Editorial der Freitags-Info vom 26.04.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Fusion abgeblasen

Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist vom Tisch. Die beiden größten deutschen Privatbanken kamen nach wochenlangen Verhandlungen zu dem Schluss, dass ein Zusammenschluss „keinen ausreichenden Mehrwert“ bietet, wie die Institute gestern in Frankfurt mitteilten.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der als Befürworter einer Fusion galt, erklärte, Kooperationen machten nur dann Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechneten. Die Aktien der Commerzbank gaben gestern an der Frankfurter Börse um gut 2% nach, in 5 Jahren verlor das Papier mittlerweile knapp 40%. Die Aktien der Deutschen Bank, die gleichzeitig einen überraschend hohen Gewinn für das erste Quartal veröffentlichte, verloren gestern 1%, die 5-Jahresbilanz liegt bei minus 70%.

„Es war sinnvoll, diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen. Für uns war aber von Anfang an klar: Mit einem Zusammenschluss müssten wir höhere und nachhaltigere Renditen für unsere Aktionäre erreichen und die Leistungen für unsere Kunden verbessern können“, erklärten Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Zielke, wortgleich in getrennten Mitteilungen. Zu komplex sei das Unterfangen, zu wenig Mehrwert böte es, begründete die Deutsche Bank seine Absage. Beide Häuser verkündeten das Ende der Verhandlungen und bedankten sich gegenseitig für die „vertrauensvollen Gespräche“.

 

Wie es nun weitergeht, ist offen. Beide Banken leiden unter rückläufigen Erträgen und sind im Vergleich zu anderen, vor allem ausländischen Instituten deutlich zurückgefallen. Die Absicht, gemeinsame Sache zu machen, war von Beginn an auf Widerstand getroffen – bei Großaktionären und Mitarbeitern beider Häuser. Als große Befürworten eines Deals galten Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner, Commerzbank-Chef Zielke und Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Dem Bund gehören 15% an der zweitgrößten börsennotierten deutschen Bank. Beide Banken laufen der internationalen Konkurrenz seit Jahren hinterher, wären durch eine Fusion zwar auf dem Papier deutlich größer, aber nicht unbedingt schlagkräftiger geworden.

Nun steht Branchenbeobachtern zufolge vor allem die Deutsche Bank zunächst mit leeren Händen da und muss wohl relativ schnell einen Plan B auf den Tisch legen – möglicherweise mit weiteren harten Einschnitten. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank ihre Vermögensverwaltungstochter DWS womöglich mit der entsprechenden Sparte der Schweizer Großbank UBS zusammenlegen könnte.

Die Commerzbank, fokussiert auf Privatkunden und den deutschen Mittelstand, könnte nun das Interesse einer ausländischen Großbank auf sich ziehen – unter anderem hat Insidern zufolge die italienische Großbank Unicredit ein Auge auf das Institut geworfen. Auch die niederländische ING-Bank gilt als Interessent.

Wir beobachten das Geschehen eher von der Seitenlinie, das Umfeld für die Branche ist weiterhin herausfordernd.

Thomas Boldt und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH