Wer an Anleihen denkt, hat meist ein einfaches Bild vor Augen: Man leiht einem Unternehmen oder Staat Geld und erhält dafür einen festen Zins. Doch der Anleihemarkt bietet weitaus mehr Möglichkeiten. Eine besonders spannende Nische sind sogenannte „Opportunity-“ oder „Special Situations“-Fonds. Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen, wie funktionieren solche Fonds und in was investieren sie genau? Wir werfen einen Blick auf diese spezielle Anlageklasse, veranschaulicht an zwei Beispielen aus unserem Portfolio.
Was sind Opportunity-Fonds im Rentenbereich?
Klassische Rentenfonds orientieren sich stark am allgemeinen Zinsniveau und breiten Marktindizes. Opportunity-Fonds gehen einen anderen Weg. Sie investieren zwar ebenfalls überwiegend in Unternehmens- und Staatsanleihen, ihr primäres Ziel ist es jedoch, gezielt Papiere aufzuspüren, die am Markt aktuell nicht richtig bewertet, also meist zu günstig, sind.
Die Strategie: Nuancen entscheiden über den Erfolg
Doch wie finden Manager diese verborgenen Schätze? Der Schlüssel liegt im sogenannten Bottom-up-Ansatz. Dabei wird das einzelne Wertpapier bis ins kleinste Detail durchleuchtet.
Um diesen Ansatz zu verstehen, muss man wissen: Der Markt für Unternehmensanleihen ist hochgradig undurchsichtig und komplex. Wenn ein Unternehmen eine Anleihe herausgibt, wird ein Emissionsprospekt erstellt. Diese Dokumente umfassen oft mehrere hundert Seiten. Es ist enorm schwer, die darin verankerten Emissionsbedingungen im Einzelnen zu durchdringen und zu vergleichen. Die Bedingungen unterscheiden sich nämlich nicht nur von Emittent zu Emittent; oftmals gibt ein und derselbe Schuldner Anleihen zu völlig unterschiedlichen Bedingungen heraus.
Je komplexer eine Anleihe aufgebaut ist, desto interessanter ist sie für das Fondsmanagement, da die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbewertung (Mispricing) am Markt deutlich höher ist. Der Markt vollzieht ungewöhnliche Emissionsbedingungen oft nicht vollständig nach. Oft sind es kleine Nuancen im Kleingedruckten, die den Unterschied machen.
Genau hier setzt Dr. Tobias Spies, Senior Fund Manager des LAIQON – Sustainable Yield Opportunities, an. Er macht sich die Undurchsichtigkeit des Marktes zunutze und spürt diejenigen Unternehmensanleihen auf, in deren Emissionsprospekten besondere Bedingungen verankert sind. Durch dieses intensive Studium der Anleihebedingungen erzielt er regelmäßig Renditen, die weit über denen herkömmlicher Rentenfonds liegen.
Ein Blick auf die Investments
Das Prinzip des LAIQON-Fonds (Bottom-up, intensives Studium, überschaubare Bonitätsrisiken) zeigt sich an seinen Top-10-Investments. Hier finden sich keine exotischen Hochrisiko-Unternehmen, sondern renommierte Großkonzerne. Zu den größten Positionen gehören beispielsweise Anleihen von Weltmarken wie Bosch, Vodafone, Allianz und Volkswagen. Das Ausfallrisiko bleibt somit überschaubar, während die Ertragschancen aus der Komplexität der Papiere geschöpft werden. Ein weiterer positiver Aspekt für verantwortungsbewusste Anleger: Bei der Auswahl dieser Investments legt der Fonds stets auch großen Wert auf Nachhaltigkeitskriterien.
Ein weiterer Baustein: Stabilität durch nordische Floating Rates
Wie ein anderer Ansatz in dieser Anlageklasse aussehen kann, zeigt der Sissener Corporate Bond Fund: Er nutzt gezielt die Besonderheiten des nordischen Anleihemarkts.
Im Gegensatz zu Mitteleuropa wird dieser Markt überwiegend über variabel verzinsliche Anleihen (Floating Rate Notes) abgewickelt. Das bringt entscheidende Vorzüge:
Die Papiere weisen eine deutlich kürzere Zinsbindung (Duration) auf, wodurch Zinsänderungen direkt an den Anleger weitergegeben werden und der Anleihekurs stabil bleibt. Gleichzeitig bietet der nordische Markt im Vergleich zu Europa historisch höhere Renditeaufschläge (Spreads). Dies schlägt sich auch in der Wertentwicklung nieder: Im Jahr 2025 erzielte der Fonds in seiner NOK-R Anteilsklasse eine Rendite (YTD) von 9,0% (6,8% EUR). Zudem verzichtet er vollständig auf Investitionen in ETFs, da ETFs eine höhere Volatilität haben. Auch das Thema Nachhaltigkeit (ESG) ist in diesem Fonds fest verankert.
Fazit: Für wen eignen sich die Fonds?
Opportunity-Fonds und spezialisierte Rentenbausteine bieten eine smarte Möglichkeit, im Rentenmarkt Renditen zu erzielen, die sich von den klassischen Wegen abheben. Fonds wie der LAIQON – Sustainable Yield Opportunities und der Sissener Corporate Bond Fund eignen sich besonders für renditeorientierte Anleger mit einem mittleren Risikoprofil, die die Chancen von ineffizienten Anleihemärkten gezielt für sich nutzen wollen.