Editorial der Freitags-Info vom 06.04.2018

Geposted von Hans Heimburger am

Noch bewegen wir uns im Stadium des „Säbelrasseln“, aber ein Handelskrieg zwischen USA und China ist nicht mehr auszuschließen. Von dieser Auseinandersetzung wären auch besonders die deutschen Autobauer stark betroffen.

BMW und Daimler sind die größten Hersteller bzw. Exporteure von besonders hochpreisigen SUV in den Vereinigten Staaten mit Export nach China. Erst auf Platz drei folgt Tesla. Für die deutschen Autobauer war der amerikanische Markt als Produktionsstandort auf Grund niedriger Lohnkosten und schwächerer Gewerkschaften durchaus interessant .General Motors und Ford produzieren die Fahrzeuge für den chinesischen Markt direkt vor Ort und damit außerhalb aller Strafzollandrohungen.
Genau dieses Thema, der Produktion in China für den asiatischen Markt beschäftigt aktuell die beiden deutschen Autobauer. Nachdem BMW bereits den kleineren X1 vor Ort in China baut, ist der Weg nicht weit, auch die beiden großen SUV X5 und künftig den neuen X7 ebenfalls in China zu produzieren. Das wiederum würde Mr. Trump auf den Plan rufen, der die amerikanischen Produktionsstandorte erhalten will. Gerüchten zu Folge soll dieses Thema bereits bei dem angekündigten Merkel-Besuch in Washington Ende des Monats, auf der Agenda stehen.

Diese Situation der deutschen Autobauer zeigt, wie globalisiert die Industrie bzw. die Welt inzwischen ist: Deutsche Autokonzerne produzieren in USA für den chinesischen Markt. Übrigens erhebt China schon heute auf importierte Autos einen Zoll von 25%. Sollte es zur angedrohten Erhöhung kommen, müssten chinesische Autokäufer 50 % Einfuhrzoll bezahlen, das würde den Absatz sicherlich dramatisch reduzieren.

Wir erwarten, dass sich das Verhandlungsfenster weiter öffnen wird. Nachdem Anfang dieser Woche China bereits Verhandlungen über die Einfuhrzölle angeboten hat, kam am Mittwoch nun auch vom amerikanischen Präsidentenberater Kudlow das Signal, dass die USA die Einfuhrzölle doch nicht erheben könnten. Postwendend gab gestern Präsident Trump den Auftrag weitere Einfuhrzölle auf bestimmte Waren zu berechnen. Man kann nur hoffen, dass es beim „Säbelrasseln“ bleibt und am Ende die Vernunft siegt.
Volkswirte haben übrigens berechnet, dass die angedrohten Maßnahmen das BIP-Wachstum in China um max. 0,25 % reduzieren würde.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende mit frühlingshaften Temperaturen.

Ihr Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Hans Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies & Heimburger GmbH und der CIO (Chief Investment Officer) für die 3ik-Strategiefonds.