Editorial der Freitags-Info vom 10.03.2017

Geposted von Bernd Heimburger am

Trotz aller Widrigkeiten um den EURO sollten Investoren in die Unternehmen des größten Wirtschaftsraumes der Welt investieren, so das Resümee des Chefvolkswirtes der Assenagon-Gruppe Martin Hüfner. Die aktuelle Kurschwäche des Euro und die Schwierigkeiten mit denen wir es zur Zeit beim Euro zu tun haben, sind nicht die Fehler der Währungsunion, wie gerne dargestellt wird. Es sind größtenteils die Spätfolgen der Finanzkrise, die sich 2008/2009 entladen hat.
Ein Grund für die Spannungen im Euroraum sind die öffentlichen Defizite. Während in den ersten zehn Jahren des Euro der Verlauf der Defizite relativ ähnlich war, nicht ideal aber vertretbar, kam der Wendepunkt 2008. Zur Bekämpfung der Rezession wurden die öffentlichen Defizite extrem ausgeweitet. In den Folgejahren mussten sie wieder reduziert werden. In diesem Prozess befinden sich die Volkswirtschaften auch heute noch.
Die Gesundung der öffentlichen Finanzen verlief in den einzelnen Mitgliedsländern der EU weitgehend ähnlich, mit Ausnahme Deutschlands. Die deutsche Volkswirtschaft legte ein extrem höheres Tempo vor, schon 2012 war das Budget annährend ausgeglichen. Aus heutiger Sicht wäre eine langsamere Konsolidierung sinnvoller und für Europa hilfreicher gewesen, die Investitionen hätten in Deutschland höher sein können.

Die USA hatten in der Rezessionsphase 2008-2009 ein größeres Defizit als die Euro-Zone aber seit 2010 auch kräftig zurückgeführt, auch wenn es heute noch höher liegt (ca. 3,5% des BIP, Euroraum 2,1%)
Aber auch die anderen Bereiche der Volkswirtschaften mussten neu geordnet werden. Die Bankensysteme waren überfordert, die Arbeits- und Gütermärkte mussten flexibler gemacht werden. Auch die Geldpolitik musste wieder auf einen normalen Pfad zurückgeführt werden. Traditionell beweisen die Amerikaner in solchen ungewöhnlichen Situationen mehr Mut, sie haben die Strukturreformen schneller umgesetzt. Aber auch das hängt nicht zwingend mit dem Euro zusammen, sondern eher an der langsameren Umsetzung von Veränderungen in Europa, also an der Mentalität.

Anleger sollten sich von den Euro-Kritikern nicht verunsichern lassen, so schlecht ist die Gemeinschaftswährung nicht. Nach Abschluss der Konsolidierung (vielleicht in 2-3 Jahren) kann der Euro auch wieder Signale der Stärke aussenden.
Für den deutschen Anleger gibt es auch noch einen ganz rationale Überlegung – die Vermögenswerte, die heute für die Altersvorsorge angelegt werden, müssen in den nächsten Jahren auch wieder in Euro zum Verbrauch zur Verfügung stehen.

Wir wünschen ihnen ein sonniges Märzwochenende.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

 

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.