Mittlerer Osten: Die Golf-Staaten stellen sich auf niedrige Ölpreise ein

Geposted von Walter Feil am

Die niedrigen Ölpreise führen bei den ölproduzierenden Ländern zu einem deutlichen Rückgang der Einnahmen. Einige Länder, allen voran Venezuela und Russland, leiden sehr unter dem Einnahmenrückgang. Die Golf-Staaten kommen dank ihrer gigantischen Finanzreserven auch mit niedrigeren Einnahmen gut zurecht.

Saudi Arabien: nur leichte Wachstumsabschwächung

Das Wirtschaftswachstum in Saudi Arabien ging im Oktober nur geringfügig auf 3,6 % zurück, von zuvor 3,8 % im dritten Quartal 2014.

Leicht rückläufiges Wachstum in Saudi Arabien

Leicht rückläufiges Wachstum in Saudi Arabien

Bei einem Ölpreis von 65 USDpb wird Saudi Arabien wahrscheinlich ein Zahlungsbilanzdefizit und auch ein inländisches Haushaltsdefizit ausweisen. Die Finanzmärkte stellen sich auf einen leichten Rückgang der Währung ein. Das Haushaltsdefizit kann allerdings leicht durch Ausgabe von Anleihen oder durch Zurückfahren der eigenen Sparleistungen finanziert werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Wachstum wegen niedriger Ölpreise deutlich zurückgeht.

Vereinigte Arabische Emirate: ausgeglichener Haushalt trotz niedriger Ölpreise

Die Mitglieder der Vereinigten Arabischen Emirate benötigen unterschiedlich hohe Ölpreise, um ihren Haushalt auszugleichen. Qatar und Kuweit kommen auch noch mit 65 USDpb klar, die weiteren Staaten müssen auf Reserven zugreifen.

Die UAE - Staaten können ihre Haushalte auch bei niedrigeren Ölpreisen ausgleichen

Die UAE – Staaten können ihre Haushalte auch bei niedrigeren Ölpreisen ausgleichen

In Dubai verlor allerdings der Immobilienmarkt etwas an Fahrt. Die Immobilienpreise gingen zurück. Die Börsenkurse, die maßgeblich von den großen Projektentwicklern beeinflusst werden, gingen ebenfalls zurück.

Kuweit: Finanzreserven reichen für viele Jahre

In Kuweit verlangsamte sich die Wirtschaft. Die Immobilienpreise und auch die Börsenkurse gingen zurück. Die Finanzreserven des Landes reichen allerdings aus, um ein Haushaltsdefizit einige Jahre lang auszugleichen.

Qatar: Wachstumsrückgang, aber hohe Finanzreserven

Qatar war mit 5,9 % Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft am Golf. Das Wachstumstempo geht derzeit etwas zurück. Bei einem Ölpreis von USD65pb wir Quatar ein kleines Haushaltsdefizit hinnehmen müssen. Die Finanzreserven sind jedoch sehr hoch. Auch das Investmentprogramm der Regierung wird kaum beeinträchtigt.

Oman und Bahrein: Haushaltskürzungen wahrscheinlich

Oman braucht für einen ausgeglichenen Haushalt einen Ölpreis von ca. 90 USDpb. Hier sind Kürzungen der Staatsausgaben zu erwarten. Bahrein braucht zum Haushaltsausgleich ca. 120 USD pb. Damit ist dieses Land von dem derzeit niedrigen Erlösen aus dem Ölverkauf am meisten betroffen. Auch hier sind Haushaltskürzungen zu erwarten.

Ägypten: Auf Erholungskurs

In Ägypten steigt die Industrieproduktion wieder steil an, der Tourismus nimmt wieder zu und das Wirtschaftswachstum beschleunigt scharf auf über sechs Prozent Wachstumsrate. Die Inflation geht zurück. Insgesamt scheint das Land auf einem sehr positiven Weg zu sein. Die ägyptische Börse spiegelt dies mit einem Kursanstieg von um die fünfzig Prozent seit Jahresbeginn wieder, allerdings mit sehr hoher Volatilität.

Libanon und Jordanien: die Kriegsregionen belasten

Die Wirtschaft im Libanon und in Jordanien leiden sehr unter den Belastungen, die von den Kriegsregionen Syrien und Iraq ausgehen. Die Exporte in diese Regionen sind zurückgegangen, der Tourismus liegt am Boden. Beide Länder sind Netto-Ölimporteure und profitieren etwas von den niedrigen Ölpreisen. Das Handelsbilanzdefizit ist allerdings immer noch hoch, zuletzt (2013) bei ca. zehn Prozent in Jordanien und über zwölf Prozent im Libanon.

Fazit:
Das Wachstum in den ölproduzierenden Länder der Golfregion verlangsamt sich. Damit liegen die großen Chancen dieser Börsen jetzt hinter uns. Ein Zusammenbruch der Staaten ist jedoch nicht zu erwarten, da alle diese Staaten in den Jahren der hohen Exportüberschüsse hohe Reserven aufgebaut haben, von denen sie jetzt zehren können.

Alle Grafiken: CE, London

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.