Editorial der Freitags-Info vom 31.05.2019

Geposted von Thomas Boldt am

Chinas mächtige Waffe

Der Handelskrieg zwischen China und den USA ist längst zu einem kalten Krieg im Technologiebereich geworden. US-Präsident Donald Trump behauptet zwar, dass die USA aus dem Konflikt siegreich hervorgehen würden. Allerdings hat China ein enormes Druckmittel. China sucht intensiver nach Möglichkeiten, um die Interessen des Landes und des Netzwerkausrüsters Huawei zu schützen. Offenbar hat China einen wichtigen Hebel gefunden, wie Hu Xijin, der Herausgeber der englischsprachigen chinesischen Tageszeitung „Global Times“ zuletzt getwittert hat. Er ist seit dem Beginn des Handelskriegs mit den USA zu einem der wichtigsten Sprachrohre der Politik der Kommunistischen Partei geworden.

Seltene Erden als Druckmittel

„China denkt ernsthaft darüber nach, die Exporte von Seltenen Erden in die USA zu begrenzen“, twitterte Hu Xijin. Die USA sollten das sehr ernst nehmen, schließen hatten vor einer Woche Präsident Xi Jinping und Vizepremier Liu He eine Mine zum Abbau und der Verarbeitung von Seltenen Erden des Unternehmens JL Mag Rare-Earth in der Provinz Jingxi besichtigt. Das Parteiorgan „Volkszeitung“ schrieb: „Sagt hinterher nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.“

Für Experten war das ein klares Signal an die USA, wird doch nichts in der chinesischen Politik dem Zufall überlassen. Seltene Erden seien „eine wichtige strategische Ressource“, sagte Xi. Liu leitet auf chinesischer Seite die Verhandlungen mit den USA.

USA ist stark abhängig von Seltenen Erden aus China

Als Seltene Erden werden 17 Elemente bezeichnet, die wertvolle Eigenschaften für die Produktion von Smartphones über Leuchtmittel bis hin zu Flachbildschirmen oder Kameras haben; auch in Raketen oder Elektroautos kommen sie zum Einsatz. Seltene Erden sind für moderne Volkswirtschaften unverzichtbar. Zwar sind die Metalle nicht so selten vorhanden, wie es der Name suggeriert. Bisher entfallen mehr als 95 Prozent der weltweiten Produktionsmenge auf China. Die USA sind bei Seltenen Erden zu rund 80 Prozent von Importen aus der Volksrepublik abhängig.

Umso mehr könnten andere Förderländer wie die USA oder Australien versuchen, ihre Produktion kräftig auszuweiten. Nach der Einschätzung von Experten könnte der Ausbau der Minen und der Produktionsanlagen allerdings Jahre dauern.

Sollte daher auf kurze und mittlere Sicht keine Seltenen Erden aus China in die USA exportiert werden, würde das die US-Wirtschaft schwer schädigen, weshalb manche Experten einen möglichen Exportstopp Chinas als „Nuklearoption“ bezeichnen.

China hat zwischen 2014 und 2017 rund 80 Prozent der Seltenen Erden geliefert, die die USA importiert haben. Im Jahr 2018 ist der Wert allerdings auf 59 Prozent gesunken. Auf diese Rohstoffe hat die USA – logischerweise – keine Strafzölle verhängt.

Umso gespannter schauen Investoren auf die weiteren Nachrichten aus China, die nächsten wichtigen aus dem Bereich werden bereits im Juni kommen. Dann entscheidet China über die Förderquoten für das zweite Halbjahr. Jene für das erste lagen mit 60.000 Tonnen auf dem Vorjahresniveau. Sollte China eine deutliche Drosselung der Quoten ankündigen, würde der Handelskrieg weiter eskalieren, womit sich die Talfahrt an den Börsen weiter beschleunigen dürfte.

Thomas Boldt und das Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein sonniges Wochenende.

 

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH