Editorial der Freitags-Info vom 08.03.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Keine Zinswende in Euroland in Sicht

 

Das Wirtschaftswachstum schwächt sich weiter ab und die Aussichten für die Konjunktur trüben sich immer mehr ein. Jetzt steuert die Europäische Zentralbank dagegen – mit durchaus überraschenden Nachrichten.

Europas Währungshüter reagieren überraschend deutlich auf gestiegene Risiken für die Konjunktur. Bislang hatte die Notenbank erklärt  das die Zinsen bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus unverändert bleiben. Dieser Zeitraum wurde nun verlängert bis mindestens über das Jahresende, wie die Europäische Zentralbank gestern im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mitteilte. Zugleich bietet die EZB den Geschäftsbanken – wie in den vergangenen Krisenjahren mehrfach geschehen – erneut längerfristige Kredite zu niedrigen Konditionen an. Die neuen Geldspritzen sollen ab September 2019 bis März 2021 zur Verfügung gestellt werden und eine Laufzeit von jeweils zwei Jahren haben. Damit soll die Kreditvergabe der Banken angekurbelt werden und das soll die Konjunktur und die Inflation anschieben.

Den Leitzins im Euroraum beließen die Währungshüter auf dem Rekordtief von 0,0%. Banken erhalten somit frisches Geld bei der Notenbank zum Nulltarif. Finanzinstitute, die bei der EZB Geld parken, müssen weiterhin 0,4% Strafzinsen zahlen.

Die Konjunkturaussichten haben sich zuletzt deutlich eingetrübt: Internationale Handelskonflikte bremsen den Welthandel, das Wirtschaftswachstum in China schwächt sich ab, zudem sorgen die Unwägbarkeiten des Brexits für grosse Verunsicherung.

Draghi überlässt Zinswende seinem Nachfolger

EZB-Chef Dragi sprach von einer Periode „anhaltender Schwäche und allgegenwärtiger Unsicherheit“. Die Wirtschaft im Euroraum werde vor allem durch externe Faktoren belastet. Das Maßnahmenpaket werde die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des gemeinsamen Währungsraumes stärken. Die Notenbank korrigierte ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich nach unten und erwartet für die Euro-Zone aktuell noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,1%. Dabei waren die EZB-Experten vor drei Monaten noch von einem Plus von 1,7% ausgegangen. Im 2020 soll die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder um 1,6% (Dezember-Prognose 1,7%) wachsen. Draghi betonte zugleich: „Die Wirtschaft wächst weiter.“ Die Gefahr einer Rezession, also einer schrumpfenden Wirtschaft, sei nach wie vor sehr gering.

Auch die Prognosen für die Entwicklung der Verbraucherpreise korrigierte die Notenbank nach unten. Danach dürfte die Teuerung in diesem Jahr bei 1,2% liegen und damit deutlich niedriger als im Dezember vorhergesagt (1,6%). Für 2020 erwartet die EZB eine Inflationsrate von 1,5% (1,7%) Die EZB strebt mittelfristig eine Rate von knapp unter 2,0% an. Dieser Wert gilt als weit genug entfernt von der Nullmarke.

Sparbuch und Co. werfen wegen der Niedrigzinsen kaum noch etwas ab. Solange die Teuerungsrate nahe der Nulllinie dümpelte, glich sich das in etwa aus. Bei höheren Verbraucherpreisen verlieren Sparer unter dem Strich aber Geld. Frische Milliarden in Unternehmens- und Staatsanleihen will die EZB zunächst nicht stecken. Allerdings werden die Gelder aus auslaufenden Papieren vorerst wieder investiert. Seit Beginn der Anleihekäufe im März 2015 bis Ende 2018 hat die EZB Wertpapiere im Volumen von unvorstellbaren 2,6 Billionen Euro erworben.

Thomas Boldt und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.

 

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH