Die neuesten Infos von der US-Technologie-Konferenz

Geposted von Walter Feil am

Der Name Peter Dreide steht für Informatinen aus erster Hand, vor allem, wenn es um Technologie und und die Wende zu besserer Energie-Effizenz und Erneuerung der Stromversorgung in den Industrieländern geht. Als Manager der 4Q-Fonds ist Dreide ein regelmäßiger und mittlerweile wohlbekannter Gast bei den großen Konferen zen der US-Technologiefirmen. Mit diesem Bericht erhalten Sie seine Zusammenfassung schon wenige Tage nach seiner Rückkehr aus den USA.

Hoher persönlicher Aufwand, der sich lohnt

 Ein voll gepacktes Programm letzte Woche mit sehr vielen Erkenntnissen; das ist das positive Fazit. Solche Trips sind sehr anstrengend aber absolut wichtig, um die fundamentale Lage vor Ort richtig einschätzen zu können.

Technologie in den USA brummt weiter

Ein sehr gutes Feld an präsentierenden Unternehmen und somit ein guter Indikator für die aktuelle fundamentale Geschäftstätigkeit und die kommenden Produktneuheiten. Eine Erkenntnis wurde klar nach den Meetings: Technologie brummt weiter! 

Diese Aussage bezieht sich insbesondere auf die Unternehmen, die wir im 4Q-Growth Fonds haben. Eine der maßgeblichen Gründe für den Trip nach New York war, herauszufinden wie das aktuelle Quartal auftragsmäßig läuft und wie die Aussichten sind. Und hier wurden wir in unserer Portfolioausrichtung bestärkt. Wir investieren in die Technologiebausteine WIRELESS, CLOUD / BIG DATA, NETWORKING und SaaS (Software as a Service).

Keine Schwäche in Technologie zu erkennen

In diesen 4 Teilbereichen sieht es gut aus und von der sichtbaren Schwäche der Gesamtweltwirtschaft ist hier kaum bis gar nichts zu spüren. Vielmehr stehen im WIRELESS Bereich so viele Produktneuheiten und Innovationen an, dass hier von steigenden Absatzzahlen in Q4 2012 und Q1 2013 auszugehen ist. Ob Qualcomm, Broadcom, Cirrus Logic: Alle gehen, aufgrund sicherer Produktneueinführungen, von steigenden Zahlen aus.

Neues iPhone mit hohen Umsatz-Erwartungen

Unter anderem werden für das neue iphone 5 Absatzzahlen von 40-50 Millionen für das vierte Quartal erwartet. Das iphone 5 wird am Mittwoch vorgestellt, aber diverse Gespräche mit Analysten ließen schon herauspicken, mit welchen Funktionalitäten es kommen wird. Größeres Display (aber nicht so groß wie das neue Samsung S3), eventuell eine Facebook Anbindung, iPad Display Qualität. Die Frage wird nur sein, ob Sharp mit den Liefermengen für das Display nachkommt; daher die Spanne von 40-50 Millionen iphones in Q4 da eventuell Lieferverzögerungen auftreten könnten. Für Oktober können wir davon ausgehen, dass ein iPad Mini kommen wird und im Frühjahr nächsten Jahres die neue Version des iPads. Das bedeutet für die Zulieferer von Apple steigende Auftragszahlen zumindest für das 4.Quartal und höchst wahrscheinlich auch für Q1’2013. Für Zulieferer, die sogar iphones und ipads beliefern, können wir von mindestens drei Quartalen Steigerung ausgehen. Somit ist unser WIRELESS Baustein im Portfolio genau da wo wir ihn haben möchten.

BigData und Cloud als neue Umsatztreibern

Im Baustein BIG DATA / CLOUD zieht das Momentum weiter an. Ich sah neue Firmen wie Splunk, die mich beeindruckten. EMC und IBM gaben sich äußerst zuversichtlich über die zunehmende Kundenakzeptanz von BIG DATA und somit CLOUD Applikationen. Hier ist vorerst kein Abriss im Geschäftsmomentum erkennbar. Der Bereich Datenanalyse (Data Analytics) gewinnt weiter an Traktion, bestätigt von Unternehmen wie VmWare, Citrix und QLIK. 

Newcommer greifen die etablierten Software-Riesen an

Im Baustein SaaS wird eines immer Klarer: Firmen wie Oracle und SAP tun sich schwer gegen die „Newcomer“ der Branche. Grund hiefür liegt darin, dass es relativ schwer ist, ein statisches Software- Programm der „alten Tage“ auf ein externes, dynamisches, internetbasiertes SaaS- Programm umzustellen. Denn man setzt auf eine statische Plattform eine dynamische, ohne dass unbedingt die Gesamtlösung davon dynamisch wird.

Neue Anbieter liefern moderne Software-Lösungen

Die neuen Anbieter haben vom Start der Entwicklung an eine internetbasierte dynamische Lösung programmiert und sind damit besser als die zusammengepackten Versionen. Hier stach die neue Firma ServiceNow heraus, aber auch Firmen wie proofpoint und noch ein paar andere hatten eine überzeugende Software anzubieten. 

Wenige Unternehmen dominieren den Markt

Im Internetbereich wusste Google einmal mehr zu überzeugen. Ich war in den letzten zwei Jahren auch direkt bei Google und konnte mich dort von der Innovationskraft selber überzeugen. Am Donnerstag war dann der oberste Chefentwickler da, um über zukünftige Wege und Produkte von Google zu sprechen, was im Prinzip durchaus wegweisend für die gesamte Subbranche in der Technologie ist. So dominant ist Google geworden.

Apple, Google, Amazon und facebook dominieren den Trend im Internetbereich. Alle anderen werden meines Erachtens an die „Wand fahren“. Ich sah viele junge Firmen im Internetbereich, alle mit interessanten und durchdachten Lösungen.

Gute Ideen alleine reichen nicht

Aber da liegen die Gefahren im Aktienbereich: Kaufe niemals nur Stories, die sich gut anhören. Hierzu muss man den Markt kennen, die Finanzkraft prüfen und somit die Nachhaltigkeit von solchen Firmen unter die Lupe nehmen. Und hier sehe ich trotz toll klingender Konzepte das klare Risiko, dass Firmen wie Google oder Amazon einfach zu stark sind und jeden platt machen, der versucht ihr Geschäftsmodell zu attackieren. Denn eines ist klar: Die besten Nachwuchstalente der Universitäten wollen alle zu Google. Und das ist der langfristige Gewinner.

Home Area wird kommen

Google sieht als nächsten großen Treiber den Home Area Networking Bereich. Wir hatten vor knapp zwei Jahren schon darüber geschrieben und nun wird er Wirklichkeit. Mit einer zunehmenden Zahl von „Breitband“ Anschlüssen in den Privathaushalten, macht es erstmals Sinn, dieses Konzept aufzuziehen. Der Fachbegriff wird lauten: „IP goes home“. Bedeutet, dass das Internet (IP steht für Internet Protokoll, die digitalisierte Basis Inhalte zu übertragen) als Übertragungsbasis sämtlicher kommunikativer Dienste dient. Neben dem „normalen“ Internet wird Sprache digitalisiert und alle Medieninhalte digital über das Breitband angeliefert.

TV wird sich verändern

Den größten kurzfristigen Einfluss wird dies auf die TV Landschaft haben. Inhalte können zukünftig unter hoher Geschwindigkeit live geliefert werden. Somit arbeiten Apple, wie auch Google für 2013 an einer internetbasierten TV Lösung; vom Bildschirm bis zur passenden Software. Dieser große „Screen“ könnte dann zum Mittelpunkt des kommenden vernetzten zuhause sein. Man kann sich vorstellen, welche Auswirkungen dass auf das Umfeld haben könnte. Brauchen wir dann noch einen getrennten Router zu Hause, ein Telefon, ein Computer, ein Fernseher und was auch immer als getrennte Einzellösungen?

Etablierte Anbieter werden Umsätze verlieren

Wenn die Breitbandverbindung direkt in die Applikation (großer Bildschirm mit integrierter Home Area Software) geht, die Antwort lautet NEIN. Dann haben viele jetzt gut laufende Branchen ein Problem, dass man sie zunehmend nicht mehr braucht. So wie die Absatzzahlen von PC`s monatlich fallen, Videotheken zumachen weil Inhalte per Internet in viel besserer Qualität kommen, so werden eventuell Router für den Hausbedarf, Switches und vieles mehr im Home-Entertainment Bereich überflüssig.

Heute auf die Gewinner von morgen setzen

Wie auch immer, es hat Auswirkungen und hier fühlen wir uns mit Apple und Google am sichersten aufgehoben. Eine Konsequenz dieser Entwicklung wird sein, dass das Bandbreit für den Internetverkehr ausgebaut werden muss. Die US Telekoms fangen an, die Investitionen für die Internetinfrastruktur anzuheben. Unternehmen wie Juniper Networks geben sich entsprechend positiv für den Geschäftsverlauf des zweiten Halbjahres 2012 und vor allen Dingen für 2013.

Fazit: Unsere Subbranchen, wie oben beschrieben, laufen fundamental weiter gut. Jeder einzelne der vier Bausteine, in die wir investieren, zeigt weiter positives Momentum, der ein oder andere sogar zunehmendes Momentum. Es sieht für den Rest von 2012 und höchstwahrscheinlich auch für Q1 2013 richtig gut aus. Dazu haben wir noch ein paar neue Firmen identifiziert, die sehr gut in unser Portfolio passen. Marktführer mit innovativen neuen Produkten und Cash in der Bilanz bei zunehmenden EBIT Margen ist genau das, in was wir investieren möchten.

Diese Werte sollten den 4Q-Growth Fonds weiter bereichern und somit auch die Performance, die am Freitag plus 20.5% erreichte für 2012. Dazu kommt noch ein Punkt, den man nicht unterschätzen sollte: Der US Dollar. Amerikanische Technologiefirmen haben eine sehr hohe Exportquote. Der feste Dollar hat im ersten und zweiten Quartal 2012 die Gewinn- und Verlustrechnung bzw. die Profitabilität negativ beeinflusst. Der Dollar stieg aber seit dem 24. Juli von 1.2042 auf 1.28 am Freitag. Somit dürfe das dritte Quartal und damit auch der Ausblick auf das vierte Quartal bei Technologiefirmen positiv beeinflusst werden.

Noch ganz kurz zum Portfoliomanagement: Wir hatten die Investitionsquote letzten Montag, Dienstag und Mittwoch bei Indexständen zwischen 6.900 und 7.000 im DAX wieder durch Zukäufe herauf gefahren und liegen je nach Fonds wieder zwischen 94% und 98% Investitionsquote. Entsprechend konnten die Fonds positiv von der Marktentwicklung partizipieren. Am Freitag stiegen der 4Q-Smart Power um 1.9% und die beiden Value Fonds um 1.5% (MSCI Welt in Euro minus 0.19% aufgrund des schwachen Dollars und MSCI Europe plus 0.23%). Wir sehen nach eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung mit kurzen Konsolidierungsphasen.

 Energy & Power Konferenz

Es präsentierten die Vorstände (CEO) von Energieunternehmen aus dem Bereich Öl- und Gas sowie von US-Versorgern und internationalen Stromnetzbetreibern. Hierbei konzentrierte ich mich auf die beiden letztgenannten Segmente, US Versorger und internationale Stromnetzbetreiber.

Netzbetreiber in besserer Situation als Energieerzeuger

Die wichtigste Erkenntnis der Konferenz war, dass die Betreiber von Stromnetzen in der deutlich besseren Situation sind als reine Energieerzeuger. Die Problematik liegt darin, dass die USA derzeit nur ein marginales Wachstum bei der Nachfrage von Strom hat. Moderates Wirtschaftswachstum in den USA verbunden mit der langsam einsetzenden Wirkung von Energieeffizienzmaßnahmen sind die Gründe hierfür.

Zusammenschluss der Stromnetze verschärft den Wettbewerb der Stromerzeuger

Zusätzlich fängt die USA an, die bisher voneinander autarken Stromnetze zu verbinden. Das bringt zusätzliche Konkurrenz, also Angebot, auf den Markt. Somit kommen Stromerzeuger erstmals in eine Situation, in der ein Konkurrent aus einem anderen Bundesstaat Strom an die bisherigen Kunden anbieten kann. Stromerzeuger, die sich stark auf Öl- und Kohle also fossile Brennstoffe bei der Stromproduktion verlassen haben und gleichzeitig noch „alte“ Produktionsanlagen besitzen, bekommen beispielsweise Konkurrenz von Unternehmen die mit einem höheren Gasturbinenanteil und/oder modernisierten Kraftwerken arbeiten. Der Wirkungsgrad, die Effizienz und somit der ROCE (Return on Capital Employed) ist bei Gasturbinen neuester Generation mehr als doppelt so hoch als bei Kraftwerken die vor 30 oder 40 Jahren gebaut wurden. Somit sind diejenigen Energieerzeuger, die in moderne Kraftwerke investieren bzw. bereits investiert haben, denjenigen mit alter Kraftwerksstruktur deutlich überlegen.

Verbund von Stromnetzen erhöht die Umsätze der Netzbetreiber

Betreiber von Stromnetzen sind in einer ganz anderen Situation. Hier hat der Gesetzgeber in den USA (aber auch in England) eine Mindestvergütung von 6.8% für den Transport von Strom festgelegt. Sollte der Betreiber von Stromnetzen in der Lage sein eine bessere Grundlast (Effizienz) der Stromübertragung zu erreichen, kann der Betreiber diesen Mehrwert behalten. Das bedeutet die Rendite liegt damit über den garantierten 6.8%. Dieser „Mehrwert“ an Rendite wird durch den Umbau und die Modernisierung der bisherigen Netze geschaffen. Neue Stromkabel haben einen größeren Durchlass und einen besseren Wirkungsgrad und erhöhen so die Effizienz. Die Infrastruktur bei den Transformatoren ist im Durchschnitt an ein Betriebsalter angekommen, an dem diese ersetzt werden müssen. Prinzipiell ist die komplette Stromnetzinfrastruktur in einem Betriebsalter an dem eine systematische Erneuerung zwingend notwendig wird. Diese Investitionen führen zu einer Erhöhung der Effizienz und damit Renditen oberhalb der Basisvergütung von 6.8%. Somit machen die Investitionen eine Menge Sinn für die Betreiber.

43 Milliarden Investitionen in Stromnetze bei nur einem der regionalen Betreiber

Beispielsweise investiert das Unternehmen National Grid über die nächsten Jahre 20 Milliarden Euro in die Stromübertragung, 8 Milliarden in die Stromnetzinfrastruktur und weitere 13 Milliarden an operativen Ausgaben; zusammen also eine Investitionssumme von 43 Milliarden Euro. National Grid hat eine Börsenkapitalisierung von 33 Milliarden Euro. Hierdurch ist an einem regionalen Betreiber ersichtlich, wie hoch die Investitionen in Stromnetze sind. National Grid refinanziert diese Projekte über die Ausgabe von Bonds. Beispielsweise bringt aktuell der 5% National Grid Bond mit einer Laufzeit bis 2. Juli 2018 eine Rendite von nur 1.8%. Das zeigt, wie interessant das Stromnetzgeschäft ist, wenn sichere Renditen von 6.8% mit Bonds über 1.8% finanziert werden können. Auf diese positive Differenz von 5% kommen noch die „zusätzlichen Erträge aus der Modernisierung der Netze“.

Im Fall von ITC, einem US Betreiber von Stromnetzen, können durch den Umbau der Netze mit neuester Infrastruktur und Smart Grid Lösungen die Renditen/ das Wachstum um 15-17% ansteigen! Die Schätzungen der Weltenergiebehörde von mehreren hundert Milliarden Euro an Investitionen in Stromnetze weltweit wird hierdurch bestätigt.

Markteinschätzung

Wir waren, wie berichtet, voll investiert und haben am Freitag durch erste Gewinnmitnahmen den Investitionsgrad wieder reduziert. Wir erwarten eine kurzfristige Konsolidierung in dieser Woche und möchten hierfür gewappnet sein. Per Saldo befinden wir uns weiter in einem intakten Aufwärtstrend, in dem es aber immer wieder Konsolidierungen geben sollte, die durch Auf- und Abbau von Cash optimiert werden können. Der Gesamttrend für die nächsten Monate ist unseres Erachtens unverändert nach oben gerichtet.

Der 4Q-Growth liegt mit 24% im Plus für 2012, der Smart Power bei knapp 21% (und damit doppelt so hoch wie der an Platz 2 gelegene Vontobel Fund New Power mit knapp 10% und dem SAM Smart Energy mit unter 7% in der gleichen PEER Gruppe). Auch die beiden Value Fonds konnten letzte Woche zulegen, insbesondere am Freitag mit plus 3% im European Value und 2% (inklusive Dollarverluste) im Value.

Alles Gute

Peter Dreide

TBF Global Asset Management

 

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.