Editorial der Freitags-Info vom 02.08.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Wenn sich die Katze in den Schwanz beißt

 

Donald Trump gibt sich siegessicher: Die von ihm verhängten Zölle nutzen der US-Wirtschaft und werden vor allem von China bezahlt. Das ist allerdings ein Irrtum.

Es gibt eine Reihe von Superhelden, etwa Superman, Spider-Man oder Iron Man. Und es gibt den „Tariff-Man“, den „Zoll-Mann“, wie sich Donald selbst nennt. Nun schlägt der US-Präsident im Handelszoff mit China wieder zu und verhängt neue Zölle auf bisher verschonte chinesische Waren im Volumen von 300 Mrd. USD. Damit sind nahezu alle Exporte aus der Volksrepublik in die USA betroffen. Trump jubelt, dass diese Zölle den USA Milliarden von Dollar in die Kassen spülen würden – und all das bezahlt von China. Doch das stimmt gar nicht. Zölle funktionieren anders. Sie werden nicht von den chinesischen Lieferanten, sondern von den US-Importeuren entrichtet. Verantwortlich für das Eintreiben der Zölle ist die Behörde U.S. Customs and Border Protection (CBP). Im ersten Halbjahr dieses Jahres stiegen die Zolleinnahmen um 73 Prozent auf 33,9 Milliarden Dollar, wie aus Daten des US-Finanzministeriums hervorgeht.

Die US-Importeure haben verschiedene Möglichkeiten, um auf die höheren Abgaben zu reagieren – in der Regel geht das auf eigene Kosten oder zulasten der amerikanischen Kunden. Sie reichen die Kosten für die Zölle so weit wie möglich an die Kunden in den USA weiter, indem sie die Preise entsprechend erhöhen. Im Prinzip sind die von Trump verhängten Zölle also Steuern auf chinesische Produkte, die US-Unternehmen und Verbraucher bezahlen. Andere nehmen wegen des teurer gewordenen Einkaufs in China geringere Gewinnmargen in Kauf, wieder andere senken Kosten – etwa durch geringere Löhne und Job-Abbau. Die meisten Importeure wenden einen Mix aus diesen Maßnahmen an, um die höheren Kosten für chinesische Waren zu verteilen.

Zur Einordnung: Die von den USA nicht nur gegen China verhängten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte trieben einer Untersuchung des Peterson Institute for International Economics zufolge die Stahlkosten um 5,6 Milliarden Dollar in die Höhe. Die Notenbank von New York, die Princeton University und die Columbia University kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass US-Unternehmen und -Verbraucher monatlich wegen Trumps Zöllen etwa 3 Mrd. USD an zusätzlichen Kosten stemmen. Höhere Preise für Aluminium und Stahl in den USA verteuern dort Autos, Hochhäuser, Konservendosen und Kühlschränke. Schätzungen zufolge sind in den USA 6,5 Mio. Menschen in Unternehmen beschäftigt, die Aluminium oder Stahl verwenden. Jedoch nur 140.000 US-Bürger arbeiten an deren Herstellung. Im Jahre 2002 hatten die USA wie im vergangenen Jahr Stahl-Zölle verhängt – und sie nach 20 Monaten wieder zurückgenommen. Einer Studie zufolge hatte die Maßnahme in den USA rund 200.000 Jobs gekostet und damit mehr Arbeitsplätze vernichtet als damals Menschen in der gesamten US-Stahlindustrie beschäftigt waren.

Indirekt können allerdings auch die chinesischen Hersteller gezwungen sein, einen Teil der US-Zölle zu stemmen, um Kunden nicht zu verlieren und Marktanteile zu verteidigen. Sie können dann ihren US-Importeuren beispielsweise anbieten, einen Teil der Zoll-Belastung zu übernehmen. Die Logik dahinter: Chinesische Unternehmen laufen sonst Gefahr, dass ihre amerikanischen Kunden auf Waren aus anderen Ländern ausweichen, die nicht mit Strafzöllen belastet und damit billiger sind. Ob es dazu bereits gekommen ist, ist fraglich. Denn die Studie kommt zu dem Ergebnis das 2017 und 2018 ausländische Produzenten die Preise nicht gesenkt haben, somit wurden die Zölle komplett von US-Firmen und Verbrauchern geschultert. Einige US-Unternehmen haben die gestiegenen Kosten in ihren Quartalsbilanzen ausgewiesen. Caterpillar gab an, dass seine Produktionskosten im abgelaufenen Quartal um 70 Millionen Dollar gestiegen sind. Der weltgrößte Hersteller von Baumaschinen rechnet im gesamten Geschäftsjahr mit höheren Zollkosten zwischen 250 und 350 Mio. USD und hat deshalb seine Preise erhöht. Der weltgrößte Einzelhändler Walmart und die Kaufhauskette Macys stellen derweil Preiserhöhungen wegen der höheren Zölle auf chinesische Produkte in Aussicht.

Die Leidtragenden des Handelsstreits sind vor allem die amerikanischen Landwirte und Arbeiter, die 2016 dafür gesorgt haben, dass der „Zoll-Mann“ Präsident geworden ist.

Thomas Boldt und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein sommerliches Wochenende.

 

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH