Editorial der Freitags-Info vom 24.11.2017

Geposted von Bernd Heimburger am

 

Eine deutsche TESLA-Story? Diese Frage stellt man sich, wenn man in jüngster Zeit die Pressberichte über Professor E. Günther Schuh, den Gründer der e.Go Mobile AG, verfolgt.

Bekannt geworden ist der Autobauer Schuh vor einigen Jahren, als er den Elektro- Lieferwagen Streetscooter entwickelte. Inzwischen gehört die Gesellschaft der Deutschen Post AG, die den Lieferwagen in Eigenregie baut und im Zustelldienst einsetzt. Kurze Zeit, nachdem Prof. Schuh die Firma Streetscooter an die Post verkauft hatte, gründete er die e.Go Mobile AG und entwickelte sein kleines Stadtauto.

„Dass die E-Mobilität in Deutschland nicht vorankommt“, sagt Günther Schuh, „liegt nicht an der Technik, sondern an den Kosten.“ Autokäufer würden eher eine eingeschränkte Reichweite akzeptieren als einen hohen Preis. Die Kosten für das Elektroauto als Viersitzer sollen sich auf rund 16.000 Euro belaufen, abzüglich 4.000 Euro Umweltprämie. Schuhs Ansatz, der bezahlbaren Elektromobilität soll auf kürzeren Strecken wirken. Mit einer Akkuladung schafft das Stadtauto zwischen 100 und 150 Kilometer, das sei für den Alltag ausreichend. In der Stadt müssen wir emissionsfrei fahren, so seine Kernaussage. Auch ein vernünftiges Auto muss schön sein, sonst kauft es keiner.

Auf der diesjährigen Cebit wurde das 820-Kilo-Mobil vorgestellt, seither gehen pro Tag 15 bis 20 Bestellungen ein, obwohl noch keine Vertriebsstruktur besteht. Die Auslieferung des Elektroautos soll in der 2. Jahreshälfte 2018 starten, auf der Homepage der Gesellschaft kann eine Bestellung mit 1.000 Euro Anzahlung aufgegeben werden.
Interessant ist auch der Herstellungsprozess. Ohne eigene Konstrukteure nutzt Schuh die Standardprodukte großer Zulieferer wie Hella, Bosch und ZF. So hat das Unternehmen die Entwicklungskosten auf rund 30 Millionen Euro gesenkt. Die e.Go Mobile AG beschäftigt aktuell 140 Mitarbeiter und 70 Teilzeitkräfte, das Durchschnittsalter liegt bei 31  Jahren. Die Fertigung der Elektroautos soll im nächsten Jahr auf dem ehemaligen Philips-Gelände in Aachen starten, wo früher TV-Röhren hergestellt wurden. Bis 2022 soll die Produktionskapazität auf 100.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. Man darf gespannt sein!

Wir wünschen Ihnen ein schönes Spätherbst-Wochenende.

Bernd Heimburger und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.