Editorial der Freitags-Info vom 10.11.2017

Geposted von Bernd Heimburger am

Alle professionellen Anleger, wie Versicherungen, Pensionsfonds, Investmentfonds, Vermögensverwalter und andere Institutionen, werden täglich vor immer wiederkehrende Herausforderungen gestellt. Soll die Investitionsquote bei 100% gehalten werden, soll die Liquidität erhöht werden, oder sollen bestehende Investments abgesichert werden, oder sogar sog. Shortpositionen eingegangen werden?

Es gibt grundsätzlich zwei große Bereiche, die sich die institutionellen Anleger täglich ansehen und dann als Entscheidungsgrundlage heranziehen. An erster Stelle wird das makroökonomische Gesamtbild eines Landes, bzw. einer Region oder eines Kontinentes herangezogen, um Anlageentscheidungen zu treffen. Aus aktueller Sicht laufen die großen Anlagemärkte in einem starken Einklang. In Europa, Nordamerika und auch in den Emerging Markets stehen die Zeichen auf Wachstum. Die BIP-Zahlen sind beeindruckend positiv, die Unternehmensgewinne steigen von Jahr zu Jahr, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig oder fallen, die Zinsen sind tief oder sogar nahe Null und die nächsten Quartale scheint sich nicht viel an diesem positiven Gesamtbild zu ändern.

Der zweite Bereich, der bei Anlageentscheidungen eine Rolle spielt ist die sog. „Technische Analyse“ Hier werden Frage erörtert, wie beispielsweise „ist der Trend intakt?“, ist ein Markt zu stark gelaufen und damit „überkauft“? oder umgekehrt „überverkauft“? Wurde ein Trend gebrochen, oder zeigen sich Unterstützungs- bzw. Widerstandsmarken. Zu jeder dieser Fragen gibt es Chartformationen, aus denen man aus der Historie Musterverläufe ablesen kann.

Nun gibt es Investoren, die stellen sich diese Fragen nach den Fundamentaldaten oder der technischen Verfassung nicht. Gerade bei einigen Investmentgesellschaften wird diese Betrachtung per Definition ausgeschlossen. Gerade passive Investmentfonds (ETFs) sind immer zu 100% voll investiert, aber auch einige aktiv gemanagte Fonds verfahren nach diesen Grundregeln.

Versicherungen und Pensionsfonds, wie auch Vermögensverwalter praktizieren eher einen deutlichen aktiven Ansatz. D.h. wenn die Fundamentaldaten nicht positiv sind, wird in den entsprechenden Ländern oder Regionen wenig oder nicht investiert. Auch wenn das „technische Bild“ einer Börse zu viele Fragen aufwirft, werden Investitionen zurückgestellt, verkauft oder es wird abgesichert.

Gerade die aktuelle Börsenphase ist nicht ganz einfach zu greifen. Einerseits ist das gesamtwirtschaftliche und unternehmensspezifische Bild sehr positiv, andererseits kommt von der „technischen Seite“ eher der mahnende Zeigefinger.

Wir wünschen Ihnen ein angenehmes Herbstwochenende, das wohl den ersten Glühwein und den Regenschirm erfordert.

Bernd Heimburger und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.