Editorial der Freitags-Info vom 05.06.2020

Geposted von Thomas Boldt am

Lufthansa fliegt aus dem DAX

Die Corona-Krise wirbelt auch die erste deutsche Börsenliga durcheinander: Die Lufthansa muss Platz machen für den zweiten Immobilienkonzern im DAX. Die Deutsche Wohnen steigt in den DAX auf.

Als hätte die Lufthansa nicht schon genug Probleme – nun verliert das DAX-Gründungsmitglied auch noch seinen Platz in der ersten deutschen Börsenliga. Vom 22. Juni an wird die Fluggesellschaft in der zweiten Börsenliga, im MDAX, für mittelgroße Werte gelistet.

Lufthansa-Aktie brach in der Corona-Krise ein

Maßgeblich für die Zugehörigkeit zum Kreis der 30 DAX-Konzerne sind Börsenumsatz (Handelsvolumen) und Börsenwert (Marktkapitalisierung) eines Unternehmens. Der Kurs der Lufthansa-Aktie war im Sog der Corona-Krise eingebrochen. Darum muss die Fluggesellschaft nun nach fast genau 32 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit ihren Platz im DAX räumen.

Die Bundeshauptstadt bekommt mit dem Aufstieg der Deutschen Wohnen, 14 Jahre nach der Schering-Übernahme durch Bayer, wieder einen DAX-Konzern. Das Unternehmen ist mit bundesweit 160.000 Wohnungen der zweitgrößte private Vermieter in der Republik. Der größte deutsche Vermieter, die Bochumer Vonovia, ist seit fünf Jahren im DAX.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (ETFs). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet werden, was in der Regel Einfluss auf die Aktienkurse hat. Die Zugehörigkeit zum DAX ist aber auch eine Frage von Prestige: Gerade für internationale Investoren ist der Leitindex das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft.

Kaum Flugverkehr möglich

Mit ihrem DAX-Abstieg ist die Deutsche Lufthansa AG in namhafter Gesellschaft: Im September 2019 musste das Industrie-Urgestein ThyssenKrupp den Top-Börsenindex verlassen, ein Jahr zuvor erwischte es die Commerzbank, die ausgerechnet dem Zahlungsabwickler Wirecard Platz machen musste. Auch Thyssen und die Commerzbank gehörten zum Kreis der 15 Gesellschaften, die seit dem Start des Dax am 1. Juli 1988 bis dahin ohne Unterbrechung in dem Index gelistet waren.

Die Lufthansa war in der Corona-Krise schwer unter Druck geraten, weil seit Monaten kaum noch Flugverkehr möglich ist. In dem Konzern mit etwa 138.000 Beschäftigten stehen deswegen Tausende Jobs auf der Kippe. Die Bundesregierung hat ein Hilfspaket geschnürt, das verschiedene Hilfen und Eigenkapitalmaßnahmen in einer Gesamthöhe von neun Milliarden Euro vorsieht. Im Gegenzug soll der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) 20% der Aktien übernehmen. Außerdem ist vorgesehen, dass der Bund zwei Posten im 20-köpfigen Aufsichtsrat der Lufthansa besetzt. Die Aktionäre der Lufthansa müssen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni noch grünes Licht für das Paket geben.

Der DAX selbst legte in den vergangenen Wochen eine atemberaubende Rallye hin. Sind jetzt neue Höchststände in Sichtweite? Darüber informiert Sie gerne unser Homepagebeitrag meines Kollegen Andreas Rosner und der 3ik-Wochenbericht.

Thomas Boldt und das gesamte Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.

 

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH