Editorial der Freitags-Info vom 01.02.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Zentralbanken im Goldrausch

Im Schlussquartal 2018 ist der Goldpreis aus seiner Lethargie erwacht und hat bis heute deutlich an Wert gewonnen. Ist das schon die Trendwende? Ein Gradmesser zur Beurteilung ist sicherlich auch das Verhalten der Zentralbanken. Allen voran setzt Russland auf Gold als krisensichere Rücklage in unruhigen Zeiten.

Zentralbanken weltweit haben ihre Goldbestände im vergangenen Jahr massiv aufgestockt. Die Banken kauften 2018 rund 651,5 Tonnen Gold für ihre Reserven, wie das World Gold Council (WGC) mitteilte. Das war im Vergleich zu 2017 ein sattes Plus von 74 Prozent und die größte Goldnachfrage seit fast 50 Jahren.

Wegen der gestiegenen geopolitischen und ökonomischen Unsicherheit haben Zentralbanken ihre Währungsreserven diversifiziert und verstärkt in liquide und sichere Anlagen investiert.

Angetrieben durch den Goldhunger der Notenbanken wuchs die Nachfrage insgesamt im vergangenen Jahr um vier Prozent auf über 4.345 Tonnen – in dieser Zahl sind neben den Zentralbanken auch professionelle Investoren und Privatpersonen enthalten. Im vierten Quartal legte die globale Nachfrage um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Dieser Anstieg hat mit den Sorgen vor einer schwächelnden internationalen Wirtschaft zu tun.

Russland mit den größten Goldreserven

Größter Goldkäufer war im vergangenen Jahr mit rund 274 Tonnen die russische Zentralbank. Aber auch die türkische Notenbank und Kasachstan haben ihre Goldbestände 2018 um jeweils rund 50 Tonnen aufgestockt. Der Hauptgrund hierfür ist neben der Unsicherheit der Finanzbranche ein Streben nach mehr Unabhängigkeit vom Dollar vor allem unter den BRICS-Staaten. „Die Länder wollen eine Konzentration von Währungsrisiken in Dollar vermeiden“, sagte Mulligan vom WGC dem „Handelsblatt“. Die USA könnten die Vormachtstellung des Dollars nutzen, um einen Handelskrieg gegen einzelne Länder anzuzetteln.

Rechtzeitig vorgebeugt

Russland hatte bereits vor der Finanzkrise 2008 begonnen, seine Goldreserven aufzustocken. In den vergangenen vier Jahren hat Russland jedes Jahr mit jeweils mehr als 200 Tonnen mehr Gold als jedes andere Land der Welt gekauft. Im Gegenzug hat Russland vor allem im vergangenen Jahr massiv US-Staatsanleihen abgestoßen.

Sowohl Russland als auch die Türkei hatten in letzter Zeit geopolitische Spannungen mit den USA. Die Vereinigten Staaten haben Sanktionen gegen Russland verhängt. Mit der Türkei gab es einen Streit um einen inhaftierten Pastor aus den USA.

Auch Goldförderung auf Höchststand

Der massive Ankauf von Gold durch Zentralbanken war dem WGC zufolge 2018 der wichtigste Grund für den Anstieg des Goldpreises um vier Prozent im Laufe des Jahres. Dass der Preis nicht noch stärker gestiegen ist, liege lediglich am hohen Angebot. Mit 3347 Tonnen wurde, laut den Zahlen des WGC, 2018 so viel Gold gefördert wie noch nie. Durch Recycling konnten weitere 1173 Tonnen Gold zurückgewonnen werden – auch dies ein historischer Höchstwert.

Thomas Boldt und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH