Editorial der Freitags-Info vom 24.08.2018

Geposted von Bernd Heimburger am

Bei all den politischen Diskussionen, die aktuell die Medien und die Börsen beschäftigen, vor allen Dingen die Zoll-Streitigkeiten zwischen USA und China, aber auch USA-Europa, geht ein Thema noch etwas unter. Der Haushalt für 2019 in Italien steht im September an. Eine Pokerpartie mit ungewissem Ausgang.
Investoren wenden sich von Italien ab, die Risikoaufschläge von Staatsanleihen steigen. Die Regierung in Italien geht auf Konfrontationskurs zur EU.

Die Renditen für italienische 10-jährige Staatsanleihen sind diese Woche wieder auf über 3% angestiegen, obwohl die Regierung noch keine einzige Zahl vorgelegt hat. Das Defizit steigt, die Verschuldung sinkt nicht und die EU muss über neue Flexibilität nachdenken.
Mehr Wachstum durch mehr Ausgaben und damit Neuverhandlung der strengen Brüsseler Defizitregeln stehen auf der Agenda der italienischen Populisten. Die Umsetzung der teuren Wahlversprechen der neuen Regierung wie Bürgereinkommen, eine Flattax und das Zurückdrehen der Rentenreform wird so viel kosten, dass die Defizitregeln kaum eingehalten werden können. Der Rückzug ausländischer Investoren aus italienischen Staatspapieren ist eine Tatsache, die nichts Gutes ahnen lässt. Analysten haben berechnet, dass das Verharren der Rendite um 3,10 % die jährliche Zinslast innerhalb von 5 Jahren von derzeit 78 Milliarden auf 124 Milliarden steigen lässt. Dies bei einer Staatsverschuldung von 139% des BIP. Wir können nur hoffen, dass die EU-Regeln die italienische Regierung zum Einlenken bewegt, wenigstens bei einigen der Wahlversprechen.

Wir wünschen Ihnen ein schönes, etwas abgekühltes Augustwochenende.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.