Niedriger Ölpreis verändert die globalen Leistungsbilanzen der Ölimporteure

Geposted von Walter Feil am

Der Rückgang des Ölpreises auf mittlerweile USD 60 pro Fass beeinflusst die Leistungsbilanzen der Staaten rings um den Globus. Staaten mit einem hohen Netto-Ölimport entlasten ihre Leistungsbilanz am meisten. Andere Staaten mit einem hohen Netto-Ölexport werden eine Verschlechterung ihrer Leistungsbilanz hinnehmen müssen.

Die Grafik zeigt, wie sich der in USD berechnete Wert der Netto-Ölimporte bzw. -Exporte von 2013 (blaue Säulen) bis 2015 (schwarze Säulen) bei einem angenommenen Ölpreis von 60 USD pb bis 2015 verändert. Die USA und China profitieren, Saudi-Arabien und Russland verlieren am meisten, ausgedrückt in Prozent vom weltweiten GDP (Bruttosozialprodukt)

Die USA und China als die größten Netto-Ölimporteure profitieren von einem niedrigen Ölpreis.

Die USA und China als die größten Netto-Ölimporteure profitieren von einem niedrigen Ölpreis.

Eurozone und China mit dem größten Handelsbilanzüberschuss in 2015 und 2016

Von 2000 bis 2008 wiesen die USA und UK gemeinsam (hellblaue Säulen) Jahr für Jahr ein großes Handelsbilanzdefizit aus. Die Golfstaaten (hellgraue Säulen) dagegen erzielten Handelsbilanzüberschüsse, was zum größten Teil auf deren Ölexporte zurückzuführen war. Auch China (dunkelblaue Säulen) erzielte Überschüsse, allerdings aus anderen Gründen.

Für 2015 und 2016 erwartet der IMF für die Golfstaaten ein Handelsbilanzdefizit. Die Eurozone (dunkelgraue Säulen) dagegen wird einen Handelsbilanzüberschuss in der Größenordnung von etwa einem halben Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes erzielen und damit genauso hohe Überschüsse erwirtschaften wie China. Die USA und UK zusammen liegen immer noch im Defizit, allerdings geringer als in früheren Jahren.

Veränderungen der Zahlungsbilanzen von 2000 bis 2016 gemäß IMF-Prognose

Veränderungen der Zahlungsbilanzen von 2000 bis 2016 gemäß IMF-Prognose

Handelsbilanzüberschuss der Eurozone erschwert die Arbeit der EZB

Die EZB will die derzeit unterdurchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone wieder an die gewünschten zwei Prozent jährlich heranführen. Die zu erwartende Ausweitung des Handelsbilanzüberschusses in der Eurozone steht dem Ziel der EZB, eine Abwertung des Euro gegen andere Währungen zu erreichen, entgegen.

Die Ausweitung der Handelsbilanzüberschüsse in der Eurozone und in China bedeutet für den Rest der Welt ein Handelsbilanzdefizit in gleicher Größe. Dies wird die Regierungen anderer Staaten veranlassen, zusätzliche Maßnahmen zur Steigerung der weltweiten Nachfrage zu fordern.

Fazit:
Der Rückgang des Ölpreises auf nunmehr ca. 60 USD / pb verändert die Landkarte für Investoren. Regionen, die vor dem Ölpreisrückgang hohe Kurszuwächse erlebten, fallen zurück. In anderen Regionen haben sich die Chancen auf ertragreiche Investments verbessert. Die Ölpreisentwicklung hat im Einzelfall Auswirkungen bis auf kleine Wirtschaftsräume: die in den USA die letzten Jahre boomenden Städte und Regionen, in denen sich die Fracking-Industrie konzentrierte, berichten von einem dramatischen Rückgang der Anzahl neuer Bohrungen und von einem Arbeitsplatzabbau. – Wir haben noch einige Arbeit vor uns, die Landkarte für Investments neu zu zeichnen.

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.