie in Strategie III.

Eine übersichtliche Darstellung der Anlageziele für alle drei 3ik-Strategiefonds steht auf der Homepage 3ik.info für Sie bereit.

Das vollständige Thesenpapier der HSBC steht Ihnen hier zur Verfügung: HSBC Thesenpapier - Ausblick 2013

 

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.