Editorial der Freitags-Info vom 03.03.2017

Geposted von Bernd Heimburger am

Diese Woche veröffentlichte der Ökonom und Wirtschaftshistoriker Professor Moritz Schularick die Ergebnisse eines Forschungsprojektes. Dabei stellt die Studie grundlegende Faustregeln auf den Kopf. „Höhere Renditen bei geringerem Risiko“ so die Kernaussage.

Bei Kapitalanlagen und an den Börsen gilt der Grundsatz – ohne Risiko keine Renditen. D.h. Kapitalanlagen, die sicherer und schwankungsärmer sind, werfen weniger Rendite ab als Anlagen, die stärkeren Schwankungen ausgesetzt sind.

Das Forschungsprojekt untersuchte die Entwicklung von Wohnimmobilien und Aktien in 16 Industrienationen von 1870 bis heute. Im Schnitt warfen Immobilien in den untersuchten Ländern jährlich durchschnittlich acht bis 8,5 % ab, während die Wertsteigerung der Aktien bei sieben bis 7,5 Prozent lag. Über diesen langen Zeitraum waren  Immobilien die bessere Anlage. Zwar fiel der Renditeunterschied nur knapp aus, aber die Preise für Wohnimmobilien schwankten vergleichsweise weniger als Aktien.
Die Gründe für den Renditeunterschied bringt die Studie auch zu Tage. Die Stabilität der Mieten, ist einer der Haupttreiber, auch bei wirtschaftlichen Schieflagen sind die Mieten relativ stabil und damit eine sichere Einnahmequelle. Ein weiterer Grund ist der Umstand, dass in Krisen in der Immobilienbranche zuerst der Neubau von Häusern und Wohnungen zurückgeht, damit fallen die Marktpreise nicht so stark wie es im Aktienmarkt üblich ist. Damit ist der Häusermarkt nicht so hoher Volatilität ausgesetzt.
Interessant ist auch der Umstand, dass in den ersten einhundert Jahren die Preisentwicklung der Immobilien kaum eine Rolle spielte, erst seit 1970 kam es zu einem rasanten Anstieg. Für 80% des Anstieges des Wertes der Immobilien war die Zunahme der Grundstückspreise verantwortlich. Ein weiterer Grund für den Renditeunterschied sieht Prof. Schularick auch bei Regierungsmaßnahmen. Die Politik schreitet eher bei fallenden Immobilienpreisen ein als bei fallenden Aktienkursen.
Einen Seitenhieb auf deutsche Anleger liefert die Studie auch noch. Weder in Aktien noch in Immobilien wurde in Deutschland stark investiert, Deutsche lassen Extra-Renditen liegen, so die Studie. Die letzten 50 Jahre muss man auch stark differenzieren. Hier hat sich der Aktienindex in Deutschland fast verdreißigfacht, während Wohnimmobilien sich „nur“ versiebenfacht haben.
Wie immer der einzelne Anleger die Ergebnisse der Studie interpretiert, an einem Zusammenhang geht kein Weg vorbei. Der langfristig orientierte Anleger kommt weder an der Anlageklasse Aktien noch an der Anlageklasse Wohnimmobilien vorbei.

Wir wünschen Ihnen ein schönes erstes Märzwochenende.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

 

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.