Editorial der Freitags-Info vom 28.02.2020

Geposted von Thomas Boldt am

Panik an den Börsen

In weniger als zwei Wochen von Euphorie zu Panik: Die Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt hatte gerade erst so richtig Fahrt aufgenommen und schon bereitete ihr die Furcht vor einer Rezession infolge des Ausbruchs des neuartigen Coronavirus ein jähes Ende. Die Aktienkurse stürzten ab – weltweit. Als sicher geltende Anlagen sind dagegen gefragt, wovon zuletzt Anleihen und Gold profitierten.

Der Dax brach mit einem Wochenverlust von zeitweise mehr als 15% so massiv ein wie seit der Weltfinanzkrise 2008 nicht mehr. Auch das wohl bekannteste Börsenbarometer der Welt, der US-amerikanische Dow Jones, war mit bislang 11% Wochenminus schwach wie lange nicht mehr. Nach dem Ursprungsland China melden immer mehr Staaten Infektionen mit Sars-CoV-2, leiten Quarantänemaßnahmen ein und sagen Großveranstaltungen ab. So fällt etwa der Genfer Autosalon dieses Jahr aus.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestand inzwischen ein, dass der neue Erreger „pandemisches Potenzial“ habe und ohne die richtigen Maßnahmen „außer Kontrolle geraten“ könnte. Auch wenn medizinische Fachleute wie der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, daran erinnern, dass bei der weit überwiegenden Anzahl der Infizierten nur erkältungsähnliche Symptome auftreten – die Folgen für die Wirtschaft sind schon jetzt massiv.

„Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wird durch die Unterbrechung von internationalen Lieferketten besonders schlimm getroffen“, sagte etwa Stefan Schneider, Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank. Die Folgen des Coronavirus könnten in Deutschland durchaus zu einer Rezession führen. Chefstratege Michael Hartnett von der Bank of America sieht sogar für die ganze Weltwirtschaft zunehmende Risiken für einen Konjunkturabschwung. Erst Mitte März rechnen die Experten der Investmentbank JPMorgan mit einem Höhepunkt der Erkrankungswelle – allerdings mit aller Vorsicht. Zu unterschiedlich und schwer vorhersehbar sei die Ausbreitung je nach Bevölkerungsdichte, medizinischem und hygienischem Standard oder auch nur dem Wetter.

Etwas Mut macht den Anlegern jedoch der Investmentchef der UBS, Mark Haefele. Die Marktteilnehmer seien in Krisenfällen in der Vergangenheit zwar ganz gut darin gewesen, die erste Belastung abzuschätzen. Mit Blick auf das Tempo der nachfolgenden Erholung seien sie dann allerdings oft zu pessimistisch gewesen. Es sei zwar extrem unklar, wann die Unsicherheit wegen des Coronavirus ihren Höhepunkt erreiche, so Haefele weiter. Die Bedingungen für eine rasche Entspannung seien allerdings gar nicht schlecht. „Die Panik an den Märkten endet, wenn die der Notenbanken beginnt“, ergänzte der Bofa-Chefstratege Hartnett. Von den Zentralbanken erwartet sich der Experte im März Einiges um die Märkte zu beruhigen und somit Arbeitsplatzverluste bei kleineren Unternehmen zu verhindern.

Fazit: Es wird im Moment ordentlich Luft aus einem ausgeblähten Markt gelassen. Insofern verwundert es nicht, dass das Virus als Ventil herhalten muss für seit Langem vor sich hin gärende Probleme. Als das wären: eine überbordende Verschuldung von Staaten und Unternehmen befördert durch Billig-Geld en masse, welches auch eine Inflation bei Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien zur Folge hatte.

Aktien sind als Teil einer Geldanlagestrategie ein Langzeitprojekt, also mindestens 10 Jahre, besser noch länger. Wer sein Geld also kurzfristig nicht braucht, kann auch den Corona-Crash aussitzen, Ruhe bewahren und sich ordentlich die Hände waschen. Letzteres nur, damit das Virus nicht doch noch an viel wertvollerer Stelle für Schaden sorgt.

Thomas Boldt und das gesamte Team von Gies & Heimburger wünscht Ihnen ein erholsames Wochenende und vor allen Dingen, bleiben Sie gesund!

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH