Editorial der Freitags-Info vom 07.06.2019

Geposted von Andreas Rosner am

18 Millionen für die Tonne

Die Zahlen sind erschreckend, jedes Jahr landen in Europa fast 90 Mio. Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Für Deutschland liegen die Schätzungen aus dem Jahr 2018 bei 18 Mio. Tonnen und damit die Dramatik der Zahlen deutlich wird, die Angabe in Kilogramm: 18.000.000.000! Weltweit geht man von 1,3 MRD Tonnen aus. Die Anzahl der Nullen möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen.

Mehr als die Hälfte der entsorgten Lebensmittel stammt aus den privaten Haushalten und laut Forschern wären rund 40 Prozent vermeidbar. Oft wird die Menge der Einkäufe schlecht kalkuliert oder die eingekauften waren nicht richtig gelagert. Zudem verunsichert das genannte Haltbarkeitsdatum, was ja eigentlich einer Verbrauchsempfehlung entspricht und nicht das Datum benennt, an dem man das Lebensmittel nicht mehr verzehren sollte.

Was landet in der Tonne

Erschreckend ist zudem, das 800.000 Tonnen ungeöffnete und unberührte Lebensmittel im Müll landen.

Auswirkungen auf die Umwelt

Unser Verhalten wirkt sich weitreichend auf die Umwelt aus: Wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger, Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport – jedes Lebensmittel braucht für seine Herstellung kostbare Ressourcen. Ressourcen, die wir mit jedem weggeworfenen Apfel oder Brot sinnlos verschwenden. So fließen allein 820 Liter Wasser, bis ein Kilo Äpfel geerntet ist. Rund 1.610 Liter Wasser sind es, bis ein Kilogramm Brot entstanden ist. Für ein Kilogramm Käse sind es mehr als 5.060 Liter. Für die gleiche Menge Rindfleisch sogar rund 15.420 Liter. Wir bezahlen sogar doppelt für unsere Verschwendung, indem wir auch für den Abtransport wiederum Energie verbrauchen.

 

Auswege aus diesem ethischen Dilemma

Der Ruf nach politischen Lösungen verläuft leider ins Leere. Der Vorstoß des Hamburger Justizsenators, dass sog. Containern (noch essbare Lebensmittel aus dem Müll von Supermärkten zu holen) zu legalisieren, ist gescheitert, es bleibt in Deutschland eine Straftat. Auf einer Konferenz der Justizminister der Länder gab es nur einen Alternativbeschluss gegen Lebensmittelverschwendung: Der Bund solle es demnach großen Anbietern einfacher machen, Lebensmittel freiwillig und ohne Nachteile an Dritte, etwa an die Tafeln, abzugeben. Für mich ein sehr enttäuschendes Ergebnis.

Doch wir Verbraucher können sofort und dauerhaft etwas tun:

  • Einkäufe besser planen und am Bedarf orientieren
  • Die Lagerung verbessern
  • Essensreste kreativ weiterverwenden z.B. einfrieren
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Ablaufdatum verstehen

Wenn schon die Politik nichts unternimmt sollten alle Bürger der Länder ein besseres Verständnis und mehr Respekt den Gütern entgegenbringen, die uns Mutter Erde schenkt.

 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Pfingstwochenende

Andreas Rosner
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Andreas Rosner ist Direktor Privatkunden der Gies und Heimburger GmbH.