Editorial der Freitags-Info vom 18.05.2018

Geposted von Bernd Heimburger am

„Krisen eröffnen Chancen“! Diese alte Weisheit führten uns die Kapitalmärkte diese Woche wieder einmal vor Augen. Weder die Ankündigung von US-Sanktionen nach dem einseitigen Ausstieg der Amerikaner aus dem Atomabkommen mit dem Iran, noch die abstrusen Forderungen der beiden populistischen italienischen Parteien „Lega“ und „Fünf Sterne“ nach einem Schuldenerlass in Höhe von 250 Milliarden Euro für Italien, konnte die Aktienmärkte in Wallung bringen. Die Devisenmärkte reagierten jedoch deutlich. Der Euro verlor im Wochenverlauf knapp 2% gegenüber dem Dollar.

Mag sein, dass der Ausstieg der Amerikaner aus dem Iran-Atomabkommen noch als typisches Pokerspiel „a la“ Donald Trump gesehen wird und am Ende doch eine neue Verhandlungslösung angestrebt wird. Die Forderung der Italiener, selbst wenn hier bereits wieder etwas zurückgerudert wird, ist in meinen Augen das Überschreiten einer roten Linie. Eine Vergemeinschaftung von Schulden darf es in der Währungsunion nicht geben! Die italienischen Staatschulden haben gerade die Marke von 2300 Milliarden Euro (nicht Lire) überschritten. Dies entspricht einer Staatsschuldenquote von 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diese Verschuldungshöhe ist natürlich auf Dauer nicht tragbar. Jedoch der Ruf nach einem einfachen Schuldenerlass ist dann doch zu billig.

Ich wünsche mir sehr, dass EZB-Chef Mario Draghi in den verbleibenden Monaten seiner Amtszeit (bis 31. Oktober 2019) seinen italienischen Landsleuten die passenden Worte zu diesem Thema ins Stammbuch schreibt. Ein Erlass der von der EZB gehaltenen Schulden Italiens (italienische Staatsanleihen in den Büchern der EZB) wäre ein klarer Verstoß gegen Artikel 123 des EU-Vertrags, der monetäre Staatsfinanzierung verbietet.

Vielleicht überdenken unsere italienischen Freunde bei einem ausgedehnten Pfingstspaziergang ihr Ansinnen nochmals und freunden sich mit dem Gedanken an, in den kommenden Jahren das Dolce Vita etwas einzuschränken.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Pfingstwochenende.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.