Konjunkturentwicklung unterschiedlich und weltweit gesamt positiv

Geposted von Walter Feil am

Seit dem Aufflackern der Schuldenkrise in den Euro-Ländern werden wir Tag für Tag mit Meldungen über Schulden von europäischen Staaten und deren Banken bombardiert. Manchmal fokussiert dies den Blick zu eng. Die Weltwirtschaft besteht nicht nur aus Griechenland und spanischen Banken!

Wirtschaftswachstum weltweit weiterhin positiv

Das Wirtschaftswachstum in anderen Wirtschaftsregionen bleibt unbeeindruckt von der andauernden Diskussion über eine europäische Schuldenkrise auch 2012 und 2013 bei deutlich über 5 %. Die Weltbank veröffentlichte vor kurzem ihre Einschätzung über die Entwicklung der wesentlichsten Wirtschaftsregionen der Welt wie folgt:

Prognose zum Wachstum des BIP 2012 und 2013 nach Weltregionen

Für das Gesamtjahr 2012 erwartet die Weltbank ein Wirtschaftswachstum von 2,5 %, für das Jahr 2013 noch etwas mehr, nämlich 3,10 %. Dies resultiert daraus, dass die Wirtschaftsregionen Asien (mit China an der Spitze), Ostasien/Pazifik und Afrika einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum leisten und damit den Rückstand des Euroraums ausgleichen.

 

Schwellen- und Entwicklungsländer leisten den größten Beitrag

Die Industriestaaten erlitten von 2010 auf 2011 einen starken Rückgang ihres Wachstums. 2012 wird sich dies noch etwas verschärfen. Erst 2013 wird für diesen Wirtschaftsraum wieder eine Zunahme des BIP erwartet.

Vor allem die Länder, die mit der europäischen Gemeinschaftswährung verbunden sind, erlitten 2012 einen deutlichen Konjunkturrückgang. Der IMF (International Monetary Fund – Internationaler Währungsfonds) erwartet jedoch für 2013 bereits wieder eine deutliche Erholung.

Die Schwellen- und Entwicklungsländer liegen unbeeindruckt von den Problemen in Europa weiterhin stabil über 5 %. Besondes auffällig sind die Angaben zur Nordafrika: Hier wächst die Wirtschaft sogar in 2012, und in der der Sub-Sahara-Region bleibt die Wirtschaftsentwicklung von 2010 bis 2013 gemäß der IMF-Prognose stabil über 5 %.

Veränderung des realen BIP nach Weltregionen 2010 bis 2013 - IMF

Die Euro-Länder schwächeln 2012 und leisten keinen Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft. Die Schwellen- und Entwicklungsländer in Asien, Lateinamerika und Afrika prosperieren weiter und ziehen damit den Welt-Durchschnitt wieder in den positiven Bereich.

 

Im Ländervergleich gewinnt China

Auf die einzelnen Länder heruntergebrochen steht China erneut an der Spitze der Wachstumsliga, und dies auch für 2012 und 2013 (Prognosewerte). Eine positive Entwicklung in China ist nicht nur für die dortige Wirtschaft bedeutend, sondern zunehmend auch für die Exportnationen Europas, allen voran Deutschland.

 

Veränderung des realen BIP nach einzelnen Ländern 2010 bis 2013 - IMF

In der Länder-Betrachtung führt weiterhin China mit dem höchsten Wirtschaftswachstum. Auch der erwartete Rückgang nach dem Boomjahr 2010 lässt das BIP-Wachstum nicht unter 7,5 % abfallen. Für 2013 erwartet der IMF bereits wieder einen leichten Anstieg. Auch für Brasilien erwartet der IMF in 2013 wieder einen Anstieg. Indien bleibt stabil bei etwa 7,5 %.

Der berühmte Blick über den Zaun hilft, die aktuellen Chancen zu erkennen

Die Nachrichten am Sonntag vormittag (10.6.) stellten die Flugbahn eines Balles, der von einem jungen Mann per Kopfstoss durch einen Holzrahmen mit einer lichten Öffnung von 7,32 m x 2,44 m Größe befördert wurde, als das wichtigste Ereignis an die erste Stelle. Neben anderen Meldungen folgte dann auch der Hinweis, dass die Gemeinschaft der Euro-Staaten 100 Milliarden Euro bereitgestellt haben, um die drohende Insolvenz spanischer Banken zu beheben.

Kommentar.
Lassen wir uns durch die Präsenz von Meldungen und Kommentaren nicht zu sehr den Blick vernebeln: Die Welt besteht nicht nur aus Fussball, auch nicht nur aus spanischen Banken und nicht einmal nur aus Defiziten europäischer Staaten. In zahlreichen Regionen dieser Welt entwickelt sich die Wirtschaft – unbeeindruckt von der Frage, welche Männergruppe als Sieger von einem Fußballplatz geht, unbeeindruckt von der Frage, ob spanische Banken solvent sind oder nicht und relativ unbeeindruckt von den Defiziten europäischer Staaten weiter. Solange die Anleger dieser Welt allerdings in Angst und Schockstarre verharren, sind Aktien rund um den Globus günstig zu haben. Das sind die Chancen, aus dieser Situation einen Nutzen zu ziehen.

 

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.