Templeton betont die langfristige Überzeugung bei der Auswahl von Vermögensanlagen

Geposted von Walter Feil am

Dr. Michael Hasenstab, Senior Vice President und Portfoliomanager der Franklin Templeton Fixed Income Group, wies in seiner vierteljährlichen Telefonkonferenz nachdrücklich darauf hin, dass es in der heutigen Investmentwelt keine “risikofreien” Anlagen mehr gibt. Anleger sollten sich in diesem Umfeld darauf konzentrieren, Anlagen zu wählen, die Werterhalt und langfristiges Wachstum erwarten lassen.

Langfristige Überzeugungen sind wichtiger als die täglichen Richtungswechsel der Märkte

Die kurzfristige Betrachtung der Entwicklung führt häufig zu panikartigen Reaktionen. Viel wichtiger als die kurzfristigen Marktschwankungen ist die langfristig zu erwartende Entwicklung der einzelnen Märkte.

Als langfristige Entwicklung sieht Dr. Hasenstab unter anderem folgendes Szenario:

  1. Die Eurozone bleibt erhalten und wird nicht aufgespalten.
    Die EZB wird als “Lender of last Resort” auf den Plan treten und dazu beitragen, dass die Eurozone nicht auseinanderbricht. Sie wird auch einen Zahlungsausfall von Spanien und Italien vermeiden.
  2. Die chinesische Wirtschaft wird die gegenwärtige Wachstumsverlangsamung ohne harte Landung überstehen.
    Langfristig zählt die langfristige Dynamik des Landes. In den nächsten zehn Jahren wird die Entwicklung von einem Land mit mittlerem Einkommen zu einem einkommenstarken Land führen. Für die Zukunft ist die Qualität des Wachstums wichtiger als die absolute Höhe des Wachstums, das in in den letzten Jahren häufig zweistellig war. (… wenn das Wachstum in China von 12 % auf 8 % zurückgeht, betrachtet die Welt dies als ein ein großes Problem. Wie hoch ist das Wachstum in der Eurozone?) - China hat im Gegensatz zu den etablierten Industrieländern wie den USA, Japan und den Ländern der Eurozone kein überbordendes Schuldenproblem, sondern im Gegenteil die höchsten Devisenreserven aller Länder weltweit.
  3. Die Emerging Markets, wozu vor allem die Märkte in Osteuropa, Lateinamerika, Südamerika und Asien zählen, normalisieren und erholen sich wieder.
    Das Wachstum in diesen Ländern ist höher und insgesamt deutlich gesünder als in den Industrienationen. Die Unternehmen leiden nicht unter einer Kreditklemme und können wachsen. Die Zinsmärkte in den Schwellenländern erlebten in den letzten Monaten deutliche Zinssenkungen und damit Kursgewinne bei länger laufenden Anleihen. Hasenstab erwartet, dass die Lockerung der Zinspolitik in einigen dieser Länder in den nächsten 12 – 18 Monaten wieder rückgängig gemacht werden könnte.
  4. Fundamentale Risiken nehmen zu und übertreffen das Marktrisiko von volatilen Märkten
    Das fundamentale Risiko eines permanenten Verlustes wie zum Beispiel der Zahlungsausfall bei einer Anleihe (siehe Griechenland mit dem jüngst erlebten ”freiwilligen” Forderungsverzicht privater Gläubiger) nimmt zu. Anleger sollten lernen, das allgemeine Marktrisiko in Zusammenhang mit volatilen Preisen von Vermögenswerten nicht überzubewerten. Was zählt, ist die langfristige Entwicklung, bei der Volatilität (= Schwankung der Wertentwicklung um den Mittelwert) nicht die wesentliche Rolle spielt.
  5. Die Volatilität der Märkte bleibt weiterhin hoch.
    Wir werden weiterhin hohe kurzfristige Schwankungen erleben.
  6. Es gibt keine “risikofreien” Anlagen mehr.
    Die kurzfristigen Zinsen für Anlagen in Ländern, die als “sichere Häfen” gelten, liegen unterhalb der Inflationsrate. Damit ist kein realer Werterhalt des Anlagekapitals möglich. Darüber vor dem Hintergrund der fortlaufend steigenden Verschuldung dieser Länder einschließlich massivem Gebrauch der Gelddruckmaschienen zweifelhaft, ob diese Länderanleihen langfristig tatsächlich so “sicher” sind wie erhofft. Dies führt dazu, dass selbst zum reinen Werterhalt des Anlagekapitals bereits “Risiken” – insbesonder in Form von Volatilität (Wertschwankungen) - eingegangen werden müssen.

 

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.