Chinas Billig-Exporte sinken – Inlandskonsum steigt

Geposted von Walter Feil am

Zehn Jahre lang wuchs der weltweite Anteil Chinas am Export von Billigprodukten, insbesondere in den Bereichen Kleidung, Schuhe und Möbel. 2010 begann sich dieser Anstieg zu verlangsamen, und 2011 sank der Anteil Chinas am weltweiten Kuchen der Billig-Produkte erstmals leicht ab.

Dies ist vor allem auf den starken Anstieg der Grundstücks- und Arbeitskosten zurückzuführen. Die Löhne für die aus ländlichen Bereichen kommenden Wanderarbeiter sind seit 2005 um durchschnittlich 15 % jährlich (!) gestiegen.

Auch die fortlaufenden Aufwertung des Renminbi erschwert für die chinesischen Billighersteller das weitere Wachstum. Die seit dem Jahr 2005 vollzogene Aufwertung gegen den USD liegt bei über 30 %.

Chinas Anteil am weltweiten Export von Billigprodukten sinkt

Seit 2005 erlebte China ein stetiges Wachstum mit dem Export von Billigprodukten. Seit 2011 ist diese Entwicklung erstmals leicht rückläufig.

Andere asiatische Billigländer profitieren

In bestimmten Bereichen von Billigprodukten, insbesondere bei Textilien und Bekleidung, wandern die Produzenten in andere Länder ab, die in der Entwicklung von Löhnen und Grundstückspreisen noch weiter zurück sind. Derzeit profitiert Vietnam am meisten von dieser Verlagerung.

Chinas Produzenten konzentrieren sich mehr auf margenstärkere Bereiche

Der Rückgang des Anteils von Billigprodukten vollzieht sich parallel zum Wachstum in Bereichen mit höherer Wertschöpfung und damit auch höheren Margen. Dazu zählen zum Beispiel Autoteile und digitale Geräte. Die weltweit begehrten Produkte von Apple werden zu einem großen Teil in China hergestellt.

Diese Weiterentwicklung wird stark gestützt von der Stärke der chinesischen Infrastruktur und dem bestehenden Netzwerk der Zulieferer. Die (auch aufgrund der gestiegenen Löhne!) stark wachsende Nachfrage im Inland lockt Produzenten von höherwertigen Gütern an.

Chinas Exporteure sind nach wie vor konkurrenzfähig

Chinas Exportsektor ist heute insgesamt genauso konkurrenzfähig wie die vorausgegangene Dekade. Die Durchschnittsmargen in der Leichtindustrie haben sich in den letzten drei Jahren dank einem schnellen Ansteigen der Produktivität laufend erhöht. In internationalen Wettbewerb zeigt sich, dass die Herstellungskosten in den konkurrierenden anderen wachsenden Volkswirtschaften schneller steigen als in China.

Herstellungskosten der EM allgemein steigen schneller als in China

Die Importpreise von Produkten aus China stiegen in den USA nicht so stark an wie im Durchschnitt aller Emerging Markets. China ist damit immer noch konkurrenzfähig.

Wandlung von einer exportlastigen Volkswirtschaft zu einer Konsumgesellschaft

Das Produktivitätswachstum in China wird die steigenden Löhne und damit die wachsenden Personalkosten nicht für die Ewigkeit ausgleichen können. Es besteht jedoch kein Grund zu übermäßiger Sorge, da das nachhaltige gestützte, starke Einkommenswachstum den Binnenkonsum fördert. Dies ist auch eines der wichtigsten Ziele der Regierung im aktuellen Fünfjahresplan mit dem langfristigen Ziel, „Wohlstand für alle“ zu erreichen. Dies führt zu der gewünschten Neuausrichtung der Volkswirtschaft weg von seiner bisherigen Exportlastigkeit und hin zu einem deutlich höheren Binnenkonsum.

Quelle: Capital Economics, China-Update vom 28.03.2012

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.