Editorial der Freitags-Info vom 31.07.2020

Geposted von Thomas Boldt am

Das Zeitalter für Wasserstoff hat begonnen

Wir stehen vor einer großen Zeitenwende. Das Signal zum Aufbruch kommt dabei möglicherweise bereits im bevorstehenden November, wenn die Amerikaner einen neuen Präsidenten wählen. Der aktuelle Amtsinhaber ist bekanntlich ein großer Liebhaber der fossilen Brennstoffe. Sein denkbarer Nachfolger, der Demokrat Joe Biden hingegen hat sich den Kampf gegen den Klimawandel auf die Fahnen geschrieben und hat im Wahlkampf bereits milliardenschwere Unterstützung für alternative Konzepte wie die Elektromobilität bzw. die Brennstoffzelle angekündigt.

Im Kern ist dabei egal, wie die Amerikaner kurzfristig wählen werden. Der Trend zur Emissionsfreiheit unserer Mobilität und auch der industriellen Produktion ist unaufhaltbar. Global gehen hier etwa die Japaner mit großer Entschlossenheit voran. Ihr Plan: Bis 2050 sollen die aktuell noch recht hohen Produktionskosten für Wasserstoff um 90 % gesenkt werden. Am Ende soll Wasserstoff sogar günstiger sein als Erdgas. Dabei denken die Japaner nicht nur ökologisch. Das rohstoffarme Land möchte vor allem seine Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten reduzieren.

Aber gehen wir nochmal in die USA zurück. Dort werden im kommenden Jahr erstmals voll elektrisch angetriebene Lkws aus Serienproduktion auf die Straßen rollen. Das ist ein Quantensprung für die gesamte Branche. Bekanntlich ist Serienproduktion immer die Voraussetzung, dass sich eine Technologie oder ein neues Produkt in dieser Welt auch tatsächlich durchsetzt und dass damit auch tatsächlich Geld verdient wird.

Auch deutsche Unternehmen am Puls der Zeit  

Aber auch hierzulande sind zumindest einige Unternehmen am Puls der Zeit. So wird VW in den nächsten Wochen die ersten Modelle des voll elektrisch angetriebenen ID.3 in Europa ausliefern. Klar ist auch, dass Wolfsburg das Momentum auf dem US-Markt voll ausschöpfen wird und die Fahrzeuge der neuen Produktfamilie ID in die USA und schließlich auch nach China bringen wird.

Nun sind diese ID-Modelle keine Wasserstoff-Fahrzeuge, sondern werden aus einer Lithium-Batterie angetrieben. Aber hier müssen wir gar nicht dogmatisch denken. Der Markt ist groß genug für zwei Antriebskonzepte. Das Gemeinsame ist die Emissionsfreiheit und der Elektromotor.

Aber vielleicht müssen wir den Komplex Wasserstoff noch größer auch jenseits des Elektromotors denken. In München arbeitet nämlich gemeinsam mit dem Dieselmotorbauer Deutz ein Start-Up an der Entwicklung eines Wasserstoff-Verbrenners. Nur zur Erinnerung: Wasserstoff ist ein entzündliches und sehr energie-dichtes Gas, das bspw. Raketen antreibt. Damit können Sie ergo auch einen konventionellen Verbrennungsmotor (emissionslos) antreiben.

Wir sehen das Wasserstoff nun langsam aus der Nische heraustritt. Und dabei konzentriert sich die Entwicklung nicht nur auf einige wenige Länder. Nein, hier entsteht ein neuer Milliardenmarkt. So taxieren die Analysten allein das künftige Volumen des Wasserstoffmarktes in den USA auf rund 170 Milliarden US-Dollar. Angeblich müssen wir darauf allerdings noch knapp 30 Jahre warten. Ich prognostiziere aber jetzt schon, dass wir dieses Marktvolumen viel früher erreichen.

Mein Kollege Hans Heimburger hat in seinem Homepagebeitrag den Ausblick für 2020 der Elektromobilität vom Informationsdienstleister Bloomberg zusammengefasst und im 3ik-Wochenbericht berichten wir aus zwei Welten – wie kann das sein? Schauen Sie mal rein!

Thomas Boldt und das gesamte Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein sonniges Wochenende und bleiben Sie gesund!

 

 

 

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH