Editorial der Freitags-Info vom 30.03.2018

Geposted von Hans Heimburger am

„Absturz einer Internet-Ikone“ oder „100 Milliarden Börsenwert vernichtet“ sind nur zwei Beispiele von reißerischen Presseüberschriften in dieser Woche zum Datenskandal und den Kursturbulenzen bei Facebook.

Mitte März war bekanntgeworden, dass die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica offenbar auf unerlaubten Wegen an gewisse Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern gelangt war – ohne deren Wissen oder Zustimmung. Alexander Nix, der kürzlich gefeuerte Chef von Cambridge Analytica, prahlte seit geraumer Zeit damit, dass er den US-Wahlkampf 2016 entschieden habe. Seine Firma habe unentschiedene Wähler so gezielt manipuliert, dass sie für Donald Trump gestimmt hätten. Ob die Zusammenhänge wirklich so sind wird allerdings sehr kontrovers diskutiert.

Unbestritten ist, dass Facebook das Thema Datenschutz in der Vergangenheit viel zu lax handhabte und hier offensichtlich dringender Handlungsbedarf besteht. Die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) bestätigte in ihrer Funktion als Verbraucherschutzbehörde Presseberichte über Ermittlungen zum Datenschutz bei Facebook.

37 Justizminister diverser amerikanischer Bundesstaaten stellten in einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Reihe von Fragen zum Umgang mit Nutzerdaten im Unternehmen. Der Vorsitzende vom Justizausschuss des amerikanischen Senats, Charles Grassley, sandte Zuckerberg sowie Sundar Pichai, dem Vorstandschef von Google und Jack Dorsey, Chef des Kurznachrichtendienstes Twitter eine Vorladung zu einer Anhörung. Dies belegt, dass die Ereignisse hohe Wellen schlagen und das in Amerika in der Vergangenheit nicht besonders hoch aufgehängte Thema Datenschutz nun auf der allgemeinen Agenda angekommen ist.

Vielleicht sollten wir diese Vorgänge zum Anlass nehmen, uns die gewaltige „Datenmacht“ von den genannten und einer Reihe weiterer Unternehmen, wie beispielsweise Amazon oder Apple, bewusst zu machen. Ich möchte diese Konzerne ganz und gar nicht in die „Schmuddel-Ecke“ stellen, dies liegt mir fern. Jeder einzelne sollte seinen eigenen Umgang mit persönlichen Daten, seinen „Likes“ und“ Posts“ in den sozialen Netzwerken hinterfragen. Wir alle liefern das Futter für die genannte Datenmacht, indem wir geradezu autobahnbreite Spuren in der digitalen Welt hinterlassen. Bestimmt ist es ein probates Mittel, das Tablet oder den PC einfach für gewisse Zeiten komplett auszuschalten und das Smartphone, zumindest beim Osterspaziergang, einfach zu Hause zu lassen.
Wir wünschen Ihnen ein frohes Osterfest

Ihr Hans Heimburger
und das gesamte Team der Gies & Heimburger GmbH

Hans Heimburger ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Gies & Heimburger GmbH und der CIO (Chief Investment Officer) für die 3ik-Strategiefonds.