Editorial der Freitags-Info vom 08.11.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Der größte Börsengang aller Zeiten
Die saudischen Behörden haben am Sonntag grünes Licht für den Börsengang des weltgrößten Erdölkonzerns Saudi Aramco gegeben. Dieser soll in der ersten Dezemberhälfte an die Börse gehen und einen zweistelligen Milliardenerlös in den saudischen Staatsfonds Public Investment
Fund (PIF) spülen. Dieser Staatsfonds soll die milliardenschweren Zukunftsinvestitionen finanzieren. Saudi-Arabien hat sich zum Ziel gesetzt, die mit mehr als 80% vom Erdöl abhängige Volkswirtschaft zu diversifizieren und auf die Zeit nach dem Ende der Ära des Erdöls vorzubereiten.

Ein Öl-Gigant
Es handelt sich um den bislang größten Börsengang der Geschichte. Saudi Aramco verfügt nach eigenen Berichten über nachgewiesene Erdöl- und Erdgasreserven von rund 227 Mrd. Barrel und damit über die größten Vorkommen der Welt. Diese sollen fünfmal mehr als die fünf großen internationalen Ölkonzerne (ExxonMobil, Shell, Chevron, Total und BP) betragen. Darüber hinaus sei der saudische Konzern das profitabelste Unternehmen der Welt und im Jahr 2018 habe man einen Nettogewinn von 111,1 Mrd. USD erzielen können.

Breite Spanne bei den Schätzungen
Lt. Den aktuellen Planungen sollen 1-2% der Anteile über die Börse verkauft werden. Der aktuelle
Wert wird auf 1,2 – 2,3 Bio. USD geschätzt. Die Mehrheit der Experten geht von max. 1,5 Bio. USD aus. Diese Taxen lassen einen Erlös zwischen 12 und 46 Mrd. USD erwarten. Der Kronprinz sieht den Wert von Saudi Aramco bei 2 Bio. USD. Auf reiche saudische Geschäftsleute wird Einfluss genommen, sich am Börsengang zu beteiligen. Zugleich wurden die einheimischen Banken angewiesen, Anlegern zur Zeichnung von Aktien großzügig Kredite zu gewähren. Der Börsengang soll auf jeden Fall zum Erfolg geführt werden. Flankiert wird dies über
die Ankündigung in den Jahren 2020-2024 eine jährliche Dividende von jeweils 75 Mrd. USD ausschütten zu wollen. Bei einem Börsenwert von 2 Bio. USD läge die Dividendenrendite bei 3,75%, dies ist aber weniger als die durchschnittliche Dividendenrendite großer börsennotierter Ölkonzerne.
Viele Risiken
Doch es gibt einige Risiken, die gegen ein Investment sprechen:

1. Die jeweilige Rendite reflektiert das Wachstum wie das Risiko und Dieses schätzen wir sehr hoch ein. Zum einen besteht das Länderrisiko Saudi-Arabien. Das Königshaus verfolgt rigoros seine Machtpolitik. Man sollte keine Rücksichtnahme der Mehrheitsaktionäre auf die Interessen der Minderheitsaktionäre erwarten.
2. Die Erdölindustrie ist zukünftig kein Wachstumssektor, sondern bleibt unter Druck durch alternative Energiequellen. Anleger favorisieren zukünftig immer mehr nachhaltige und ethisch einwandfreie Investments bei denen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführung eine wichtige Rolle spielen.
3. Saudi-Aramco ist ein Ziel von Anschlägen. Im Mai 2019 wurde die Ost-West-Pipeline durch Drohnen mit Sprengsätzen angegriffen und musste zeitweilig geschlossen werden. Im August 2019 wurde das Erdgaswerk Shaybah durch 5 Drohnen attackiert und beschädigt. Im September 2019 wurden die Anlagen Abqaiq und Khurais durch Marschflugkörper und Drohnen beschädigt.
Fazit: Der Börsengang ist von Saudi-Arabien zu einem guten Zeitpunkt gewählt worden, für Privatinvestoren außerhalb der Golfstaaten ist ein direktes Investment jedoch kaum möglich.

Thomas Boldt und das gesamte Team von Gies & Heimburger wünschen ein schönes

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH