Editorial der Freitags-Info vom 21.12.2018

Geposted von Andreas Rosner am

Ein letztes Mal ertönt heute im Ruhrgebiet der Ruf „Glück auf“ , denn auf der Zeche Prosper Haniel in Bottrop, der letzten noch aktiven Steinkohlezeche in Deutschland,  wird heute Nachmittag das letzte Stück Kohle gebrochen. Ein über zweihundert Jahre betriebener Industriezweig ist dann für immer Geschichte. Die Arbeit unter Tage hat Generationen von Familien geprägt. Nicht selten fuhren Väter mit Ihren Söhnen in rasender Geschwindigkeit (bis zu 10 Meter in der Sekunde) ins Bergwerk ein. Die Steinkohle hat aber nicht nur die Gesellschaft geprägt, sondern die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung ganz Europas verändert.

Obwohl schon vor 900 Jahren die erste Steinkohle im Aachener revier abgebaut wurde, erlebte der fossile Rohstoff seine Blütezeit erst im 19. Jahrhundert. Zur vorletzten Jahrhundertwende lieferte die Steinkohle, auch  „schwarzes Gold“ genannt immerhin 95 Prozent der global genutzten Energie und war ein wichtiger Arbeitgeber. Über 2,5 Millionen Menschen waren in Europa im Steinkohlebergbau beschäftigt. Die damals einsetzende Industrialisierung verschlang Unmengen an Energie und ohne diesen Rohstoff hätte es diese notwendige Energie nicht gegeben. Und das Ruhrgebiet entwickelte sich zum größten Steinkohlerevier Europas. Allein in dieser Region fanden fast eine halbe Millionen Menschen Arbeit und förderten 110 Millionen Tonnen pro Jahr die hauptsächlich genutzt wurde, um die Hochöfen der Eisen- und Stahlindustrie anzufeuern. Sie lieferten aber auch Grundstoffe für die chemische Industrie, wurden aber auch in den Häusern zum Heizen genutzt.  Steinkohle machte aus den einstigen Agrarländern Frankreich, Deutschland und Großbritannien Industrienationen.
Mit dem, in den späten 1950 Jahren einsetzenden Import billiger Kohle aus dem Ausland, und der preisgünstigen alternative Erdöl, begann der Niedergang des deutschen Steinkohlebergbaus der mit dem heutigen Tag endgültig zu Ende geht.
Für viele Menschen im Ruhrgebiet ein sehr emotionaler Moment. Viele „Kumpel“, wie die Bergarbeiter unter Tage genannt werden,  werden heute bei der letzten Schicht ein letztes Mal den Gruß „Glück auf“ aussprechen. Sie werden ihren Arbeitsplatz in mehr als 1000 Meter Tiefe für immer verlassen und dem besonderen Ehrengast, Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, symbolisch das letzte Stück Kohle überreichen.

Mit dem Gruß der Bergleute „ Glück auf“, der die Hoffnung der Bergleute vermittelt, es mögen sich Erzgänge auftun und der auch die gesunde Ausfahrt aus der Grube nach der Schicht beschreibt, möchte ich Ihnen und Ihren Familien einen schönen vierten Advent und ein frohes und hoffentlich besinnliches Weihnachtsfest wünschen.

Andreas Rosner und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Andreas Rosner ist Direktor Privatkunden der Gies und Heimburger GmbH.