Weltbild – Update per April 2014

Geposted von Walter Feil am

Die Welt ist voller Chancen für gute Investments. Wir müssen Sie nur lokalisieren.

Unter diesem Motto liefern wir Ihnen seit Januar 2013 zu jedem Quartalsbeginn ein Update über unser „Bild von dieser Welt“ und die Schlussfolgerungen, die wir daraus ziehen. Ab April 2014 erhalten Sie dieses „Weltbild“ über die Homepage. Sie können damit jederzeit und von überall auf diese Information zugreifen – und Sie erhalten die Updates schneller als über den Postweg.

Themen, die wir in unserem „Weltbild“ aufgreifen, sind unter anderem:

  • Wie entwickelt sich die Konjunktur in den verschiedenen Regionen dieser Welt?
  • Wo entwickeln sich neue Chancen, die wir für Investments nutzen können?
  • Wo bauen sich Risiken auf, die uns zu einem Abbau bestehender Investments veranlassen oder zu einer nur vorübergehenden Absicherung?

 

Die Chancen für ertragreiche Investments hängen nicht nur an der Entwicklung der Konjunktur. Weitere Fragenkomplexe, mit denen wir uns jede Woche erneut befassen, sind zum Beispiel:

  • Wie viel einer positiven Erwartung und Entwicklung ist bereits in den aktuellen Kursen eingepreist?
  • Wo gibt es Regionen, Länder oder Branchen mit einer übertrieben tiefen Bewertung der Aktien- und Anleihekurse? Dies führt häufig zu einer „technischen Erholung“ und damit kurzfristig zu einer besonderen Chance. 
  • Wohin bewegt sich das Kapital der Investoren? Daraus bilden sich Trends, die dazu führen, dass Investments in bestimmten Regionen besonders stark gesucht werden. Vor einigen Jahren waren es die „BRIC“- Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China), die – auch veranlasst durch eine geschickte PR unter Führung von Jim O’Neill, seinerzeit Chefvolkswirt bei Goldman Sachs – einen mehrjährigen Hype erlebten. Heute sind es wieder mehr die Industrieländer, die das Investmentkapital anziehen, morgen vielleicht die „Frontiers“ …

Starten wir nun unsere Reise einmal um die (Investment-) Welt.

Konjunktur global: positiver Trend

In fast allen Regionen setzt sich die Erholung der Wirtschaft fort. Das Wachstumstempo ist jedoch nicht überall gleich.

Hinweis: Eine positive Entwicklung der Konjunktur bedeutet nicht vollautomatisch steigende Aktienkurse. Die Kursentwicklung an den Börsen hängt auch sehr davon ab:

  • wie viel Liquidität den Investoren zur Verfügung steht: schränken die Notenbanken die Liquiditätsversorgung ein, kann dies zu Verkäufen der Investoren führen  und damit zu fallenden Kursen
  • wie die geopolitische Entwicklung eingeschätzt wird: politische Krisen erhöhen die Besorgnis der Investoren und beeinflussen damit auch die Kurse

Die Entwicklung der Konjunktur kann deswegen nur ein Indikator für die Einschätzung der mittel- und langfristigen Kursentwicklung sein. Kurzfristig können sich Börsenkurse auch bei einem positiven Konjunkturtrend negativ entwickeln. 

USA: verhaltener Start, gute Aussichten

Die Entwicklung der Konjunktur in den USA litt in den ersten zwei Monaten unter einem extrem kalten Winter. Schneestürme erschwerten den Transport und behinderten die Arbeitnehmer, ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Die Produktion blieb teilweise hinter den Erwartungen zurück. Der Rückstand wird jedoch aufgeholt. Für das Gesamtjahr 2014 erwarten wir eine bessere Konjunkturentwicklung als 2013. Die nach wie vor gültigen Grundlagen für die positive Entwicklung sind unter anderem:

  • sehr günstige Energiepreise durch die Versorgung mit billigem Schiefergas
  • Abbau des Schuldenstandes der privaten Haushalte
  • steigende Umsätze im Häusermarkt

Der sich verstärkende Wirtschaftsaufschwung führt zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit und zu einem wachsenden Vertrauen der Konsumenten in eine weiterhin positive Wirtschaftsentwicklung. Verbunden mit den steigenden Bewertungen von Aktien und Immobilien, was zu einem höheren Vermögensbestand der Bürger führt, steigt die Bereitschaft zu mehr Konsum – und dies wiederum schiebt die Wirtschaft in den USA noch mehr an. 

Schaubild: Das Haushalts-Netto-Vermögen steigt seit dem letzten Tiefstand in 2008 weiter an. Gleichzeitig sank der Anteil, den US-Haushalte aus Ihrem verfügbaren Einkommen für den Schuldendienst aufbringen müssen, von 13,5 % im dritten Quartal 2007 auf nur noch 10 % im ersten Quartal 2014. (Quelle: JPM)

Weltbild - Haushaltsvermögen und Schuldenstand der US-Haushalte

 

Zinsen: Die Zeit des billigen Geldes nähert sich dem Ende. Die seit 2009 herrschende Null-Zins-Politik mit einer Federal funds rate von 0,0 bis 0,25 % dürfte demnächst auslaufen. Die Volkswirte der großen Investmenthäuser diskutieren seit geraumer Zeit über den voraussichtlichen Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung.

Das Schaubild zeigt die Prognose von JPM.

Weltbild - Zinsentwicklung - Erwartung USA 2014 bis 2016

Zinserhöhungen in der erwarteten Größenordnung führen kaum zu einer Abschwächung der Konjunktur. Die Entwicklung der Aktienkurse kann dadurch trotzdem negativ beeinflusst werden, da viele Investoren ihre finanzierten Positionen (Carry-Trades) auflösen und damit als Verkäufer auftreten könnten.

Aktien: Die positive Konjunkturentwicklung ist weitgehend in den Aktienkursen enthalten. Damit ist ein großer Teil des Kurspotentials für die nächsten Monate bereits ausgeschöpft. Wir erwarten jedoch überdurchschnittliche Kursentwicklungen in einigen Teilmärkten.

Anleihen: Die Fed hat bisher auch die Entwicklung der langfristigen Zinsen beeinflusst. Durch ihr Anleihe-Kaufprogramm, mit dem die Fed einen Großteil der neu auszugebenden Anleihen absorbiert, blieben der Zinssatz für 10-Jahres-Anleihen bisher noch tief. Mit dem Auslaufen der monatlichen Anleihekäufe steigt die Tendenz zu anziehenden Zinsen. Der Zinssatz für 10-jährige US-Treasuries könnte bis Ende 2014 bei  3,25 bis 3,50 % liegen. Auch die Zinssätze für kürzer laufende Anleihen werden tendenziell steigen.

Europa: weiter im Erholungsmodus

Die Konjunktur in Europa fasst wieder Tritt. Europa: das bedeutet nicht nur Deutschland, das eindeutig die Konjunkturlokomotive für die gesamte Region ist, sondern auch die weiteren großen Kernländer Frankreich und Italien, die Länder der Peripherie wie Spanien, Portugal, Irland und auch die Länder in Mitteleuropa, die derzeit in Sorge über die möglichen politischen Entwicklungen in der Ukraine und auch in der nahen Türkei sind.

DB Research weist auf folgende Punkte hin:

  • Die Exporte steigen weiterhin und die Lagervorräte werden abgebaut
  • Das Verbrauchervertrauen und die Einzelhandelsumsätze steigen
  • Das reale BIP (Konjunkturwachstum inflationsbereinigt) steigt
  • der Ifo-Index (Gewerbliche Wirtschaft) steigt in allen drei Disziplinen (Erwartungen, Lageeinschätzung, Klima)
  • Der Einkaufsmanagerindex steigt sowohl beim verarbeitenden Gewerbe als auch bei den Dienstleistungen
  • Die Industrieproduktion nimmt zu
  • Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe nehmen zu
  • die Produktion der größten Industriebranchen nimmt zu
  • Die deutschen Warenexporte nehmen (vor allem in die USA) zu
  • Der Leitzins der EZB bleibt noch längere Zeit tief

JPM zeigt in der jüngsten Ausgabe von „Global Insights“, wie die Einkaufs-Manager die Entwicklung beurteilen und wie sich das Geschäftsklima fortlaufend verbessert.

Weltbild - die Stimmung in Europa verbesserte sich zusehends

Zinsen: Die kurzfristigen Zinsen werden von der EZB noch geraume Zeit auf jetzigem tiefen Stand gehalten.

Aktien: Die positive Entwicklung der Konjunktur in Europa fällt mit  immer noch unterbewerteten Börsenkursen in einigen Ländern zusammen. Hieraus ergeben sich hervorragende Chancen, die weitere Erholung der Konjunktur in konkrete Kursgewinne umzusetzen.

Anleihen: Vor dem Hintergrund von steigenden Langfrist-Zinsen in den USA werden die Zinssätze für Anleihen in Europa nicht auf dem jetzigen Stand verharren. Wir erwarten einen Anstieg in Richtung 2 % für 10-jährige Bundesanleihen bis zum Jahresende, was immer noch einen deutlichen Abstand zu den US-Zinsen markieren würde.

Hinweis: Steigende Langfrist-Zinsen führen bekanntlich zu fallenden Kursen. Ein Bestand an Anleihen mit langer Restlaufzeit wird – ausgehend von dem derzeitig sehr niedrigen Zinsniveau – zwangsläufig zu Kursverlusten führen. Diese Positionen sind deswegen besonders sorgfältig zu prüfen.

Asien: Unterschiede von Land zu Land

Die Konjunktur im asiatischen Raum wird stark von den Entwicklungen in dem 1,3 Milliarden Einwohner zählenden China beeinflusst. Hier häufen sich die Meldungen über eine Abschwächung der Wirtschaft, eine Reduzierung der Wachstumsrate, zunehmende Probleme mit faulen Krediten und dem Risiko einer platzenden Immobilienblase. Diese Entwicklungen sind seit Jahren bekannt und werden auch in China in den großen Wirtschaftszeitungen fast täglich aufgegriffen. In dem jüngst veröffentlichten Reformprogramm der politischen Führung Chinas wird die Situation beschrieben und ein umfassender Plan vorgestellt, die Fehlentwicklungen der letzten Jahre Schritt für Schritt zu korrigieren. 

China plant künftig ein deutlich niedrigeres Wachstum ein. „Niedrig“: das bedeutet für China immer noch über 7 % jährlich. Die Reduzierung gegenüber früher hat auch das Ziel, das Kreditwachstum einzudämmen, die Abhängigkeit von Investitionen abzubauen und statt dessen den Konsum zu fördern. Der geplante systematische Umbau der chinesischen Wirtschaft in Richtung „mehr Konsum“ wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Bei allen Meldungen über Hemmnisse und Rückschläge behalten wir immer im Sinn, dass China mit Devisenreserven im Gegenwert von  ca. 4.000 Milliarden USD extrem hohe Reserven hat, Krisen zu bewältigen. Außerdem können Reformen in China deutlich schneller und nachhaltiger umgesetzt werden als z.B. in Indien, da in China die für die konsequente Umsetzung von Reformen hinderlichen demokratischen Prozesse nicht berücksichtigt werden müssen.

Über die Konjunktur in einigen weiteren Ländern Asiens berichteten wir vor kurzem. Hier der direkte Link zu der Zusammenfassung:

Emerging Markets -Differenzierte Betrachtung erforderlich

Zinsen: Zinsen in China unterliegen staatlicher Aufsicht. China plant, sowohl auf der Einlagen- als auch auf der Kreditseite Schritt für Schritt eine Freigabe der Zinsen einzuführen. Damit wird künftig mehr Wettbewerb entstehen und im Kreditbereich deutlich Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Risiken einer Kreditvergabe gelenkt. 

Die Zinsen der weiteren Länder Asiens liegen teilweise deutlich auseinander. Länder mit einem Handelsbilanzdefizit leiden seit Beginn der Tapering-Maßnahmen der Fed unter dem Abzug von Kapital internationaler Investoren und haben zur Erhöhung der Attraktivität für internationale Anleger teilweise beträchtliche Zinserhöhungen vorgenommen. Dies allerdings bremst die inländische Konjunkturentwicklung.

Aktien: In zahlreichen Ländern Asiens sind die Aktienkurse auf einem im internationalen Bewertungsvergleich sehr niedrigen Niveau. Dies eröffnet Chancen, zu gedrückten Kursen aufzustocken. In Einzelfällen haben wir in den letzten Wochen nach jeweils starken Einbrüchen zugegriffen und hieraus auch schon erste Gewinne (z.B. Indien 5 % innerhalb zwei Wochen) realisiert. Die nächsten Monate werden noch einige Chancen bieten, jeweils kurzfristige Erholungen zu nutzen und auch bei tiefen Kursen Langfristpositionen aufzubauen.

Anleihen: In fast allen Ländern der „Emerging Markets“, wozu auch die meisten Länder Asiens zählen, führte der Abzug von Kapital zu Kursrückgängen bei den Anleihen. Gleichzeitig wurden die Währungen abgewertet. Dies führt zu neuen Chancen, Positionen zu gedrückten Kursen aufzubauen. Allerdings ist jedes Land und jede Währung separat zu beurteilen. Die Währungen der unter der Bezeichnung „Die fragilen Fünf“ zusammengefassten Länder Brasilien, Indien, Indonesien, Türkei und Südafrika verloren besonders stark.

Japan: das große Experiment

Bezüglich der weiteren Entwicklung der Konjunktur in Japan ergeben die Stellungnahmen der Volkswirte kein einheitliches Bild. Einige sind der Überzeugung, dass Japan alsbald deutliche Erfolge bei der Wiederbelebung der Konjunktur erreichen wird, andere stehen dem „Experiment Abenomics“ sehr reserviert gegenüber. Die Notenbank gibt unglaublich viel Liquidität in die Märkte, um die Investitionen anzuschieben, den Konsum zu erhöhen und die Inflation nach oben zu treiben.

Zur Grafik: die japanische Notenbank hat seit Anfang 2012 unglaublich viel Kapital in die Märkte gepumpt und erhöhte ihre Bilanzsumme von knapp über 30 % auf jetzt 47 % der japanischen Wirtschaftsleistung. Quelle: JPM

Zum 1. April wurde die Mehrwertsteuer von bisher 5 % auf jetzt 8 % erhöht. Gleichzeitig wünscht die Politik, dass die Unternehmen die Löhne anheben.

Zur Grafik: Die Inflation in Japan zog bereits etwas an. Die Löhne verharren jedoch noch auf dem früheren Niveau. Quelle: JPM

 

Mittlerer Osten und Nordafrika: rasanter Aufstieg

Die Konjunktur in einigen Ländern des Mittleren Ostens wird entscheidend von den Einnahmen aus der Ölförderung geprägt.  Länder mit hohen Einnahmen entwickeln sich rasant weiter (Aufbau industrieller Strukturen rund um die Ölförderung) und weisen ein hohes Bevölkerungswachstum auf. Der Anteil junger gut ausgebildeter Einwohner wächst stark  an.  So sind beispielsweise fast zwei Drittel der saudischen Bevölkerung unter 25 Jahre alt. Die daraus resultierenden positiven Einflüsse auf die Konjunkturen in diesen Ländern lassen eine weiterhin positive Entwicklung an den jeweiligen Aktienmärkten erwarten. 

Walter Feil ist Leiter der Niederlassung Bühl der Gies & Heimburger GmbH und Leiter des Investment-Research.