Editorial der Freitags-Info vom 27.01.2017

Geposted von Bernd Heimburger am

Gender-Investments – ein neuer Trend oder ein Strohfeuer?
Anlagestrategien, bei denen in Unternehmen investiert wird, die auf der oberen Führungsebene definierte Frauenquoten erfüllen, nennt man Gender-Investments. Nach einer Studie der Schweizer Großbank Credit Suisse haben Unternehmen mit wenigstens einer Frau im oberen Management  2016 eine bessere Performance hingelegt, als Firmen ohne ein weibliches Mitglied in der Führungsetage. Dazu wurden weltweit 3.400 Unternehmen befragt. Als Research-Kriterium für die Auswahl von Aktien hat der Gender-Aspekt noch keinen Eingang gefunden.
Beim diesjährigen FONDS professionell Kongress in Mannheim diese Woche, war das Thema Gender-Investments  bei mehreren Veranstaltungen Gegenstand von Präsentationen und Diskussionen. Nur sieben Prozent der Vorstände von deutschen börsennotierten Unternehmen sind weiblich. Wenn ich das Gender-Thema als vorrangiges Kriterium bei der Aktienauswahl betrachten würde, wäre das Anlageuniversum in Deutschland extrem eingeschränkt, erläuterte die Vertreterin der Deutschen Asset Management.
Eine höhere Frauenquote ist in Deutschland inzwischen auf der Ebene der Aufsichtsräte zu beobachten. Seit dem 01.Januar 2016 verpflichtet ein Gesetz die börsennotierten Firmen, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent von Frauen besetzt werden.
Die Frage, ob Frauen einfach ein geringeres Interesse an Führungspositionen haben als Männer verneinte die Professorin für BWL an der UNI Mannheim, aber mit dem Hinweis auf wissenschaftliche Experimente, wonach in Deutschland Frauen den Wettbewerb viel stärker scheuen als Männer. Nach den Experimenten mangelt es aktuell noch an Vorbildern die selbst sehr wettbewerbsfreudig sind. Die Tennisspielerin Serena Williams stellte sich bei den Uni-Experimenten als ein solches Vorbild heraus. Die Schweizer Großbank UBS will das Know-How in diesem Bereich stärken und in Zukunft gezielter auf die speziellen Anlagebedürfnisse von Frau eingehen.

Sie sehen, Gender-Investments werden von den Experten durchaus unterschiedlich bewertet. Wie immer, wird die Zukunft zeigen, ob sich zu diesem Thema ein Trend entwickelt, oder ob es beim Strohfeuer bleibt.

Wir wünschen Ihnen ein nicht mehr so kaltes, schönes Januar-Wochenende.

Bernd Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

 

Bernd Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies und Heimburger GmbH und leitet die Niederlassung in Bad Krozingen.