Editorial der Freitags-Info vom 10.08.2018

Geposted von Bernd Heimburger am

Heute bringt das Handelsblatt einen ironisch-wahren Artikel über VW. Zumindest die Überschrift lässt Spielraum für Spekulationen: „Bei VW geht´s wirklich um die Wurst“ Der Handelsblatt-Autor H.J. Jakobs berichtet über die Volkswagen-Currywurst. Offensichtlich gab es Unzufriedenheit nicht nur mit den Autos, die VW herstellt, sondern auch mit der Soße für die Currywurst, die in größeren Stückzahlen in der eigenen Konzernfleischerei hergestellt wird, als Automobile von den Bändern laufen. Auf jeden Fall kommt das Ketchup künftig von einem inländischen Unternehmen aus der Nähe von München und nicht mehr vom Kraft-Konzern. Man kann wirklich nur hoffen, dass VW nur noch Probleme mit den Kantinen hat, die Probleme in der KFZ-Produktion weniger werden, sonst geht es beim VW-Konzern wirklich um die Wurst, aber im übertragenen Sinn.

Unser zweites Thema ist an Aktualität nicht zu überbieten. Innerhalb einer Woche verliert die türkische Lira über 30 % ihres Wertes gegenüber dem Euro. Für einen Euro erhält man aktuell ca. 7,40 Lira.  Was dem Reiseanbieter Thomas Cook überraschende Erträge in die Kassen bringt, ist für die Türkei katastrophal. Das Reiseunternahmen gab gestern bekannt, dass es mehr Reisen in die türkische Urlaubsregion Antalya verkauf als nach Mallorca. Diese Entwicklung kann für das Land fatale Folgen haben. Inzwischen sind die Renditen für türkische Staatsanleihen auf ca. 23 Prozent gestiegen, die Inflation im Land geht in die gleiche Richtung. Inzwischen können die ersten türkischen Unternehmen die Schulden in Fremdwährungen nicht mehr bedienen, die Firmen sitzen auf rund 240 Milliarden US-Dollar Schulden, die nicht in Lira zurückgezahlt werden können. Die Prämien für Kreditausfall-versicherungen sind auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise gestiegen und betragen aktuell 3,7% der Kreditsumme.

Nachdem Erdogan am 24.Juni die Präsidentschaftswahl gewonnen hat und danach seinen Schwiegersohn zum Finanzminister ernannt hat, geht das Vertrauen der internationalen  Anleger buchstäblich in die Brüche. Investoren ziehen Milliarden aus der Türkei ab, das belastet die Währung weiter. Außenpolitisch kämpft die Türkei an zu vielen Fronten. In der Konfrontation mit den USA um die Festnahme eines US-Predigers, wird wohl die Türkei den Kürzeren ziehen. Der US-Präsident hat schon ein Gesetz auf den Weg gebracht, was einem potentiellen Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) die US-Unterstützung untersagt. Die Türkei ist zum internationalen Pulverfass geworden. Man kann nur hoffen, dass der türkische Präsident seinen Dickkopf ablegt und endlich mal Entspannungssignale sendet.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende ohne dramatische Gewitter.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.