Editorial der Freitags-Info vom 18.10.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Chinas Wachstum auf Rekordtief

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich unerwartet stark verlangsamt und ist auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten gefallen. Im 3.Quartal legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nur noch um 6,0% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt heute in Peking mitteilte. Als Ursachen nannten Experten den Handelskrieg zwischen China und den USA, die Verunsicherung von Investoren und die chinesischen Bemühungen gegen die wachsende Verschuldung anzugehen. Das Wachstum für die drei Quartale zusammen liegt mit 6,2% im unteren Bereich der Zielvorgabe der Regierung für das Gesamtjahr von 6,0 – 6,5%. Im 1.Quartal waren noch 6,4 und im 2.Q noch 6,2% erreicht worden. Ursachen sind nicht nur die weltweit schwächere Nachfrage nach Waren  aus „Made in China“, sondern auch die schwächere Binnennachfrage. 2018 hatte Chinas Wirtschaft noch um 6,6% zugelegt. Das langsamere Wachstum in den USA und China bremst auch die Weltwirtschaft und verschlechtert die Aussichten für Deutschland. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte diese Woche seine globale Wachstumsvorhersage für dieses Jahr zum vierten Mal in Folge auf nunmehr 3,0%, nach 3,2% im Juli. Hingegen hält die Bundesregierung zwar an ihrer Vorhersage von 0,5% Wachstum in diesem Jahr fest, senkte aber am Donnerstag die Prognose für 2020 um 0,5% auf 1,0%.

Auch deutsche Unternehmen leiden unter dem schwächeren Wachstum

China ist Deutschlands größter Handelspartner. So haben auch deutsche Unternehmen unter dem schwächeren Wachstum im Reich der Mitte zu leiden. „Der Handelsstreit löst vor allem Verunsicherung aus, was sich etwa in der Zurückhaltung privater Unternehmen bei Investitionen bemerkbar macht“, sagte Max Zenglein vom Berliner China-Institut Merics. „Stark fallende Exporte in die USA haben im dritten Quartal dazu beigetragen, dass Chinas Exporte insgesamt schrumpften.“ Der Handelskonflikt und die damit verbundene Entkopplung mit den USA werde sich zunehmend auf die chinesische Wirtschaft auswirken.

Trotz des „Waffenstillstandes“ und der vagen Einigung auf eine „Phase eins“ in den Handelsgesprächen ist die Gefahr nicht gebannt. Beide Seiten wollen bis zu dem Treffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) Mitte November in Santiago de Chile eine Übereinkunft zu Papier bringen. Es gibt aber noch viele Unklarheiten – das betrifft insbesondere die Höhe der landwirtschaftlichen Importe Chinas aus den USA. Auch fordert China nicht nur eine Aussetzung angekündigter neuer US-Strafzölle, sondern die Aufhebung der bestehenden Sonderabgaben.

Peking bremst – Sorge vor Blasen und Überschuldung wächst

Neben dem Handelskonflikt sehen Experten gleichwohl „überwiegend innerchinesische Gründe“ für die Verlangsamung des Wachstums in China. Er verwies vor allem auf die seit 2017 anhaltenden Bestrebungen Pekings, das Kreditwachstum und die Überschuldung einzudämmen. Der Handelskonflikt mit den USA zeichnet sich erst allmählich in den Zahlen ab, wie etwa in den Exporten oder den Investitionen im produzierenden Gewerbe. Fast alle Wachstumstreiber zeigen nach unten, zusätzlich zu den Investitionen und Exporten verlangsamt sich auch der Konsum. Die Regierung greife nicht zu großen Konjunkturmaßnahmen, weil sie neue Probleme wie Überschuldung und Blasen schaffen würden.

Die chinesische Wirtschaft sei stark abhängig von Krediten. Doch eine Ausweitung der Kredite erhöhe das Risiko durch die Verschuldung, die bei den Unternehmen ohnehin schon „sehr hoch“ sei. Chinas gesamte Schuldenlast habe 305% der Wirtschaftsleistung erreicht. Wie diese Schulden in der Zukunft zurückgezahlt werden, ist weiter eine Riesenfrage.

Thomas Boldt und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein erholsames Wochenende.

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH