Editorial der Freitags-Info vom 12.04.2019

Geposted von Andreas Rosner am

Unwort des Jahres

Was verbinden Sie mit den Begriffen: „Anti Abschiebe Industrie“, alternative Fakten“, „Volksverräter“ oder „Gutmensch“. Allesamt die Unworte des Jahres in den zurückliegenden Jahren. Ich bin mir sehr sicher, dass die Kommission bereits jetzt das Unwort des Jahres 2019 gewählt hat, „BREXIT“. Vielleicht gibt es demnächst auch die Kategorie Unwort des Jahrzehnts.   Auch hier wären die Chancen groß, dass BREXIT mit Abstand gewählt würde.

Die Chancen auf ein baldiges Ende in dem Rosenkrieg zwischen englischem Parlament und der EU sind in den letzten Tagen gestiegen. Das EU Parlament hat am gestrigen Donnerstag, in einem weiteren Sondergipfel, eine Verlängerung für den Austritt Großbritanniens ausgehandelt. Somit ist ein harter BREXIT an diesem Freitag vorerst abgewendet. Der neue Stichtag für den Verbleib Großbritanniens in der EU ist für den 31.10.2019 festgelegt.

Doch die Situation bleibt weiterhin chaotisch. Denn mit der Verlängerung des Austritts ist die Tür für die Teilnahme an den Europawahlen im Mai dieses Jahres ein Stück aufgegangen. Den Brexit Hardlinern bei den Tories und der nordirischen DUP entsteht nunmehr richtig Druck. Ihnen droht, was sie niemals wollten: ein langer Verbleib Großbritanniens in der EU. Auch könnten die Europawahlen zu dramatischen Veränderungen in der Parteienlandschaft führen. Viele europafreundliche Briten hatten sich 2016 nicht am Referendum beteiligt, weil ihnen die Bedeutung der Volksabstimmung nicht bewusst war. Das hat sich nach den quälenden Debatten der zurückliegenden drei Jahre geändert. Die sogenannten „Remainer“ (Brexitgegner) sind nun mobilisiert und könnten sowohl Labour als auch die Tories dafür abstrafen und europafreundlicheren Kräften Auftrieb verleihen.

Sollte allerdings das englische Parlament den von Theresa May mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag noch vor den Europawahlen am 23.05.2019 ratifizieren, könnte Großbritannien die EU sofort verlassen. Möglich ist auch ein zweites Referendum, denn bis zum 31.10. ist genug Zeit, um eine erneute Volksabstimmung vorzubereiten.

Aber wie sagte schon der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn auf den Umstand das die Briten aus einem „No Deal“ wieder einen „Deal“ machen wollen: Das ist wie mit Zahnpasta: Die bekommt man sehr einfach aus der Tube raus, aber nicht mehr rein!

Ich schwanke da mehr zwischen Monty Python, der britischen Komiker Gruppe oder „Täglich grüßt das Murmeltier“.

Wir alle hoffen auf ein baldiges Ende dieser Posse, egal wie es ausgeht! Spätestens am 31.10.2019, dem Halloweentag, gibt es süßes oder saures!

Wir wünsche Ihnen und Ihren Familien ein schönes vorösterliches Wochenede.

Andreas Rosner
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

Andreas Rosner ist Direktor Privatkunden der Gies und Heimburger GmbH.