KI-Entwicklung: Wo die Wertschöpfung jetzt entsteht

Die Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz schreitet in atemberaubendem Tempo voran. Fast wöchentlich erreichen uns Meldungen über neue Modellgenerationen, technologische Durchbrüche und tiefgreifende Veränderungen in der Arbeits- und Wirtschaftswelt. Bei vielen Marktbeobachtern und Anlegern hinterlässt diese Dynamik Unsicherheit: Handelt es sich um eine spekulative Übertreibung, droht eine Abkühlung, oder verändert die Technologie die Wirtschaft dauerhaft?

Mit der Art und Weise, wie wir das Thema KI in unseren Anlagestrategien abbilden, fühlen wir uns ausgesprochen wohl. Eine Bestätigung für unseren Ansatz liefert der aktuelle Marktkommentar von TBF vom September 2026.

Die entscheidende Verschiebung: Wo Wertschöpfung jetzt entsteht

In der ersten Phase des KI-Booms standen die großen Cloud-Plattformen und führenden Chiphersteller im Mittelpunkt. Jetzt verlagert sich das Geschehen tiefer in die Wertschöpfungskette. Auf der Technologiekonferenz „Communacopia“ in San Francisco besuchten die TBF-Portfoliomanager fast 40 Vorträge, größtenteils mit den CEOs wichtiger Technologieunternehmen. Ihr Eindruck: Mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur entstehen neue Engpässe. Rechenleistung allein genügt nicht mehr, Daten müssen bewegt, gespeichert und zwischen immer größeren Systemen ausgetauscht werden. Speichertechnologie, Netzwerktechnik und optische Datenübertragung gewinnen deshalb an Bedeutung, auch wenn sie bislang im Schatten von Big Tech standen.

Beschleunigt wird dieser Wandel durch den Übergang vom Training großer Modelle zur laufenden Nutzung, dem sogenannten Inferencing. Es findet bei jeder Anwendung statt und wird so zu einem kontinuierlichen Verbrauch von Rechenleistung. Hinzu kommen autonome Agenten, die selbstständig weitere Modelle aufrufen und Aufgaben über längere Zeiträume bearbeiten, sowie „physische KI“ in Logistik, Industrie und Robotik. Das Rechenvolumen kann dadurch deutlich schneller wachsen als die Zahl der Nutzer, und mit ihm der Bedarf an Rechenzentren und Netzkapazitäten.

Reale Nachfrage: Volle Auftragsbücher bis in die 2030er-Jahre

Während an den Finanzmärkten immer wieder über eine drohende Investitionsdelle („Peak Capex“) debattiert wird, deuten die Aussagen der Unternehmen auf ein anhaltend positives Umfeld hin. TBF belegt, dass sich der Trend nicht in bloßen Ankündigungen widerspiegelt, sondern in vollen Auftragsbüchern und handfesten Investitionsentscheidungen.

Besonders deutlich wird das bei der Energie- und Netzinfrastruktur. Eaton-CEO Paulo Ruiz Sternadt nannte auf der Morgan-Stanley-Konferenz in Laguna zuletzt 342 Gigawatt an angekündigten Rechenzentrumsprojekten, gegenüber rund 50 Gigawatt, die heute in Betrieb sind. Er betont allerdings selbst, dass das meiste davon noch nicht 2027 oder 2028 umsatzwirksam wird: Es handle sich um einen längeren Zyklus. GE Vernova füllt nach Aussage von CEO Scott Strazik bereits das Auftragsbuch für 2030 und 2031.

Fazit

Die Aussagen der Unternehmen sprechen dafür, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur auf langfristigen Plänen beruht und keine Momentaufnahme ist. Die Wertschöpfung verlagert sich dabei zunehmend in Bereiche, die lange im Schatten von Big Tech standen. Das bestärkt uns darin, dass wir mit der Art, wie wir das Thema KI in unseren Anlagestrategien abbilden, gut aufgestellt sind.