Editorial der Freitags-Info vom 01.03.2019

Geposted von Andreas Rosner am

In den Karnevals- und Fastnachtshochburgen steuert das diesjährige närrische Treiben dem Höhepunkt entgegen. Die Jecken und Narren feiern ausgelassen in der fünften Jahreszeit.

Auch an den Kapitalmärkten scheinen bisweilen die Narren das Zepter in der Hand zu halten. Damit meine ich mit Blick auf die vergangenen drei Börsenmonate in erster Linie die amerikanische Notenbank Fed. Ich hoffe, dass Fed Chairman Jerome Powell und seine Mitstreiter mir diesen Vergleich nachsehen. Aber wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Und es treibt mich ganz gewiss nicht die Lust nach spöttischen Äußerungen um, sondern die Sorge davor, dass der amerikanischen Notenbank jüngst die ökonomische Weitsicht und ein Stück Souveränität verloren ging. Nun der Reihe nach.

Am 19. Dezember 2018 erhöhte die amerikanische Notenbank das Leitzinsband um 25 Basispunkte auf 2,25% bis 2,5%. Dies war die vierte Zinserhöhung im Verlauf des Jahres 2018 und der neunte Zinsschritt seit dem Beginn des Erhöhungszyklus am 16. Dezember 2015. Jerome Powell stellte im Dezember zumindest zwei weitere Zinserhöhungen für das Jahr 2019 in Aussicht und verstieg sich zu der Äußerung, dass die im Herbst 2017 begonnene Verkürzung der Notenbankbilanz mit monatlich 50 Milliarden US Dollar b.a.w. im „Autopilot-Modus“ weitergeführt wird. Vor allem diese Äußerung (Bilanzverkürzung bedeutet für die Märkte Liquiditätsentzug) verschreckte die Kapitalmärkte gewaltig und führte bis Weihnachten 2018 zu weiteren kräftigen Kursverlusten an den globalen Aktienmärkten.

Rolle rückwärts im Januar

Nach der ersten Sitzung der amerikanischen Notenbank in 2019, am 30. Januar, verkündete Powell eine totale Kehrtwende. Die Rede war nun von einer „geduldigen“ Notenbank, die möglicherweise gar keine weiteren Zinserhöhungen ins Auge fasst und auch die Bilanzverkürzung auf den Prüfstand stellen wird. Die Aktienmärkte feiern diese Rolle rückwärts der Geldpolitik mit kräftig steigenden Kursen im bisherigen Jahresverlauf. Die deutliche Eintrübung der globalen Konjunkturperspektiven scheinen keine Rolle mehr zu Spielen. Die Notenbanken werden es schon richten, so der Markttenor. Für meinen Geschmack macht sich die Fed viel zu stark zur Getriebenen der Märkte und legt sich mit unnötiger Rhetorik teilweise fest, anstatt eine vorausschauende, flexiblere Politik zu betreiben.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Auch die schönsten Fastnachtsfeiern sind endlich und mit dem Aschermittwoch kennen wir das Verfallsdatum sehr genau. Den Verfallstermin bzw. die Kursspitze bei (temporär) stark gestiegenen Aktienmärkten kennen wir natürlich nicht. Die Rally an den Aktienmärkten der letzten Tage erscheint überraschend stark. Das passt nicht zu den Konjunkturindikatoren und den verbleibenden geopolitischen Risiken. Deshalb sollte die Sorglosigkeit nicht auf die Spitze getrieben werden.

Hans Heimburger und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein närrisches oder besinnliches (je nach Gusto) Wochenende.

 

Andreas Rosner ist Direktor Privatkunden der Gies und Heimburger GmbH.