Editorial der Freitags-Info vom 16.11.2018

Geposted von Thomas Boldt am

Ist der fallende Ölpreis Vorbote einer Konjunktureintrübung?

Die weltweite Ölproduktion steigt seit Mai 2019 drastisch an weil die USA, Saudi-Arabien und Russland Rohöl auf Rekordniveau fördern. Damit werden die Lieferausfälle aus Venezuela und die Produktionsrückgänge im Iran mehr als kompensiert. Durch die Rekordförderung übersteigt das globale Angebot die Nachfrage deutlich. Die Internationale Energie-Agentur (IEA – eine in Paris ansässige Organisation die Regierungen und Unternehmen bei Energietrends berät) berichtet, die Förderländer pumpten rund 101 Mio. Barrel pro Tag aus dem Boden, das sind 2,6 Mio. Barrel pro Tag mehr als im Vorjahr. Die globale Ölproduktion ist seit Mai um 1,8 Mio. Barrel pro Tag gestiegen. Dabei erhöhten die USA ihre Förderung um rund 1 Mio. Barrel, Russland um 620.000 Barrel und Saudi-Arabien um 445.000 Barrel. Im Oktober stieg die Ölförderung Saudi-Arabiens auf 10,65 Mio. Barrel pro Tag, die russische Rohöl- und Kondensat-Produktion legte auf 11,4 Mio. Barrel pro Tag zu, während die USA die Produktion auf 11,6 Mio. Barrel pro Tag erhöhte – womit die USA ihren Platz vor Russland als größter Ölproduzent der Welt gefestigt haben. In ihrem jährlichen World Energy Ausblick prognostizierte die IEA ein anhaltendes Wachstum der Schieferölförderung in den USA, das es dem Land ermöglichen könnte die anderen großen Produzenten der Welt weiter hinter sich zu lassen. Bis 2025 dürfte etwa die Hälfte des Wachstums bei Rohöl und Erdgas aus den USA stammen.

Ölpreise stark unter Druck

In den vergangenen Wochen sanken die Ölpreise um mehr als 20 Prozent. Der Rückgang war eine Reaktion auf das steigende Angebot bei einem sich abschwächenden Weltwirtschaftswachstum. Der Preisverfall veranlasste die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und ihre Verbündeten außerhalb des Kartells, einschließlich Russland, einen Strategiewechsel einzuleiten, der eine gemeinsame Produktionskürzung beinhalten könnte. Der Schritt erfolgt nur wenige Monate nach der Entscheidung die Produktion, nach mehr als einem Jahr der Produktionsverzögerung, hochzufahren.

Keine gemeinsame Linie

Saudi-Arabien erklärte am Sonntag, dass es seine Nettoexporte im nächsten Monat einseitig um rund 500.000 Barrel pro Tag im Vergleich zum November reduzieren würde. Die Ankündigung half zunächst die Rohölpreise zu stützen, bevor sie erneut unter Druck kamen, nachdem US-Präsident Donald Trump einen Tweet veröffentlichte, in dem er Saudi-Arabien und die Opec aufforderte die Produktion nicht zu kürzen. Die Opec trifft sich am 6. Dezember in Wien, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Aufgrund der zu erwartenden weltweiten Konjunktureintrübung und der weiter ansteigenden US-Förderung ist eine nachhaltige Erholung der Preise nicht zu erwarten.

Wir wünschen Ihnen ein geruhsames Wochenende

Thomas Boldt und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH