Editorial der Freitags-Info vom 06.12.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Grün Anlegen kommt gut an

Während viele Staaten in der Klimapolitik um die Eindämmung der CO2-Emissionen ringen, ist bei den Akteuren der Finanzindustrie ein grundlegender Wandel zu spüren. Nachhaltig ist „in“, große Investoren setzen zunehmend auf „grüne“ Investments, und auch Privatanleger haben mehr Möglichkeiten, nachhaltig anzulegen.

In der Finanzindustrie gilt das Thema Nachhaltigkeit, englisch Sustainability, inzwischen als eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre. Zuflüsse in Finanzprodukte, die mit diesem Etikett ausgestattet sind, erfreuen sich auf Anlegerseite stark steigender Beliebtheit. Waren es zunächst vor allem kirchlich orientierte Investoren, die nach ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien anlegen wollten, steigen nun immer mehr Großanleger auf „grün“ um. Stiftungen, Pensionsfonds, aber auch große Versicherungen wollen Firmen, die sich mit Waffen, Atomkraft oder selbst fossilen Brennstoffen beschäftigen, nicht mehr in ihren Depots haben. Selbst der norwegische Staatsfonds, der größte Investor weltweit, der rund eine Billion Euro verwaltet, legt nach nachhaltigen Kriterien an und hat zuletzt Öl-Konzerne aus seinem Portfolio verbannt.

Das Kürzel, auf das viele Anleger in dieser Neuorientierung schauen, lautet „ESG“. Die Buchstaben stehen für Environment (Umwelt), Social und Governance (gute Unternehmensführung). ESG-Ratings für Aktien, aber auch für Anleihen werden immer mehr zum Entscheidungskriterium für die großen Vermögensverwalter.

ESG und SDG bestimmen die Diskussion

Das liegt nicht nur an der allgemeinen Stimmung für ökologische oder ethische Geldanlagen. Die Investment-Profis müssen aus mehreren Gründen reagieren. Zum einen hat die EU einen Aktionsplan „Nachhaltige Finanzierung“ auf den Weg gebracht. Ein Teil dieses Plans ist es, eine einheitliche Kennzeichnung (Taxonomie) für Anlageprodukte zu entwickeln. Erste Entwürfe für diese Regelungen sind bereits vorgelegt worden. Auch die Vereinten Nationen haben mit ihren Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals (SDG) eine Vorgabe für das Wirtschaften von Unternehmen gesteckt.

Aber auch ganz praktische Erwägungen sorgen dafür, dass die Investments in „grüne“ Anlagen sprunghaft zunehmen. Depots mit nachhaltigen Anleihen oder Aktien schwanken weniger stark als „konventionelle“ Anlageportfolios. Und große Investoren minimieren dabei auch „Klagerisiken“, die Unternehmen aus der traditionellen Energiebranche oder der Gentechnik stets bedrohen. Und nicht zuletzt: Nachhaltige Anlagen weisen eine Wertentwicklung auf, die in vielen Fällen sogar besser ist als die üblicher Finanzprodukte. Die Unternehmen sind in der Regel besser gemanagt und sie sind häufiger in dynamischen Wachstumsbranchen tätig.

Privatanleger sind größtenteils noch ahnungslos

Von der grünen Welle scheinen Privatanleger in Deutschland derzeit überrollt zu werden. Einerseits sind die Bürger generell weniger aufgeschlossen, wenn es um Geldanlagen wie Aktien, Anleihen oder Investmentfonds geht. Dazu kommt die große Ratlosigkeit und das Misstrauen ggü. „grünen Anlagen“. Nach einer Umfrage der Wertpapier-Aufsicht BaFin haben erst 38% der Bürger den Begriff „nachhaltige Geldanlage“ schon einmal gehört. Anderseits können sich immerhin zwei Drittel der Befragten vorstellen, auch einmal nachhaltig zu investieren. Weitere Aufklärung tut Not, damit der Wandel in der Finanzbranche auch bei ihnen ankommt.

Wir als proaktiver und verantwortungsbewusster Vermögensverwalter beschäftigen  uns sehr intensiv mit diesem Thema, fragen Sie einfach mal nach!

Wir wünschen Ihnen ein angenehmes Wochenende

Thomas Boldt

und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH