Investitions-Chancen in Japan nach Fukushima

Geposted von Walter Feil am

Wertentwicklung des Investmentfonds 4Q SmartPower

Wertentwicklung des Investmentfonds 4Q SmartPower 1.1.-24.2.2012

Fondsmanager Peter Dreide, der mit seinem Fonds 4Q-SmartPower vom 1.1. bis 24.2.2012 fast 20 % Wertzuwachs erreichte, berichtet von aussichtsreichen Investmentchancen in Japan im Bereich der Energieversorgung.

Persönliche Recherche direkt in Japan

Dreide reiste Anfang Februar 2012 persönlich nach Japan und führte Gespräche mit Vertretern des japanischen Regierungsminsiteriums für Energieversorgung METI, der Universität von Tokio, die für die Beurteilung der Stromerzeugung des Landes verantwortlich ist sowie zahlreichen Vertretern von Unternehmen der Energiewirtschaft. Dazu zählen vor Allem Unternehmen aus den Sektoren Stromerzeugung, Stromnetze, Kraftwerksbau, Solar, Batterietechnik, Transformatoren und Kondensatoren. Lesen Sie seinen Bericht und die Einschätzung der Investmentchancen hieraus:

Peter Dreide: Die Ergebnisse meiner Erkundungsreise

Das Investmenthaus Jefferies hat für mich einen auf das Thema des 4Q-SMART POWER zugeschnittenen Trip nach Japan zusammengestellt. Michael Harbisch, Managing Director von Jefferies Frankfurt, eine Dolmetscherin und ich tourten eine Woche durch Japan, um ein klareres Bild über die Energiesituation des Landes zu bekommen. In dieser Zusammenfassung möchte ich nicht auf Einzelunternehmen eingehen, sondern mich rein auf die Situation Japans nach dem schweren Reaktorunglück beschränken.

Energieministerium informiert sehr offen über die Problematik

Um die Sachlage richtig beurteilen zu können, bedarf es einen Rückblick in die Entscheidungen der japanischen Regierung. Das Treffen mit dem japanischen Energieministerium und den verantwortlichen Entscheidungsträgern für die zukünftige Ausrichtung Japans in Punkto Energieausrichtung, war ein „Augenöffner“. Dazu beigetragen hat auch die Offenheit der japanischen Verantwortlichen, das Thema und die Problematik, in der sich Japan befindet, darzustellen.

Bisher starke Ausrichtung auf Nuklearstrom

Japan litt enorm unter dem Anstieg des Ölpreises von 2000 bis 2006, als sich der Ölpreis vervielfachte. Da 95% der Rohstoffe, die Japan benötigt, importiert werden müssen, entschied sich die Regierung 2007, diese Problematik zu entschärfen und gleichzeitig die Anforderungen an den CO2-Ausstoß zu erfüllen. Japan wollte sich unabhängig machen von fossilen Brennstoffen für ihre Stromerzeugung. Daher wurde 2007 beschlossen, dass man künftig 70 bis 80% der Stromerzeugung aus Nuklearkraftwerken und 20 bis 30% aus erneuerbaren Energien gewinnen will. Damit wäre Japan energietechnisch im Strombereich CO2 neutral und bezüglich des landeseigenen Stromsystems unabhängig vom politisch instabilen Nahen Osten.

Aktuell auch in Deutschland Probleme durch Abhängigkeiten vom Gasimport

Deutschland bekommt diese Abhängigkeit vom russischen Gas jetzt zum zweiten Mal in wenigen Jahren zu spüren und löst im deutschen Energieministerium Alarmglocken aus. Die pure Angst vor Netzzusammenbrüchen (siehe Anlage der „Welt am Sonntag“ zu diesem Thema im Anhang) und den damit verbundenen Black Outs sind erschreckend präsent.

Umdenken in Japan nach dem Fukushima-Unglück

Das Unglück von Fukushima nach dem massiven Erdbeben und dem Tsunami hat bei der japanischen Regierung ein Umdenken ausgelöst. Am 31.3.2011 wurde der japanischen Bevölkerung mitgeteilt, dass Japan ein neues Konzept zur Wende in der Energieerzeugung erarbeiten wird. Dieser Plan wird der japanischen Bevölkerung im April/Mai dieses Jahres vorgestellt und zur öffentlichen Diskussion freigegeben. Im Sommer soll dann nach dieser erfolgten Diskussion das neue Gesetz zur Energieversorgung verabschiedet werden. Dieses Gesetz wird in japanischen Regierungskreisen als „Basic Energy Plan“ bezeichnet.

Abschaltung der Reaktoren führte zu akutem Energiemangel

Im derzeitigen Energiezustand besitzt Japan 54 nukleare Reaktoren mit einer Bruttogesamtleistung von 46 GW. Hiervon wurden 51 nach Fukushima (sechs davon in Fukushima) abgeschaltet. Die letzten drei gehen im April vom Netz und werden wie die anderen Reaktoren auf ihre Sicherheit hin überprüft. Diese 54 Reaktoren waren für 26% der Stromerzeugung Japans verantwortlich. Der Rest der Stromerzeugung setzt sich aus 25% Kohle, 28% LNG (Gas) und 13% Öl zusammen. Erneuerbare Energien machen insgesamt 9% aus, wobei 8% aus Hydro/Wasserkraft (Flusskraftwerke) und 1% Solar und Wind stammen. Das Abschalten der nuklearen Reaktoren hatte zur Folge, dass die japanische Bevölkerung und Industrie aus Solidarität freiwillig Stromquellen immer wieder temporär abschaltete und die Stromerzeuger immer wieder kontrollierte Black-outs durchführten, um der entstandenen Stromknappheit zu entgegnen. In einem so hoch fortgeschrittenen Industrieland wie Japan kann dies keine Dauerlösung sein.

Getrennte Stromnetze verschärfen das Versorgungsproblem

Japan besitzt auch im Gegensatz zu vielen etablierten Industrieländern Besonderheiten, die das „Entscheiden“ für die japanische Regierung zusätzlich verkompliziert. Japan besitzt zwei voneinander unabhängige Stromnetze; den oberen Teil der Insel mit 50 Hertz (die deutsche AEG lieferte im Ursprung die Generatoren 1895) und den unteren Teil mit 60 Hertz (die amerikanische General Electric lieferte im Ursprung die Generatoren 1896). Es gibt nur zwei „Converter Stations“ zwischen den beiden Netzen; eins bei Shin-Shinano und ein weiteres bei Sakuma. Die Umspannleistung beläuft sich auf 1GW Leistung zwischen den beiden Netzen und macht einen Austausch fast unmöglich. Desweiteren besitzt Japan 9 regionale Stromerzeugungsgesellschaften, die 88% des Stroms erzeugen – jeder in seinem eigenen Stromnetz.

Entlastung durch Industriekraftwerke nur vorübergehend

Die restlichen 12% liegen bei sogenannten IPPs (Independent Power Producer), vornehmlich japanische Industrieunternehmen, die sich von den 9 Stromgiganten unabhängig machen wollten und seit Jahren ihre eigene Energie erzeugen. Hier wurden nach Fukushima zusätzliche Turbinen (vornehmlich Gasturbinen) auf freien Flächen in den Industriekraftwerken installiert und die zusätzlich gewonnene Energie in das Stromnetz für die Bevölkerung eingespeist. Da die japanische Industrie aber von einer wieder ansteigenden Wirtschaftsleistung des Landes ausgeht, benötigt sie diese Energie künftig wahrscheinlich selbst und kann diese nicht mehr in das Netz einspeisen. Somit erhöht sich in den nächsten Monaten weiter die Kluft zwischen benötigter Strommenge und verfügbarer Strommenge. Es sieht nicht gut aus für Japan in diesem Sommer, der naturgemäß sehr heiß (31 Grad Durchschnittstemperatur) und feucht verläuft.

Basic Energy Plan in der Gesetzgebungsphase

Aufgrund dessen könnte der im April/Mai seitens METI vorgestellte „Basic Energy Plan“ ein Wiederaufnehmen der Atomreaktoren beinhalten. Es bleibt Japan vermutlich keine andere Wahl. Von den 54 Reaktoren werden die sechs aus Fukushima und wahrscheinlich die fünf (wovon schon zwei im Jahr 2009 abgeschaltet worden sind) aus Hamaoka nicht mehr ans Netz gehen und stillgelegt werden. Weitere vier TEPCO Reaktoren könnten abgeschaltet bleiben und die Gesamtzahl von Reaktoren auf 41 reduzieren. Der dadurch entstandene Rückgang in der produzierten Leistung sollte über die Erhöhung der Stromerzeugung aus LNG (Gasturbinen) und erneuerbaren Energien abgefangen werden können.

Erneuerbare Energien im Fokus

In Bezug auf erneuerbare Energien sollte der Hauptfokus auf Solar liegen und hier hauptsächlich auf „Rooftop Installations“, also analog dem deutschen System. Aufgrund der vorhandenen Landknappheit sind riesige Solarparks vermutlich weniger vorgesehen. Solar birgt grundsätzlich immer das Problem, dass es keine Energiequelle ist, die eine „Baseload“, also „Grundlast“ für das Stromnetz erzeugt, sondern in der Menge der produzierten Energie erheblich schwanken kann. Windkraft geht, wenn überhaupt, Onshore nur im Norden Japans und hierzu müssten erst neue umfangreiche Stromnetze gebaut werden. Offshore Wind wie in der Nordsee ist aufgrund der Küstenbeschaffenheit in Japan nicht möglich, da die Küsten sehr schnell steil abfallen. Die diskutierte „Floating Wind Turbine“ Lösung ist sehr teuer und bedarf Diskussionen mit den japanischen Fischern was die mögliche Nutzung in die zeitliche Ferne rücken lässt. Zusätzliche Stromerzeugung durch Hydro (Wasserkraft) ist in Japan schon fast allen Flussläufen vorhanden und birgt kaum mehr Potential. Japan besitzt jedoch über enorme Möglichkeiten in der Energieerzeugung durch Geothermie. Jedoch sitzen die Vorkommen fast ausschließlich in den Nationalparks Japans. Ein „Antasten“ dieser Nationalparks kann, wenn überhaupt, nur nach jahrelangen Diskussionen erfolgen, da die japanische Bevölkerung sehr an ihren Nationalparks hängt.

Solar und Windkraft bieten keine kalkulierbare Grundlastfähigkeit

Die oben genannten Probleme und deren Komplexität zeigen auf, wie schwer die Umsetzung eines neuen Energiemix ohne Nuklearenergie in einem hochindustriellen Land ist. Erneuerbare Energien haben zwei enorme Vorteile: Sie benötigen keine fossilen Brennstoffe (was gut ist für ein rohstoffabhängiges Land wie Japan) und reduzieren gleichzeitig den CO2-Ausstoß eines Landes. Aber gleichzeitig liegen grundlegende Probleme in der nicht vorhandenen Grundlastfähigkeit von Solar und Wind, ganz zu schweigen von topographischen Problemen und der riesigen Aufwendungen in die Netzinfrastruktur, um eine Einspeisung zu ermöglichen.

Veraltete Stromnetze mit Erneuerungsbedarf

Japan besitzt, wie JEDES westliche industrielle Land, ein veraltetes Stromnetz mit alten Kraftwerken. Zusätzlich verfügt Japan über ein einmaliges Problem zweier Stromnetze mit verschiedener Netzfrequenz. Darüber hinaus hat Japan, wie auch die USA, regionale eigene, unabhängige Stromnetze, die eine „Smart Grid“-Lösung momentan nicht zulassen. Die Möglichkeit, durch ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) ein Strommanagement für ganz Japan zu erstellen, bedarf einer kompletten Neustrukturierung des Stromnetzes.

Voraussetzung für neuen Energiemix ist ein intelligentes Stromnetz

Der japanische Staat verfügt zwar über eine hohe Staatsverschuldung, die aber über doppelt so hohe Ersparnisse der japanischen Bevölkerung abgedeckt ist. Gleichzeitig verfügen die japanischen Unternehmen im Gesamten über sehr gute Bilanzen, meistens mit Net Cash versehen. Daher stellt eine Finanzierung solch einer neuen Netz- und Energiestruktur des Landes kein grundlegendes Problem dar. Es bedarf jedoch Zeit, in der dann die bestehenden Nuklearkraftwerke sukzessive abgeschaltet werden und parallel hierzu ein Mix an neuen hocheffizienten Gaskraftwerken, Solarenergie, Windkraft, Geothermie sowie energieeinsparenden Lösungen wie neue Haushaltsgeräte und LED aufgebaut werden kann. Grundlage hierfür sind aber zuerst intelligente Stromnetze, die den tatsächlich benötigten Verbrauch über „Smart Meter“ bei allen Verbrauchern messen können. Hierzu wird Japan wohl, analog zu der EU, ein Gesetz zur vorgeschriebenen Installation von Smart Metern verabschieden.

40 Jahre alte Installationen vor dem Ende ihrer Lebensdauer

Die veraltete Netzinfrastruktur in Japan entspricht dem amerikanischen Niveau und unterliegt einem massiven Ersatz-/Austauschbedarf. Wie auch in den USA, wurde der Hauptteil der Transformatoren und anderer Stromnetzteile vor 30/40 Jahren eingebaut. Da die Lebensdauer/die Funktionsfähigkeit bei 30 bis 40 Jahren liegt, muss auch das japanische Netz analog aller westlichen Industrieländer ausgetauscht werden.

Hervorragende Investment-Chancen in diesem speziellen Bereich

FAZIT: Der Gesetzentwurf für die neue Energieausrichtung Japans wird im April/Mai bekannt gegeben. Wir gehen nach den intensiven Gesprächen mit der Regierung und mit Fachleuten in Japan davon aus, dass die oben beschriebene Vorgehensweise auf der Nuklearseite und dem Aufbau des neuen Energiemix eine hohe Wahrscheinlichkeit hat. Sicher ist jedoch, dass das japanische Stromnetz eine außergewöhnlich hohe Inflexibilität besitzt und gleichzeitig in einen erhöhten Ersatzbedarf-Zyklus eintaucht.

Elektroindustrie und Turbinenherstellen profitieren besonders stark

Hiervon sollten die Unternehmen aus dieser Branche massiv profitieren, hauptsächlich Inlandsunternehmen der Elektroindustrie und gezielte ausländische Anbieter. Auf der Stromerzeugungsseite werden japanische LNG (Gasanbieter) und Turbinenhersteller weltweit profitieren. Strom-Back-up-Lösungen werden diesen Sommer verstärkt in den Vordergrund treten wie auch industrielle Batteriespeicherlösungen.

4Q-SmartPower fokussiert auf die strategisch wichtigsten Regionen

Wir haben diese japanischen Unternehmen, die von einem Umbau Japans auf der Energieseite profitieren werden, in das Portfolio des 4Q-SMART POWER aufgenommen. Wir sehen eine strategische Ausrichtung auf die drei Regionen mit dem höchsten Umbau- und Erneuerungsbedarfs als grundlegend an. Diese beinhalten die USA (30-40% Gewichtung im Portfolio), Europa (ebenfalls 30-40%) und Japan (20-30% Gewichtung).

Alles Gute
Peter Dreide
TBF Global Asset Management

Hinweis: Der “4Q-SmartPower” ist eine der größten Positionen in dem vermögensverwaltenden Fonds 3ik-Strategiefonds III

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.