Editorial der Freitags-Info vom 20.01.2016

Geposted von Bernd Heimburger am

Ein griffiges Schlagwort für Entwicklungen und Umstände haben die Amerikaner schnell kreiert. So bezeichnet die Finanzpresse den deutlichen Anstieg der Aktienkurse und das Anziehen der Zinsen in den USA nach der Präsidentschaftswahl als Trump Jump.

In den letzten Tagen und besonders mit der heutigen Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump mehren sich die kritischen bis deutlich negativen Stellungnahmen zur anstehenden Amtszeit. In einem ganzseitigen Interview mit der Badischen Zeitung erläutert heute der Volkswirtschaftsprofessor der Uni Freiburg Oliver Landmann, dass das Handelskonzept des neuen US-Präsidenten seit 200 Jahren widerlegt ist und das an der Globalisierung kein Weg vorbei geht. Landmann zitiert ein einfaches Beispiel aus einem Lehrbuch, das die ansonsten komplexen Zusammenhänge des Welthandels, anschaulich darlegt.

Die Fragestellung, ob der deutsche Basketball-Star Dirk Nowitzki seine Gartenhecke selbst schneiden sollte, oder ob er die Aufgabe besser an einen Gärtner delegiert, ist auf den ersten Blick nicht eindeutig zu beantworten. Nowitzki  ist 2,13 m groß, ein Modellathlet, er könnte die Hecke in kurzer Zeit, ohne Leiter, selbst schneiden. In dieser Zeit könnte Nowitzki aber trainieren oder Werbeaufnahmen drehen, damit kann der Sportler deutlich mehr Einnahmen erzielen, wenn er den Gärtner für das Schneiden der Hecke bezahlt. Der Gärtner besitzt einen sog. komparativen Vorteil, auch wenn er längere Zeit braucht, um die Hecke zu schneiden. Nowitzki besitzt den komparativen Vorteil beim Basketball und nicht bei der Gartenarbeit.

Das ist die vereinfachte Grundregel die beim Export bzw. beim Import von Gütern greift. Jedes Land macht das was es am besten kann. Wenn nun der neue US-Präsident beispielsweise die Fertigung von Autos wieder zurück in die USA holen will, dann würden damit die Grundpfeiler der Globalisierung in Frage gestellt. Die großen US- und EU-Autobauer haben ja nicht ohne Grund die Montage nach Mexiko verlagert, dort geschieht das zu Preisen, die in den USA nicht machbar sind. Mit der angekündigten Einführung von Importzöllen würde die Industrielandschaft erneut umgepflügt und am Ende gäbe es mehr Verlierer als Gewinner.

Deutlich dramatischer formuliert die Investmentlegende bzw. der  Hedge-Fonds-Manager Georg Soros auf dem Wirtschaftsforum in Davos. Er bezeichnete Donald Trump als Hochstapler und Möchtegern-Diktator und prognostizierte einen Trump-Crash.
Die großen bekannten Analysehäuser in Europa sehen die Entwicklung durchaus auch als zweischneidiges Schwert. Einerseits die durchaus gewinnfördernde geplante Steuerreform, andererseits die Risiken von steigenden Zinsen und Inflation. Es bleibt spannend in der Weltwirtschaft.

Wir wünschen Ihnen ein schönes, nicht zu kaltes Januarwochenende.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.