Editorial der Freitags-Info vom 13.09.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Der Yellowhammer
Auf eine solche martialische Bezeichnung können nur die vom Brexit geplagten Inselbewohner des Vereinigten Königreichs von Großbritannien kommen. Es handelt sich dabei um ein internes Papier der englischen Regierung, dass sich mit den absehbaren Folgen eines „No Deal Brexit“ auseinandergesetzt hat und das nun vom britischen Parlament zur Veröffentlichung eingefordert wurde. Für Aufsehen sorgt besonders, dass der Titel inzwischen offenkundig geändert wurde.

Die von der Regierung am Mittwoch veröffentlichten Papiere tragen mittlerweile den Titel „Planungsannahmen für den schlimmsten Fall“. Die Opposition vermutet, dass die Regierung die Folgen eines ungeregelten Brexits am 31.10.2019 bewusst herunterspielen will. Weiter heißt es in einem heute erschienen Artikel im Handelsblatt: In dem sechsseitigen Dokument wird unter anderem vor Protesten und Störungen der öffentlichen Ordnung gewarnt, die eine „erhebliche Menge“ der Polizeikräfte in Anspruch nehmen würden. Außerdem könnte es aufgrund langer Wartezeiten am Ärmelkanal zu Lieferengpässen bei Medikamenten kommen. In der Folge könnten Krankheiten bei Tieren ausbrechen, die auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen könnten. Auch bestimmte Lebensmittel dürften dem Dokument zufolge knapp werden, verschlimmert durch Hamsterkäufe. In Teilen des Landes könnte es auch zu Kraftstoffengpässen kommen.

Johnson hat sich verzockt
Die Taktik von Boris Johnson ist gründlich danebengegangen. Nach seiner Wahl zum Premierminister hat er noch gemutmaßt, es wird ein bisschen ruckeln. Eine Niederlage im Parlament reiht sich an die nächste. Rekordverdächtige sechs Abstimmungspleiten hat er in seiner noch jungen Amtszeit hinter sich und die nächste steht vor Downing Street No. 10. Denn ein Gericht hat die Zwangspause des britischen Parlaments für rechtswidrig erklärt und der Oberste Gerichtshof in London hat in der nächsten Woche zu entscheiden, ob die Abgeordneten schon bald wieder die Sitzbänke im Londoner Palace of Westminster einnehmen dürfen.

Die Queen belogen
Weiterer Ärger bereitet außerdem der Verdacht, dass Johnson bei der von ihm angeordneten Zwangspause die Queen hinters Licht geführt hat. Sie hat das letzte Wort, wenn es um eine solchen Zwangsurlaub für die Parlamentarier geht. Wenn sich der Verdacht bestätigt, wäre es nach Meinung des Ex-Generalstaatsanwaltes Dominic Grieve allerhöchste Zeit für einen Rücktritt.

Es sind weiterhin, auch für die Finanzmärkte weltweit, stürmische Zeiten zu erwarten. Die konkreten Einflüsse auf die Kapitalmärkte thematisieren wir auch immer wieder in unserem 3ik-Wochenbericht.

Andreas Rosner und das gesamte Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein sonniges Wochenende.

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH