Editorial der Freitags-Info vom 04.10.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Made in Germany – Vorzeigebranche in der Rezession

Die Bestellungen unserer deutschen Vorzeigebranche, dem Maschinenbau, sind im August dramatisch eingebrochen. Damit verzeichnet Deutschlands Schlüsselindustrie den 9. Monat in Folge einen Auftragsrückgang. Die Anzeichen für eine Rezession in der Bundesrepublik verdichten sich.

Bestellungen im Maschinenbau von Juli 2018 – Juli 2019

Der August war ein Schwarzer Monat für Deutschlands Maschinenbauer. Die Bestellungen sind im Vergleich zum Vorjahresmonat nochmals um 17% eingebrochen. Das teilte der Branchenverband VDMA am Freitag in Frankfurt mit. „Wie befürchtet, waren die vorangegangenen Monate mit einstelligen Minusraten nur eine Verschnaufpause“, sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Die Inlandsbestellungen sanken preisbereinigt (real) um 12%, die Aufträge aus dem Ausland gingen um 19% zurück. Auch für die kommenden Monate erwartet die exportorientierte Branche keine Wende zum Besseren. „An den Ifo-Geschäftsexporterwartungen lässt sich ablesen, dass die Maschinenbauer angesichts der konjunkturellen und politischen Risiken weiterhin pessimistisch eingestellt sind“, erläuterte Wortmann.

Internationale Handelskonflikte und die Ungewissheiten des Brexits belasten „Made in Germany“. Verunsicherte Kunden im In- und Ausland halten sich mit Bestellungen zurück. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie, einem wichtigen Kunden der Branche. Im Drei-Monats-Vergleich Juni bis August 2019 lagen die Bestellungen um 8% unter dem Vorjahreswert. Seit Jahresbeginn sind die Aufträge stetig gesunken. Für dieses und das kommende Jahr rechnet der VDMA daher mit einem Produktionsrückgang von jeweils 2%. Im vergangenen Jahr hatte die Industrie mit deutlich mehr als einer Million Beschäftigten noch ein Plus von gut 2% erzielt.

Die Zahlen aus dem Maschinenbau gelten als Seismograf für die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Nicht wenige Experten rechnen im dritten Quartal mit einem negativen Wachstum in Deutschland. Damit wäre die Bundesrepublik in der sogenannten technischen Rezession angekommen. Von einer technischen Rezession sprechen Ökonomen, wenn eine Volkswirtschaft zwei negative Quartale in Folge verzeichnet hat. Bereits in den Monaten April bis Juli war das Wachstum in Deutschland negativ.

Thomas Boldt und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH