Stiftungsvermögen sicher und rentabel anlegen

Geposted von Walter Feil am

Stiftungsvermögen ist grundsätzlich so anzulegen, dass die Vermögenssubstanz der Stiftung erhalten bleibt. Dieser Grundsatz hat zur Folge, dass  die Vermögenswerte von Stiftungen heute zu einem großen Teil in Staatsanleihen und anderen als sicher angesehenen Vermögensanlagen liegt.

Die Konzentration auf „sichere“ Anleihen hat sich über einen langen Zeitraum auch bewährt, wie die Wertentwicklung von deutschen Staatsanleihen beweist. Die dreißigjährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland vom 4.1.1994 beispielsweise notierte am 15.3.2012 41 % über dem Nennwert. Dies bedeutet, dass seit dem Ausgabetag nicht nur ein Coupon von 6,25 % bezahlt wurde, sondern zusätzlich noch ein Kursgewinn von über 40 % entstand.

Bisherige Anlagestrategien werden zu Verlusten führen

Ein undifferenziertes Festhalten an den bisher erfolgreichen Anlagestrategien birgt jedoch die Gefahr, zukünftig Verluste einzufahren. Diese Verluste sind vorhersehbar und können im Einzelfall erheblich ausfallen. Die benannte dreißigjährige Anleihe rentiert ab heute unter Berücksichtigung des aktuellen Kurses nur noch mit knapp über 2 %. Jeder erfahrene Anleger weiß ganz genau, welche Kursverluste entstehen werden, wenn das allgemeine Zinsniveau deutscher Anleihen wieder steigt. Von heute aus in die Zukunft betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit von steigenden Zinsen deutlich größer als die Chance auf noch weiter fallende Zinsen. Ein Festhalten an einer Anleihen-orientierten Anlagestrategie führt damit zu vorhersehbaren Verlusten.

Traditionelles Verfahren führt zu Konflikten beim Asset-Management

Traditionell stand bei der Auswahl von Vermögensanlagen bei Stiftungen stets die Frage im Vordergrund, ob die Positionen auch die Anforderungen erfüllen, die an eine mündelsichere Geldanlage gestellt werden. Als „mündelsicher“ gelten Vermögensanlagen, bei denen Wertverluste der Anlage praktisch ausgeschlossen sind. Laut den Erläuterungen in Wikipedia muss die Anlage dabei in festverzinslichen deutschen Staatsanleihen oder einer anderen Anlageform erfolgen, die vom Gesetzgeber ausdrücklich für mündelsicher erklärt worden ist.

Diese Vorgabe führt mit Blick auf die aktuelle Zinsentwicklung zu schwerwiegenden Zielkonflikten: Soll für die zukünftige Asset-Allokation an der vom Gesetzgeber vorgegebenen und bisher bewährten Aufteilung der Vermögenswerte festgehalten werden oder muss eine – vielleicht sogar radikale – Umschichtung erfolgen, um vorhersehbare Verluste zu vermeiden?

Das heutige Stiftungsrecht öffnet den Weg zu Alternativen

Dr. Klaus Olbing und Dr. Jörg Alvermann wiesen in ihrem Praktiker-Seminar (Verlag Dr. Otto Schmidt: Stiftung in der aktuellen Beratungspraxis) schon im Frühjahr 2010 darauf hin, dass sich auch das Stiftungsrecht weiterentwickelt hat. Für die Anlage von Stiftungsvermögen gilt nicht nur das Gebot der sicheren, sondern auch das Gebot der wirtschaftlichen Vermögensverwaltung. Eine ausschließlich „mündelsichere Anlage“ (wie traditionell definiert) ist nicht mehr vorgeschrieben.

Weiterhin weisen die Autoren darauf hin, dass die Stiftungsaufsicht der Länder es bereits im Jahr 2010 überwiegend als zulässig erachteten, eine Aufteilung der Vermögenswerte in Aktien, Wertpapiere und Immobilien vorzunehmen. Eine Aktienanlage bis zu 30 % des Vermögens wird dabei „weit überwiegend“ akzeptiert.

Stiftungsvermögen wirtschaftlich sinnvoll anlegen

Für die kommenden Jahre müssen die Schwerpunkte bei der Anlage von Stiftungsvermögen neu gesetzt werden. Aufgrund der extremen Verwerfungen an den Kapitalmärkten können deutsche Staatsanleihen nicht mehr als Anlagen, „bei denen Verluste praktisch ausgeschlossen sind“, betrachtet werden. Ein Zinsniveau von um die 2 % gleicht die Inflationsrate nicht mehr aus, und ein Verkauf vor der Endfälligkeit birgt das Risiko von Kursverlusten.

Andere Assetklassen profitieren allerdings von dieser Entwicklung und bieten heute weit überdurchschnittliche Chancen auf Vermögenserhalt und zusätzlich guten Ertrag. Hierzu zählen zum Beispiel:

Zinshäuser mit Mietrenditen über 7 %

Auch nach den Preissteigerungen der letzten Monate gibt es immer noch Gelegenheiten, Zinshäuser mit einem Mietertrag über 7 % (also mit maximal Faktor 14) zu erwerben. Diese Investitionen können jetzt gerade durch Nutzung des niedrigen Zinsniveaus mit Zinssätzen deutlich unter der Eigenrendite des Investments finanziert werden. Dies eröffnet – falls dies gewünscht wird - eine zusätzliche Ertrags-Chance.

Alternativ können Investments in diesem speziellen Markt auch breit streuende Fonds allokiert werden. Damit kauft der Stiftungsvorstand sich nicht nur in diesen Markt ein. Er erhält darüber hinaus noch einen umfassendes Immobilien-Management dazu, so dass sein eigener Verwaltungsaufwand für diesen Teil seiner Allokation nicht höher liegt als für ein reines Depot-Investment.

Als reiner Sachwert bieten diese Investments langfristig einen soliden Inflationsausgleich. Besonders wertstabil erscheinen Immobilien mit marktgängigen Wohnungsgrößen entsprechend der Erfahrung, dass solche Zinshäuser auch in Krisenzeiten keinen Leerstand erwarten lassen. („Gewohnt wird immer!“)

Breit gestreutes Portfolio von Dividenden-Aktien

Weltweit gibt es hunderte von jahrzehntelang erfolgreichen und global aufgestellten Unternehmen. Ein breit gestreutes Portfolio von Aktien dieser Unternehmen lässt mittel- und langfristig einen soliden Inflationsschutz erwarten und während der Haltedauer eine Dividende deutlich über dem Zinsertrag von Staatsanleihen.

Anleihen von Unternehmen bester Bonität

Die Anleihen von Weltunternehmen bester Bonität erscheinen heute häufig sicherer als die Anleihen von Staaten, die ihre Gesamtverschuldung von Jahr zu Jahr immer höher treiben. Der nächste Zinserhöhungs-Zyklus wird auch Staaten, die heute noch nicht als Problem-Schuldner gelten, in schnell wachsende Schwierigkeiten bringen. Unternehmen bester Bonität wirtschaften in aller Regel vorausschauender und erscheinen deswegen mit Blick auf ihren künftigen Kapitaldienst solider. Damit lassen breit gestreute Investments in solche Anleihen zunächst einen guten Zinsertrag und darüber hinaus eine angemessene Sicherheit erwarten.

Vermögenswerte strategisch gemäß dem jeweiligen Risikobudget aufteilen

Neben den grundsätzlichen Fragen bezüglich der Sicherheit und der Rendite der Vermögensanlagen wird auch ein Stiftungsvermögen strategisch sinnvoll gemäß der jeweiligen Anlagedauer allokiert. Hilfreich könnte hier die Aufteilung in mehrere Anlagestrategien sein, die jeweils gemäß einem genau definierten Risikobudget verwaltet werden.

Eine Vertiefung des Gedankens, ein Gesamtvermögen in unterschiedlich zu behandelnde Teilvermögen aufzuteilen und diese mit unterschiedlicher Zielstellung bezüglich Rendite und Risiko zu verwalten, finden Sie auf der Website www.3ik.info.

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.