Editorial der Freitags-Info vom 20.04.2018

Geposted von Bernd Heimburger am

Die Amtszeit des aktuellen EZB-Präsidenten Maio Draghi endet zwar erst im Hebst 2019, aber seit einiger Zeit wird über seine Nachfolge spekuliert. Nach einem ARD-Bericht von dieser Woche stehen die Chancen für den Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann nicht schlecht, auf Draghi zu folgen. Nachdem ein Niederländer, ein Franzose und ein Italiener die Notenbank leitete, wäre eigentlich ein Deutscher mal dran. Auch die Tatsache, dass der Spanier Luis de Guindos zum neuen EZB-Vize berufen wurde, wird als Fingerzeig auf Weidmann interpretiert.

Nun könnten die Gegensätze des amtierenden Präsidenten Draghi und dem Bundesbank-Chef Weidmann kaum größer sein. Während Draghi im Jahr 2012 mit seinem in die Geschichtsbücher eingehenden Satz – whatever it takes – zur Wende in der Schulden- bzw. Eurokrise maßgeblich beitrug, wird dem Hardliner Weidmann nachgesagt, er hätte lieber den Zusammenbruch der Währungsunion riskiert, als die unorthodoxen Maßnahmen von Draghi mitzutragen. Im laufenden Jahr  wird Weidmann nicht müde, eine baldige „Normalisierung“ der Geldpolitik, sprich eine Anhebung des Leitzinses, zu fordern. Mit einem EZB-Präsidenten Weidmann würde also das Ende der Nullzinspolitik eingeleitet, was aber jetzt schon teilweise auf den Weg gebracht ist, einmal durch die Entwicklung des amerikanischen Rentenmarktes und andererseits auch durch das Auslaufen des Anleihekaufprogrammes in Europa.
Es gibt aber auch durchaus gewichtige Gründe, die gegen einen deutlichen Anstieg der Zinsen in Europa sprechen. Erstens ist die Inflationsrate in einer moderaten Entwicklung von 1,3 bis 1,6 %, zweitens ist die Konjunktur in Europa in einem fortgeschritten Stadium in dem deutlich höhere Zinsen eher bremsend wirken und nicht zuletzt würden die Euro-Süd-Länder intervenieren, den die Staatsschulden drücken immer noch und höhere Zinsen verstärken den Druck. Das Resümee der ARD ist deshalb auch sehr realistisch: Allerdings ist Weidmann Realist genug, um zu wissen, dass allzu schnelle Bewegungen in der Geldpolitik die Stabilität der Finanzmärkte bedroht – ein Szenario, das auch die „Falken“ unter den Notenbankern fürchten.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Frühlingswochenende mit wohl schon sommerlichen Temperaturen.

Ihr Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.