Technologie anstatt Energie

Geposted von Thomas Boldt am

ExxonMobil nicht mehr im Dow Jones Index

Jahrzehnte lang war ExxonMobil eine unaufhaltbare unter Volldampf fahrende Lokomotive. Das Unternehmen verdiente viel Geld, setzte es weise ein und belohnte die Anleger mit hohen Renditen. Noch 2013 war Exxon das wertvollste Unternehmen der Welt. Einen Rang, den das Unternehmen schon lange nicht mehr innehat.

In den vergangenen Tagen wurde der Ölkonzern Saudi Aramco vom ersten Platz verdrängt und damit ist der Technologiekonzern Apple mit einer Marktkapitalisierung von über 2 Bio. US Dollar wieder das wertvollste Unternehmen der Welt.

Im Gegensatz zu den Entwicklungen und Erfolgen anderer Unternehmen ist der US-Energieriese Exxon nur noch ein Schatten seiner selbst. Um 267 Milliarden US-Dollar ist der Wert des Unternehmens seit seinem Höhenflug gefallen, den Weg dazu bereitete eine Reihe von strategischen Fehlentscheidungen. Nun fliegt das Unternehmen aus dem Dow Jones Industrial Average, dem exklusiven Club der 30 im international bekanntesten Index vertretenen Werte. Insgesamt 92 Jahre lang war das Unternehmen Teil des Dow Jones und wird nun durch das Technologieunternehmen Salesforce ersetzt. Mit dem Rauswurf von ExxonMobil verbleibt mit dem Konzern Chevron nur noch ein einziges Öl- und Gasunternehmen im Dow Jones Index.

Dow Jones – der Dinosaurier unter den Indizes seit 25.05.1896

Der Dow Jones Industrial Average ist ein Kursindex und umfasst 30 US-amerikanische Unternehmen an der New York Stock Exchange (NYSE). Er ist ein rein preisgewichteter Index, dessen Stand ausschließlich aus den Aktienkursen ermittelt wird. Er wird ohne Dividenden, Bezugsrechte und Sonderzahlungen berechnet, Marktkapitalisierung oder Anzahl der Aktien im Streubesitz werden nicht berücksichtigt. Aktien mit einem hohen Kurs wirken stärker auf den Index als Aktien mit einem niedrigen Kurs.

Die Änderung der im Dow Jones gelisteten Unternehmen wurde am gleichen Tag veröffentlich, an dem der Aktiensplit von Apple durchgeführt wurde. In diesem Aktiensplit liegt auch ein wichtiger Grund für den Rauswurf des Öl-Riesen. Der Aktiensplit von 4:1 bedeutet dass die Marktkapitalisierung des Techgiganten gleich bleibt, die einzelne Aktie aber weniger wert ist. Im Gegensatz zu anderen Börsen wird am Dow Jones nicht die Marktkapitalisierung berücksichtigt, sondern nur der Wert der einzelnen Aktie. Damit hat der Aktiensplit auch direkte Auswirkungen auf den Börsenindex. Zusätzlich soll der Austausch von ExxonMobil gegen Salesforce die steigende Bedeutung von Technik-Unternehmen für die Wirtschaft und Gesellschaft widerspiegeln. Willkommen in der neuen Welt!

US-Konzerne setzen auf Fracking, Europa auf erneuerbare Energien

Die amerikanischen Konzerne setzen trotz der tiefen Ölpreise und trüben Konjunkturaussichten weiterhin auf Fracking. Riesen wie Chevron und ExxonMobil wollen etwa das texanische Perm-Becken mit ihren Fracking-Methoden so weit wie möglich ausschlachten. „Öl werde auch in 40 Jahren noch gebraucht“, schätzt etwa Chevron-CEO Mike Wirth.

Europäische Ölmultis verlieren lieber Milliarden statt weiter zu bohren

Europäische Ölkonzerne sehen im Schwarzen Gold keine Zukunft mehr – eine Erkenntnis, die Corona beschleunigt hat. Sie wenden sich langsam vom Öl ab. Neben den Falkland-Inseln und dem kanadischen Ölsand sollen auch Vorkommen vor der Küste Brasiliens, in Angola und dem Golf von Mexiko nicht mehr erschlossen werden. Hauptsächlich geht es dabei um Projekte, die technisch anspruchsvoll und wirtschaftlich nicht mehr rentabel sind. „Gestrandete Vermögenswerte“ nennen Konzerne solche abrupt zu Ende gehenden Projekte. So haben europäische Ölkonzerne allein im 2.Quartal d.J. Projektkosten von rund 50 Mrd. EUR abgeschrieben.

Außerdem haben sich die meisten europäischen Ölfirmen auch dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet. Das wiederum bindet sie, bis 2050 CO2-neutral zu arbeiten. Das heißt nicht, dass sie dann kein Öl mehr fördern dürfen, aber sie müssen es mit genügend erneuerbaren Energien ausgleichen. Shell hat sich dafür etwa schon 2016 in die Elektroauto-Branche eingekauft, Total baut sein Portfolio an Solar- und Windparks aus. Die Ausgaben sind bisher im Vergleich zum gesamten Konzernbudget noch bescheiden. Shell und BP geben weniger als 10% ihrer jährlichen Auslagen für klimafreundliche Projekte aus, Total will den Anteil bis 2025 auf gerade einmal 20% steigern.

Ein erster Anfang ist gemacht!

Direktor Privatkunden Gies & Heimburger GmbH