Editorial der Freitags-Info vom 01.11.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Das Ende der Globalisierung

In letzter Zeit tauchen in der Presse immer wieder Artikel auf, die uns ein Ende der Globalisierung prophezeien. Zumindest aber darauf hinweisen, dass sie ihren Höhepunkt erreicht hat. Doch was genau bedeutet Globalisierung eigentlich. Im eigentlichen Sinne bezeichnet man mit dem Begriff Globalisierung die zunehmende weltweite Verflechtung von Beziehungen in Bereichen wie der Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation.
Es geht also auch um den weltweiten und ungestörten Handel von Waren und Dienstleistungen. Die gegenwärtige Globalisierungswelle, die seit Anfang der 90er Jahre im Gang ist, wurde genau wie die vorangegangenen Wellen, von der Technologie und der Politik getragen. Die Automatisierung hat die Fragmentierung von Lieferketten ermöglicht, digitale Technologien haben den Dienstleistungshandel gestärkt und die rasante Verbreitung des Internets hat die Kosten für die Kommunikation gesenkt. Zeitgleich haben politische Entscheidungsträger in den Industrie- und Schwellenländern die Öffnung für Handels- aber auch Kapitalströme gefördert.

Der Höhepunkt erreicht

Der Höhepunkt der Globalisierung ist erreicht:

Die Grafik zeigt das Auf und Ab der jüngeren Vergangenheit. Sie wirft ein Schlaglicht auf zwei Jahrzehnte Globalisierung. Seit der Großen Rezession von 2009 entwickelt sich die internationale Verflechtung der Wirtschaft zurück. Nach der Krise wurden nie wieder die Niveaus früherer Jahre erreicht. Schon länger leben wir in einer Welt der schleichenden De-Globalisierung – die Entwicklung begann Jahre bevor Donald Trump US-Präsident wurde und die von ihm angezettelten Handelskonflikte die Schlagzeilen bestimmten.

Die Gründe für die De-Globalisierung sind vielschichtig:

  • Fortschrittliche Fertigungstechniken bedeuten nicht mehr, dass der Standort der Fertigung davon abhängt, wo die Arbeitskosten am günstigsten sind.
  • Komplexe Lieferketten sind an ihre Grenzen gestoßen.
  • Es ist mehr als unwahrscheinlich das China seine Kapitalmärkte deutlich öffnen wird.

Eine andere Grafik, die in der Zeitschrift Capital veröffentlicht wurde, zeigt eindrucksvoll die Entwicklung der Globalisierung über einen noch längeren Zeitraum:

Fazit

Das Ende der Globalisierung hat eine Abschwächung des globalen Wachstums zur Folge. In den Industrieländern beobachten wir das schon länger. Aber auch in den Schwellenländern, zu denen aktuell noch immer China gezählt wird, beobachtet man einen ebenfalls rückläufigen Wachstumstrend. Da auch die Inflationsraten infolge des sich abschwächenden Wachstums niedrig bleiben werden, wird es einen Anstieg der Zinsen auf absehbare Zeit nicht geben. Japan lässt grüßen!

Andreas Rosner und das gesamte Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH